Hier geht es vor allem um gesundheitliche Auswirkungen, die nicht nachhaltig seien. Daher: Der Alkohol- und Tabakkonsum geht während solcher Sport-Großevents etwas runter, die körperliche Aktivität etwas hoch, aber die Effekte bleiben nicht lange. Das wundert jetzt nicht wirklich.
Das zeigt aber eine Sache ganz gut: Es geht nie um einen einzelnen Aspekt, sondern um das Gesamtpaket. Wir zahlen für Olympia eine gewisse Summe, einen Teil dieser Summe ist letztlich eine sinnvolle Investition in die Zukunft (vor allem Infrastruktur), einen Teil dieser Summe bekommen wir zurück (z.B. durch Tourismus, Verkauf von Fanartikeln usw.). Der übrig bleibende Teil steht diversen immateriellen Vorteilen gegenüber: Die in der von dir verlinkten Studie zu messenden „Health Benefits“, das gestiegene Ansehen der eigenen Nation in der Welt, das „Urlaubs“-Feeling bzw. das Gefühl, Teil von etwas großem zu sein usw. usf.
Selbstverständlich ist die Frage, ob diese immateriellen Nutzen hoch genug sind, um die Kosten zu rechtfertigen. Das hängt stark davon ab, wie viele Kosten „überhängen“ (dh. nicht durch „gute“, nachhaltige Investitionen und Einnahmen aufgefangen werden können) und wie hoch man den Nutzen schätzt. Wissenschaftlich lässt sich das nur sehr mäßig prognostizieren - auch ein Verweis darauf, dass die Kosten der letzten vier Sommerspiele massiv explodiert sind, ist nicht zwangsläufig. Man muss sich tatsächlich fragen, warum die Kosten so explodiert sind, wie es die Grafik aus deinem ersten Link zeigt:
Die Frage ist:
Setzt das IOC diese massiven Kosten wirklich voraus? Oder „übertreiben“ die Ausrichter-Länder es einfach, weil alle immer nach der nächsten „Superlative“ streben? Wäre es vielleicht an der Zeit, mal in der Bewerbung um Olympia schon klar zu machen, dass man Olympia ausrichten will, aber wieder zurück zu vernünftigen Verhältnissen möchte? Oder wird das IOC dann die Spiele an das „unvernünftigste, zahlungswilligste Land“ vergeben, also das Land, das noch am ehesten bereit ist, wieder etliche Milliarden auf die Spiele zu werfen?
Hier läge ein möglicher Kompromiss: Bewerbung Deutschlands als Olympia-Standort ja - aber unter der Vorgabe eine klaren Budgetierung, die auch einzuhalten ist. Und der Vorgabe, nicht nach der nächsten Superlative zu streben, sondern von Anfang an eher eine Rückbesinnung auf einfachere Standards zu zelebrieren. Ob wir damit die Bewerbung gewinnen mag zweifelhaft sein, aber wir würden damit ein sinnvolles Zeichen setzen. Und möglicherweise wäre das auch genau das, was dem aktuellen Zeitgeist entspricht.