Das ist in der Tat ein interessanter Fall.
Campact verteidigt die Spenden damit, die AfD mit allen legalen Mitteln klein halten zu wollen. Ob das sinnvoll ist, kann man natürlich bestreiten. Also man kann natürlich sagen, dass mehr Geld im Wahlkampf für SPD und GRÜNE dazu führt, dass die Parteien mehr Erfolg haben und damit die Chance auf eine Sperrminorität der AfD in diesen Bundesländern geringer wird.
Wichtig ist hier anzumerken, dass es Campact ja nicht darum geht, SPD und GRÜNE dazu zu bewegen, etwas zu tun, was Campact möchte - also die Spenden haben nicht das Ziel, die politische Ausrichtung von SPD und GRÜNEN zu beeinflussen oder SPD und GRÜNE dazu zu bewegen, etwas zu tun, was sie sonst nicht tun würden. Insofern sehe ich diese Spenden nicht als „Lobbyismus“, sondern in der Tat als „Wahlkampfhilfe“.
Ich persönlich unterscheide hier stark zwischen diesen beiden Zielsetzungen, wobei ich zugebe, dass die Grenzen nicht ganz klar sind. Denn natürlich wird auch ein Unternehmen argumentieren, dass man mit den Spenden einfach nur den Parteien im Wahlkampf helfen möchte, welche im Hinblick auf die eigenen Ziele stark sein sollten. Auch Unternehme werden natürlich immer bestreiten, dass es ein Quid-pro-Quo gibt, also dass eine Parteispende mit dem Ziel erfolgt, konkret die Politik zu beeinflussen. Insofern kann ich die Kritik an Campact nachvollziehen.
Dass Campact an politische Parteien spendet hat übrigens auch zumindest indirekt mit der Aberkennung der Gemeinnützigkeit zu tun. Die Union hat das stets gefordert und letztlich hat Campact die Gemeinnützigkeit verloren. So gesehen ist die finanzielle Unterstützung von SPD und GRÜNEN sicherlich auch ein Protest gegen die Union - der erst dadurch, dass Campact nicht mehr gemeinnützig ist, überhaupt erst möglich geworden ist (denn als gemeinnütziger Verein wären Spenden an politische Parteien offensichtlich bereits rechtlich nicht möglich). Man will hier meines Erachtens auch der Union den Stinkefinger zeigen, was durchaus verständlich ist…
Letztlich handelt Campact im Rahmen des rechtlich zulässigen, ob es moralisch akzeptabel ist, müssen letztlich die Spender entscheiden, deren Spenden Campact an die politischen Parteien weitergeleitet hat. Wenn aus diesem Kreis massive Kritik kommt, kann ich die nachvollziehen, wenn aus anderer Richtung massive Kritik kommt, frage ich mich, was der Hintergrund dieser Kritik des Nichtbetroffenen ist.