Perspektive aus der Kita

Hallo, ich muss mich jetzt mal aus Perspektive der Kita melden:

Ich arbeite als Leitung in einer Kindertagesstätte in Niedersachsen in freier Trägerschaft, vorher war ich einige Jahre sowohl als Leitung als auch als Erzieher in der Gruppe in Kita’s in öffentlicher Trägerschaft tätig.

Den Wunsch nach mehr (qualitativ hochwertiger) Kinderbetreuung teilen ich und meine KollegInnen sicherlich, allerdings sind es vor allem die Gesetzlichen Rahmenbedingungen, die einer guten Weiterentwicklung der Kitalandschaft entgegenstehen.

Vor allem die Finanzierung von Kitas ist, zumindest bei uns in Niedersachsen, nicht ausreichend.

Das NkiTag fordert für eine Gruppe in der Kinder von 3-6 Jahren betreut werden mindestens 2 Pädagogische Fachkräfte die gleichzeitig anwesend sind. Diese beiden KollegInnen dürfen sich dann um 25 Kinder kümmern.

In der Betreuung von Kindern unter 3 Jahren sind wir bei 3 KollegInnen die für 15 Kinder bezahlt werden.

Das heißt in der Praxis aber eben auch das nicht mehr bezahlt wird. Die Kita bekommt im Zuge des Landesfinanzhilfe lediglich die Stunden bezahlt die in dieser gesetzlich vorgegebenen Mindestabdeckung vorgeschrieben sind.

Das Geld was hier ausbezahlt wird richtet sich dann natürlich nicht nach dem tatsächlichen (durch Tarifverträge vorgegebenen) Bedarf sondern wird aufgrund von festen Sätzen berechnet und ausgezahlt.

Die gesetzlich vorgeschriebenen Vertretungskräfte (die selbstverständlich auch noch einem tollen Berechnungsverfahren auf Basis der in der Kita tätigen “Vollzeitäquivalenten” berechnet werden) müssen wir vorhalten, bekommen für diese allerdings keine Finanzhilfe.

Nachdem Niedersachsen im Zuge des “Gute-Kita” Gesetzes die Eltern durch die Abschaffung der Kindergartenbeiträge für alle Kinder ab dem 3. Lebensjahr subventioniert hat, kommt aus dieser Einkommensquelle kein Geld mehr. Hier kam also nicht nur kein Geld aus dem “Gute-Kita” Gesetz in der Kita an es wurde sogar eine zusätzliche Einkommensquelle gestrichen.

Das Defizit was dann in so einem Kita Haushalt entsteht darf dann die Kommune bezahlen (vorausgesetzt der freie Träger hat das Glück entsprechende Verträge zu haben). Nun sind auch die finanzschwachen Kommunen auch nicht gerade versessen darauf mehr Geld als gesetzlich vorgeschrieben in die Kita’s zu stecken.

Alles in allem gibt es für die Kitas also wenig finanziellen Spielraum um mit dem eigenen Personal “wirtschaften” zu können.

Die hohe Belastung für die KollegInnen in den Gruppen, der hohe Krankenstand und die (glücklicherweise) immer Arbeitgeberfreundlicheren Tarifeinigungen sorgen dafür das Bundesweit die schon bestehenden Betreuungszeiten kaum gehalten werden können und regelmäßig geschlossen werden muss.

Die Forderung die Betreuungszeiten zu erhöhen oder gar die 3 Wochen Sommerurlaub zu streichen, ist daher aus meiner Sicht nicht zielführend. Immerhin müssen auch Pädagogische Fachkräfte Urlaub nehmen können, gäbe es keine Schließzeiten müssten viel mehr zusätzliche Vertretungskräfte eingestellt werden die wie gesagt nicht von der Finanzhilfe übernommen werden.

Das auch Kinder im Kita Alter die teilweise jeden Tag im Jahr von 7 bis 17 Uhr ihren “Arbeitstag” in der Kita leisten das Recht haben sollten ein paar Wochen im Jahr frei zu bekommen oder das man versucht die Kitas, die ja nun mal Bildungseinrichtungen sind, mit mehr Qualität statt Quantität zu betreiben möchte ich hier nun nicht auchnoch ausführen.

Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn in einer Lage das Thema der Kita Qualität und Finanzierung mal intesiver behandelt werden würde anstatt immer nur darauf zu verweisen, das die Jüngsten Bundesbürger doch bitte möglichst permanent in Fremdbetreuung gegeben werden sollten.

Viele Grüße Arne

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