Olympia-Bewerbung: (Desaster-)EM 2024 vergessen?

Ich war irritiert, dass beim Gespräch über die mögliche Olympia-Bewerbung nur die WM 2006 (die 20 Jahre her ist) genannt wurde und mit keiner Silbe die EM 2024 erwähnt wurde.

Zur Erinnerung: viele Infrastrukturprojekte wurden nicht rechtzeitig fertig (sind es teilweise immer noch nicht). Die Bahn war eine Vollkatastrophe (und wird es angesichts der geplanten Baustellen in 10-15 Jahren immer noch sein) und hat die Menschen nicht rechtzeitig zum Anpfiff zu den Stadien gebracht. Man hatte sich schlicht übernommen.

Und damals haben auch alle vom Sommermärchen gesprochen und dass es so toll werden würde…

Frage: warum wurde das nicht angesprochen? Schlicht vergessen kann ich mir nicht vorstellen, das ist gerade mal 2 Jahre her…

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Also ich hatte die EM tatsächlich schon vergessen :see_no_evil_monkey::person_shrugging: von daher würde ich das nicht ausschließen wollen.

Ich hab in der Abstimmung in Rhein-Ruhr mit Nein gestimmt und fühle mich durch die Folge weitgehend bestätigt: Ökonomisch bestenfalls ein Nullsummen-Spiel.

Aber für mich entscheidender: ich glaube nicht mehr daran, dass in Deutschland Städte sinnvoll und zeitgemäß entwickelt werden. Am Ende hat man mehr Straßen, deren Unterhalt sich niemand wirklich leisten will. Jede Chance für eine zeitgemäße Infrastruktur wird am Ende von den Auto-Junkies kaputt gemacht. Deswegen weckt die Chance auf Gelder, mit denen im Ruhrgebiet dringend nötige Investitionen, grade in städteübergreifende Mobilität via ÖPNV passieren könnten, bei mir wenig Fantasie, dass das passieren würde. Das ist natürlich sehr von dem desaströsen Umgang mit den sogenannten “Sondervermögen” bisher geprägt und speziell von den Eindrücken meines letzten Berlin-Besuchs, wo man bei der Stadtentwicklung offensichtlich entschlossen ist, die ganze Stadt zum Parkplatz zu machen🤷

2036 stehen die Chancen nicht schlecht, dass hier irgendwelche korrupt-opportunistischen Konservativen und Rechtsextremisten die Macht gesichert haben, fürchte ich. Weiß nicht, ob man aus der sich reimenden Geschichte so dringend ein richtiges Gedicht machen sollte.

Was mich überrascht hat: Die Sicherheitskosten sollte selbstverständlich der Staat tragen? Sah man bei Fußballspielen in der Lage schon deutlich anders. Was wäre hier der entscheidende Unterschied?

Davon unabhängig fand ich aber, dass die Lage in diesem Segment für beide Seiten die besten Argumente gut aufgearbeitet hat, auch wenn (oder grade weil) mein Fazit anders ausfällt.

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Ich bezweifle nicht, dass Olympische Spiele zusätzliche gesellschaftliche Motivation und Zielorientierung für den Bau von Infrastruktur bewirken. Aber die ausgeschiedenen Bewerber (national und international) schauen in die Röhre. In der Summe überwiegt die Enttäuschung der Vielen bei Weitem die Freude der Wenigen, die fast ausnahmslos in den wohlhabenden Ländern beheimatet sind und wie in einer Lotterie beglückt werden.

Rational betrachtet sollte Infrastruktur so geplant werden, wie sie genau benötigt wird – und nicht über den Umweg und den fremden Zweck einer 2-wöchigen Veranstaltung. Die Nachnutzung ist ein Kompromiss der mehr kostet und für den Rest seines Bestehens schlechter passt als für die lächerlich kurze Zeit der Spiele.

Es ist doch eine seltsame Sache, wenn Leute tagelang ihnen fremde Sportarten im TV ansehen und sich freuen, wenn ihnen fremde Personen irgendwas gewinnen, nur weil sie aus dem selben Land sind. Es wird junge Menschen geben, die sich was abschauen und einen Sport für ihre Zukunft aussuchen. Heisst aber umgekehrt nicht, es gäbe keine andere Inspirationsquelle.

Der Geist von OS und ihren Anhängern entspricht m.E. sehr dem westlichen Konkurrenzdenken (die Freude, jemandem etwas weggeschnappt zu haben, gesiegt zu haben, erobert zu haben). Darauf könnte die Welt gut verzichten, vor allem jetzt, da offenbar wird, wie viel an Ressourcen sich in kurzer Zeit in Schrott auflöst und die Welt ärmer und dreckiger wird. Die Verfrachtung von Geld ist eine Umverteilung von den Vielen zu den Wenigen, wie in so vielen anderen Bereichen.

Aber für viele Menschen lösen OS wenigstens eine längere Vorfreude aus, bei den Wenigsten aber nachhaltige Freude oder Zufriedenheit. Ich bringe OS nicht überein mit meiner Vorstellung von einer gerechteren, gesünderen Zukunft.

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Ich glaube, von einem “Desaster” zu sprechen ist übertrieben und eine extrem negative Sicht auf die Dinge. Ja, es hat Probleme mit der (Bahn-)Infrastruktur gegeben, aber abgesehen davon habe ich das Event positiv in Erinnerung. Fanzüge durch die Straßen, gutes Wetter, der Saxophontyp, “Die Mannschaft” wurde wieder sympathisch…

Ich persönlich finde es toll, wenn solche Großevents - die es ja nun einmal gibt - nicht nur in zwielichtigen Schurkenstaaten und Autokratien stattfinden, sondern auch Demokratien beweisen können, dass sie sowas top auf die Beine stellen können. Und ich bin kein Hardcore-Sportfan, weder Fußball noch Olympia, auch wenn ich vereinzelt mal reinschalte.

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Ich muss dem Ersteller Recht geben. Die EM war gerade für die DB ein enormer Reinfall. Spontan erinnere ich mich an die Zugbesetzung von Fußballfans in Karlsruhe, da sie wegen eines Zugausfalls ein Halbfinal(?)Spiel in Stuttgart verpassten. Nur eine Stunde entfernt von dem Spiel und doch keine Chance die Tickets zu nutzen.

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Da wurde auch noch ein bisschen mehr vergessen; Was ist mit der Korruption beim IOC? Was ist mit der Transfeindlichkeit des IOC? Was ist mit den hohen Ticketpreisen, die sich eben nicht alle leisten können?

Allgemein war mir das Ganze zu unkritisch. Aber gut, wenn man damit einsteigt, dass man das cool fände, dann ist das vielleicht auch nicht zu erwarten. Warum verbreitet man diese Mär, dass Olympia irgendwas zur Infrastruktur beitragen würde? Entweder ist das Geld für sowas da oder eben nicht. Man kann so eine U-Bahn auch bauen ohne Olympia. Das wurde in München meines Wissens auch getan. Nur hinterher hat man sie den Spielen angehangen.

Das Ganze mit Urlau zu vergleichen ist schon ein bisschen weit hergeholt. Urlaub ist was ziemlich persönliches. den bezahlt man für gewöhnlich selber und man belästigt auch hoffentlich niemand anderen dabei. Aber zumindest passt eins; Nur Leute, die es sich leisten können, können auch Urlaub machen. Arme Menschen können sehen wo sie bleiben.

Man kann echt nur hoffen, dass Katar sich genug Stimmen kauft, damit dieses Steuergrab an uns vorbei geht.

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Hallo! Mir geht es auch so: Die Korruption und politischen Machenschaften des IOC nicht zu erwähnen (oder anzudeuten, dass diese Probleme heute abgestellt seien), greift mir zu kurz.

Ein Hinweis an Ulf: Ihr legt mit Recht viel Wert auf saubere Ausdrucksweise. Dann dürft ihr, wenn ihr von den Olympischen Spielen sprecht, nicht „Olympiade“ sagen. Diese umfasst nämlich die vier Jahre zwischen den Spielen. Die Spiele selbst kann man „Olympia“ nennen oder eben die „Olympischen Spiele“.

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Naja, die olympischen Spiele als „Olympiade“ zu bezeichnen ist ein so häufiger Fehler, dass man ihn oft in Listen der „häufigsten Fehler“ findet. Aus sprachwissenschaftlicher Perspektive stellt sich für jemanden wie mich, der eher deskriptiv als präskriptiv arbeitet, eher die Frage, ob sich die Bedeutung nicht mittlerweile verändert hat und „Olympiade“ nunmehr zusätzlich die mögliche Bedeutung „Olympische Spiele“ gewonnen hat.

Problematisch wird so etwas i.d.R. nur, wenn auch die Ebene der Pragmatik betroffen ist, daher wenn der Ausdruck „Olympiade“ nicht nur eine andere Bedeutung hat, die niemand jemals nutzt, sondern dessen andere Bedeutung (und damit der Unterschied zu „olympische Spiele“) zu relevanten Folgeproblemen / Missverständnissen führt. Da dieser Fehler aber keine Konsequenzen hat (dh. keine falschen Vorstellungen geweckt werden) ist er aus meiner Sicht irrelevant.

Also ja, es ist korrekt, den Fehler anzusprechen (im Sinne von Nitpicking, die kleinen Fehler anmerken), aber es ist wirklich kein relevanter Fehler, so lange man nicht im olympischen Planungskomitee sitzt, wo der Unterschied tatsächlich relevant werden könnte :wink:

Zurück zum Thema:

Die Frage ist: Sollte das wirklich einen Einfluss auf die Entscheidung haben? Oder sollte man vielleicht gerade deshalb sagen, dass man solche Events (zählt ja auch die Fußball-WM zu, die FIFA ist nicht anders als das IOC…) lieber in einer Demokratie hat, in der halbwegs aufmerksam auf Korruption geachtet wird, als in anderen Staaten? Hierzulande wird Korruption zumindest halbwegs aufgearbeitet (siehe den Vergabeskandal zur Fußball WM 2006). Mehr Aufarbeitung wäre immer noch wünschenswert, aber die Aufarbeitungen, die hier geschehen, haben schon deutliche Auswirkungen auf alle zukünftigen Vergaben.

Vielleicht solltest du einmal mit Sportlern sprechen. Es geht nicht darum, andere zu deklassieren, sondern darum, selbst Höchstleistungen zu erbringen. In den meisten Fällen können Sportler die Erfolge anderer Sportler sogar selbst anerkennen und nehmen daraus Motivation, selbst besser zu werden.

Die zentralen Werte olympischer Spiele sind Fairness, internationale Verständigung und Leistung. Es geht nicht um Deklassierung.

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Das sollte so sein. Wenn jemand glaubt, das wäre der überwiegende Alltag im Profisport… da gilt doch klar: Hauptsache gewinnen. Egal, wieviel Getrickse, wie viel Drill, wie viel Fitspritzen bis Doping dafür nötig sind. Ausnahmen bestätigen die Regel. Weil es eben immer Ausnahmen bleiben. Und beim IOC: Hauptsache die Kohle stimmt. Alles andere ist völlig egal. Was es an Gegenentwicklungen gibt, ist auch nicht ehrlich gemeint, sondern der Notwendigkeit geschuldet, eine Marke zu schützen, die auch weiterhin Geld einbringen soll.

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3 Beiträge wurden in ein neues Thema verschoben: Ist das IOC transfeindlich (Ausgelagerte Diskussion)

Also mein Gefühl ist das gar nicht. Natürlich gibt es Sportarten in denen Doping vorkommt und auch ein Problem ist. Aber gerade in den Randsportarten für die ich mich erheblich mehr interessiere wie Klettern ist das nicht der Fall. Und auch bei der Leichtathletik ist es doch häufig so, das sich Sportler auch über einen 10. Platz sehr freuen wenn es ihre persönliche Bestleistung ist.

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Vorneweg: Ich bin kein prinzipieller Gegner von olympischen Spielen hierzulande, obwohl man am korrupten IOC sicher viel kritisieren kann, und ich halte das Bahn- und Infrastrukturbashing auch für übertrieben, weil der hierzulande sehr hohe Vernetzungs- und Beanspruchungsgrad der vorhandenen Bahninfrastruktur, die sicher massiv modernisiert und ausgebaut werden muss, auch europaweit einmalig ist.

Gleichwohl finde ich, dass die Darstellung in der Podcastfolge etwas unausgewogen war.

Daher empfehle ich folgendes Interview mit dem Oxforder Ökonomen Alexander Budzier, der die Kosten solcher Großprojekte beforscht:

Gemeinsam mit seinem Kollegen Bent Flyvbjerg hat er mehrere Olympische Spiele untersucht. Im Gespräch erklärt Budzier, warum vermeintliche Gewinne oft nur auf dem Papier stehen, inwiefern die Wirtschaft tatsächlich profitiert – und wo besonders Kostenfallen drohen.

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Meine Zusammenfassung aus dem Thema ist, dass es ein (Kosten)Investment in die Region ist und dann doch bitte dahin wo es mehr benötigt wird, nämlich ins Rheingebiet und nicht wieder nach München.

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Ein Aspekt der mich noch irritiert hat war, dass die Vorteile fast alle daraus entstehen, dass Deutschland Geld investiert.

Das könnte Deutschland allerdings ja genauso ohne Olympia machen, also ein Sondervermögen Sport. Das könnte dann auch viel gezielter über ganz Deutschland an genau die baufälligen alten Sporthallen verteilt werden und nicht nur in eine Stadt gegossen werden.

Hat natürlich nicht das gleiche Prestige, aber für den Sport bleibt am Ende vermutlich mehr über.

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In dem Kapitel zu Olympia habt ihr argumentiert, dass Olympia möglichst andauernde Verbesserungen bringen soll, die geringe internationale Bekanntheit von Rhein-Ruhr jedoch als Nachteil dargestellt. Die geringe internationale Bekanntheit sollte in der Vorbewerbung jedoch ein großer Vorteil sein. Noch mehr kann der größte Ballungsraum Deutschlands “Rhein-Ruhr” seine internationale Bekanntheit nicht verbessern als durch die Austragung von Olympia.

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Naja aber das setzt voraus, dass usere Demokratie auch tatsächlich in der Lage ist, ein solches Großprojekt erfolgreich umzusetzen. Wenn man es versucht und dann aber krachend scheitert, so wie bei allen Großprojekten der letzen 10 Jahre von der EM 2024, dem BER, Stuttgart 21, den Generalsanierungen diverser Bahnstrecken, Elbphilharmonie, G20 Gipfel in Hamburg, Netzausbau, Digitalisierung uvm. dann untergräbt es den Ruf der (deutschen) Demokratie nur weiter.

Vielleicht müssen wir einfach akzeptieren, dass Deutschland in Zukunft kleinere Brötchen backen muss. Wenn man Sportveranstaltungen ausrichten will, kann man es ja vielleicht mit den Europameisterschaften im Hammerwerfen versuchen oder so, das schaffen wir vielleicht.

Oder, wir müssen endlich wieder in ein Ermöglichungs-Mindset kommen und weg kommen von dem NIMBY-Mindset, das jedes Großprojekt verhindert.

Ich bin jedenfalls nicht bereit, so pessimistisch auf Deutschland zu blicken. Wir sind immer noch die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt mit entsprechendem Kapital und Know How. Es kann mir keiner erzählen, dass wir solche Projekte aus mangelnder Leistungsfähigkeit nicht stemmen könnten. Solche Großprojekte sind im Gegenteil ein guter Test, um herauszufinden, warum so vieles nicht so läuft wie es sollte oder könnte.

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Also ich habe 21 Spiele der EM live im Stadion gesehen und bin knapp 11000km mit der Bahn gefahren quer durch die Republik. Bis auf Kleinigkeiten war das alles in Ordnung. Daher kann ich das leider nicht ernst nehmen das hier ein so negatives Bild der EM in Deutschland gezeichnet wird.

Aber das ist halt auch ein typisches “deutsches” Ding, das man sich wenn es geht beschwert.

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Nur nach nominalem GDP. Kaufkraftbereinigt (Purchasing Power Parity) sind wir nur 6. und fallen rasant zurück. Außerdem sagt das GDP nur sehr bedingt etwas darüber aus, wie sehr ein Land in der Lage ist, Großprojekte auf die Beine zu stellen. Hier hat Deutschland leider eine verheerende Bilanz. Oder kann irgendjemand hier ein einziges erfolgreiches Großprojekt der letzten Jahrzehnte nennen?

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