Open Source und Freie Software

Ich finde das Thema Open Source spannend. Und zwar aus einer politischen Sichtweise. Ich bin fasziniert von der Funktionsweise von Open-Source-Software auf einer gesellschaftlichen Ebene. Die Art wie Entwickler und Benutzer miteinander harmonieren finde ich spannend. Es scheint mir fast als ließen sich daran Alternative Gesellschaftsformen erkennen. Vielleicht liege ich damit aber auch falsch, ich kenne mich nicht besonders gut aus bisher. Des Weiteren finde ich, wird Open Source (Software) immer mehr zu einem wichtigen Gegenpart zu Big-Tech, weswegen ich es wichtig fände mehr Menschen auf Alternativen zu den Dingen, die sie täglich nutzen, wie Google, Microsoft und CO aufmerksam zu machen. Darauf aufmerksam zu machen, was es eigentlich heißt, mit den eigenen Daten zu bezahlen. (Cambridge Analytica)

Hier mal ein paar Recherche Ideen zusammengesucht mit dem leider ganz und garnicht Offenen Chat Gpt:
„The Cathedral and the Bazaar“ von Eric S. Raymond:
In diesem berühmten Essay zieht Raymond eine Parallele zwischen den Entwicklungsmodellen von Softwareprojekten und sozialen Organisationsstrukturen. Der „Bazaar“-Ansatz, der offene und kollaborative Arbeitsweisen beschreibt, wird als eine Metapher für eine dezentralisierte und demokratische Gesellschaft verwendet.

"Open Source as a Social Movement" von P. F. Dunne und M. L. Davis (Journal of Information Technology, 2009):
    Diese Studie untersucht Open-Source-Software als eine soziale Bewegung und zieht Parallelen zu sozialen und politischen Bewegungen, die sich für mehr Demokratie, Teilhabe und eine gerechtere Verteilung von Ressourcen einsetzen.

"The Political Economy of Open Source Software" von B. V. L. H. M. de Lange und A. C. S. D. de Lange (2005):
    Der Artikel untersucht Open-Source-Software als Beispiel für eine alternative Wirtschaftsstruktur, die nicht auf den traditionellen Profitmaximierungsmodellen basiert, sondern auf kollaborativen und gemeinschaftlichen Prinzipien.

"Collaborative Economies and the New Social Movements" von Trebor Scholz:
    Scholz spricht über die gemeinsame Wirtschaft und zieht Parallelen zwischen Open-Source-Software und verschiedenen sozialen Bewegungen, die den Fokus auf Kooperation, Ressourcenteilung und Demokratie legen. Besonders relevant ist seine Diskussion über "Plattform-Kooperativen", die ähnlich wie Open-Source-Projekte auf gemeinschaftlicher Entscheidungsfindung und Teilhabe beruhen.

"Open Source and the Open Society" von David R. Johnson:
    Dieser Artikel untersucht die theoretischen Grundlagen des Open-Source-Modells und dessen Verbindungen zu den Prinzipien einer offenen Gesellschaft, insbesondere der Idee der freien und gleichberechtigten Teilhabe an Wissen und Ressourcen.

"The Open Source Alternative: Understanding Risks and Leveraging Opportunities" von Brian Fitzgerald und Kenneth O'Rourke:
    In diesem Buch werden Open-Source-Prinzipien aus einer praktischen und theoretischen Perspektive beleuchtet, wobei auch Vergleiche zu alternativen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systemen angestellt werden.

Weitere Quellen und Themen:

"Commons-Based Peer Production": Eine Sammlung von Arbeiten zu gemeinsamen, kollaborativen Produktionsmodellen (z.B. von Yochai Benkler) untersucht, wie Open-Source-Produktion auf größere soziale und wirtschaftliche Strukturen angewendet werden kann.
"Peer-to-Peer: The Commons Manifesto" von Michel Bauwens: Bauwens ist ein führender Denker im Bereich der Peer-to-Peer-Ökonomie und vergleicht Open-Source-Entwicklungsmodelle mit neuen Formen von gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Organisation.

Hust. Ganz so utopisch harmonisch ist es bei großen Open Source Projekten dann auch nicht, da gibt es auch einiges an Drama und Seifenoper.

Ansonsten ist das Thema aber durchaus mal ein Kapitel bei LdN wert, weil es gerade dazu eine Anhörung gab…

…und weil gerade aus dem Sovereign Tech Fund die Soverein Tech Agency geworden ist:

https://www.heise.de/news/Mehr-als-Funding-Sovereign-Tech-Fund-soll-Agency-werden-10003902.html

Ulf hat das Thema allerdings schon öfter in der Lage angesprochen und als Positivbeispiel für staatlich finanzierte digitale Infrastruktur genannt.

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Naja ganz so rosig ist es wirklich nicht… Ein signifikanter Anteil an Open-Source Projekten ist unterfinanziert oder unterbesetzt - obwohl viele elementar für eine Vielzahl anderer Produkte sind


(xkcd: Dependency)

Die anderen sind zu weiten Teilen finanziell und personell von „Big Tech“ abhängig - Intel, Red Hat und IBM gehören zu den größten Contributors zum Linux Kernel, Google ist Haupteinnahmequelle von Mozilla, etc.

Parallel steigt die Zentralisierung des Internets, über 60% der Infrastruktur ist Amazon (AWS), Microsoft (Azure) oder Google Cloud. Gleichzeitig haben Cloudflare, Amazon und Akamai 89% Markanteil bei CDNs.

Auf der Ebene von kleinerer Software für private Endnutzer funktioniert es oft besser (siehe Fdroid, VLC,…) aber das sind ja nicht die elementaren Services, die zB durch den Sovereign Tech Fund adressiert werden.

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Alles korrekt, was Du schreibst.

Ich möchte ergänzen, dass sehr große Teile der IT Infrastruktur überall maßgeblich auf OpenSource Software beruht. AWS und Google Cloud, größtenteils basierend auf Linux und OpenSource Software, die für Linux geschrieben sind. Android, eines der meist genutzten Betriebssysteme ebenfalls.
Überall kommen OpenSource Webserver zum Einsatz.

Viele der großen finanziellen Gewinner der Digitalisierung nutzen als Basis und damit als Trittleiter OpenSource Software. Und in gewissen Teilen fliesst auch Fördergeld in diese Richtung, aber eben erstens nur sehr wenig gemessen am Gewinn und zweitens eben auch größtenteils in Projekte, die ins Portfolio der jeweiligen Geldgeber passen.

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Auf jeden Fall ist die Existenz von free und open source software ein sehr anschaulicher Gegenbeweis zum Narrativ vom homo oeconomicus.
Ich bin selbst Mitstreiter in einem kleinen open source Projekt für Privatanwender arbeite aber auch hauptberuflich in der Softwareentwicklung. Daher ist für mich ein weiterer Interessanter Aspekt, dass open source auch eine Lösung für Entwickler sein kann, die im kommerziellen Arbeitsumfeld unter der Entfremdung durch die dortigen Arbeitsprozesse leiden.

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Open Source ist in der Tat ein riesen Wirtschaftsfaktor. Auch gehören gute Projekte auf GitHub zur Visitenkarte guter Entwickler. Heute findet Innovation in hohem Maße im Open Source Bereich statt. Auch die wichtigsten KI Frameworks sind Open Source. So ist Innovation heute ein Hauptgrund für Firmen für die Open Source Adoption. Ich empfehle den State of Open Source Report. The 2023 State of Open Source Report confirms security as top issue – Open Source Initiative

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Gerade kam mir dies hier unter:

https://www.openmuc.org/

Ich kann aber schwer einschätzen, ob es wirklich open source ist oder nur den Anschein wahren will.