Hallo, bei der Lage gab es ja neulich das Interview mit dem ZDF-Intendanten und es ging auch kurz um Funk und Zukunftsambitionen.
Was ich bei mir dachte, wo ich den ÖRR in einer exklusiven Position für sehe: Ist der öffentlich-rechtliche Runkfunk nicht ideal dazu geeignet, eine bessere Alternative zu Youtube aufzubauen?
Youtube ist momentan extrem dominant als Plattform für längere Videos. Ich folge z.B. verschiedenen sehr hochqualitativen Youtube-Kanälen, weil es diese Inhalte quasi nur dort gibt. Wenn ich zu Dokumentationen von ARTE oder so verlinken will, verlinke ich zu Youtube. Wenn ich zu einer Aufzeichnung einer Konferenz verlinken will (Linux-Konferenz etc.), verlinke ich zu Youtube. Wenn ich Sendungen suchen will (auch die vom ÖRR), suche ich bei Youtube (weil es nur da eine kombinierte Suche gibt mit Sendungen von verschiedenen Runkfunkanstalten). Youtube hat eine hervorragende App-Landschaft (auch Apps, die nicht von Google gewollt sind, wie z.B. Newpipe) und ist in quasi allen Abspielgeräten integriert (im Gegensatz zu der Vielzahl an Mediatheken). Leider ist Youtube privatwirtschaftlich, werbelastig, datenhungrig, und nicht in Europa beheimatet.
Wäre nicht der ÖRR in der sehr guten Position, genau eine Alternative hierzu aufzubauen:
Im ersten Schritt könnten die europäischen Öffis eine gemeinsame Plattform aufbauen (also eine kombinierte Plattform von ARD, ZDF, ORF, SRF, BBC, …), auf denen alle Inhalte werbefrei angeschaut und kommentiert werden können.
Sie könnten diese Plattform dann auch für externe Content-Creators öffnen (natürlich mit entsprechender Moderation) und diese vielleicht auch nach einem öffentlichen Schlüssel vergüten, sodass Content-Creator keine Sponsoren innerhalb der Videos mehr bewerben müssten (wenn sie es trotzdem tun, könnte das sogar negativ in den Schlüssel eingehen).
Ggf. könnten sie das ganze auch noch föderiert aufsetzen (so ala PeerTube), sodass andere Plattform (wenn als gut befunden) eingebunden werden könnten (vielleicht so etwas wie media.ccc.de).
Idealerweise ist die Software auch noch Open-Source, weil ein kein Geschäftsmodell gäbe, weswegen sie geschlossen sein müsste. Das würde u.A. dabei helfen, entsprechenden Support für allerlei Abspielgeräte zu bekommen (wahrscheinlich sogar von der Community, die das jetzt schon macht).
Ich denke, dass diese Sender deswegen so gut geeignet wären, weil:
sie eine sehr große Menge an Sendungen selbst produzieren (also eine kritische Masse an Material bereits von alleine mitbringen, um die Plattform populär zu machen).
sie noch viel mehr Material sowieso schon besitzen (das auch im Interview angesprochene Archiv).
sie Geld bekommen, ohne gewinnorientiert sein zu müssen. Und damit eben nicht auf Werbung angewiesen sind.
Es wäre ja schon ein sehr guter erster Schritt, hätte der ÖRR eine gemeinsame Mediathek vielleicht noch mit etwas besserer Suchfunktion und Struktur. Internationale Kooperation ist ne schöne Idee, aber vermutlich sowohl rundfunkrechtlich als auch lizenzrechtlich alles andere als trivial.
Man geht bei der ganzen Diskussion von einer falschen Prämisse aus:
Schon heute ist 99% der Inhalte auf Social Media professionell und gewerblich produziert. Finanziert durch Werbung. Nur weil es plötzlich eine öffentlich rechtliche Plattform gibt, heißt das nicht, dass plötzlich alle dort hin gehen. Da muss schon der Lieblings influencer dort auch hin gehen. Der geht aber nur dort hin wo er das meiste Geld verdient und die gleiche Reichweite erzielen kann. Die Summe die man mit Werbung machen kann, kann keine öffentlich rechtliche Plattform bieten. Die hohen Reichweite kommt daher, dass die US Plattformen auf die DSGVO pfeifen und alles miteinander verknüpfen. Eine öffentlich rechtliche Plattform muss sich aber erst recht a die DSGVO halten.
Wenn man diese Plattformen mit Werbung finanziert, sind sie nicht mehr öffentlich-rechtlich und vor allem abhängig. Dann müssen die Plattformen schauen wie sie ihren werbe Kunden die beste audience schaffen und stellen den Nutzer nicht mehr in den Vordergrund.
Aber der ÖR macht ja schon was auf Social Media. Das ganze nennt sich Funk. Zur Wahrheit gehört aber auch: viele influencer nutzen Funk um Reichweite zu gewinnen und springen dann ab, sobald sie groß genug sind. Denn mit Werbung verdient sich halt mehr. Und je mehr Reichweite, je mehr werbegeld. Oder Funk verlängert den Vertrag nicht, weil die Klicks nicht stimmen (ich dachte ÖR ist auf sowas nicht angewiesen, weil ÖR?) oder weil zu alt (Zielgruppe bis 29). (Letzteres basiert auch auf der falschen Annahme, dass Social Media hauptsächlich von “jungen” Menschen genutzt wird: 59 % der Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren in Deutschland nutzen aktiv soziale Medien - Statistisches Bundesamt)
Insgesamt: gut gemeinte Idee aber völlig unrealistisch.
Der geht aber nur dort hin wo er das meiste Geld verdient und die gleiche Reichweite erzielen kann. Die Summe die man mit Werbung machen kann, kann keine öffentlich rechtliche Plattform bieten.
Für klassische Influencer-Kanäle mag das stimmen, ich schaue z.B. gerne sowas wie Veritasium, Practical Engineering, Real Engineering, etc. Die sind da, denke ich, viel idealistischer unterwegs und suchen andere Wege (z.B. Nebula), um nicht von Werbeeinnahmen abhängig zu sein.
Die hohen Reichweite kommt daher, dass die US Plattformen auf die DSGVO pfeifen und alles miteinander verknüpfen. Eine öffentlich rechtliche Plattform muss sich aber erst recht a die DSGVO halten.
Was meinst da damit? Ist es nicht eher der Empfehlungsalgorithmus und eine ansprechendere Software, die dich erst einmal auf der Plattform hält? Z.B. finde ich, dass, wenn ich eine Doku zu einem bestimmten Thema sehen will, die Suchfunktion der ARD-Mediathek etc. viel schlechter ist, als die von Youtube (alleine schon, weil ich bei Youtube alle ARTE-, SWR-, SRF-, ORF-Dokus usw. auf einmal angezeigt bekomme).
Aber der ÖR macht ja schon was auf Social Media. Das ganze nennt sich Funk.
Das ist auch über Youtube etc. Funk hat auch eine eigene Seite, aber z.B. vermisse ich die Suchfunktion, habe keine direkten Videoempfehlungen, und kann die Inhalte auf der Seite nicht abonnieren/liken/kommentieren etc.
Veritasium hat trotzdem weiterhin gesponserte Videosegmente. (Bei den anderen weiß ich es nicht.) Auch wenn Nebula vielleicht ganz nett ist, vermute ich, dass ein gesponsertes Segment auf YouTube deutlich mehr einbringt als Nebula.
Ich würde das auch nicht unbedingt als idealistisch ansehen. Veritasium ist mittlerweile ein riesiges Team. Die Drehs sind teilweise vermutlich sehr aufwendig und teuer. Das muss sich finanzieren. Und da sind Werbepartner vermutlich die mit Abstand beste Finanzierungsquelle. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie viel Incogni für zwei Minuten Werbung in einem Veritasium-Video zahlt.
Ist es nicht eher der Empfehlungsalgorithmus und eine ansprechendere Software, die dich erst einmal auf der Plattform hält?
Und hier sehe ich das größte Problem deines Vorschlags. Für die allermeisten User reicht es nicht, wenn eine Seite „moralisch gut“ ist. Sie muss die beste UX bieten. Und ich bezweifle wirklich, dass ein öffentlich-rechtliches Produkt jemals eine ähnlich gute UX bietet wie ein privates Unternehmen.
Ganz banales Beispiel: Auf YouTube kann ich quasi alles mit Shortcuts machen. Videogeschwindigkeit ändern, Fullscreen, Pause, vor-/zurückspulen, Untertitel etc. Wenn ich mich richtig erinnere, besitzt die ARD-Mediathek nicht mal die Option, die Videogeschwindigkeit anzupassen. Der ZDF-Player hatte vor Kurzem ein größeres Updates, das einige Shortcuts hinzugefügt hat. Davor war es meiner Erinnerung nach nicht mal möglich, mit Leertaste zu pausieren oder mit F in den Vollbildmodus zu wechseln.
Einige mögen diese Features überhaupt nicht nutzen. Dafür aber andere. Und das ist mein Punkt: YouTube hat alles an UX, was man sich vorstellen kann. ARD und ZDF nicht - und ich fürchte, das wird bei einem gemeinsamen Angebot ebenso der Fall sein.
Was wäre der Vorteil einer „Gemeinsamen Videoplattform“ gegenüber dem gemeinsamen Streaming-Netzwerk?
Ich weiß jetzt nicht, ob die nur zwei verschiedene Oberflächen mit ansonsten dem gleichen Code machen wollen, aber das ist trotzdem eine komplett doppelte Datenhaltung. Im Zweifel mit zwei Datenbanken, zwei Frontends, zwei APIs, zwei Backends, zwei Serverfarmen, zwei HTML-Player-Implementierungen etc. Für die Peripherie ist das auch umständlicher, da eine App oder so dann entweder gegen mehrere APIs programmiert werden müsste (je nachdem, wie die Feature-Sets dann so sind, selbst wenn Inhalte geteilt sind).
Falls es dann noch Social-Media-Features gibt wie Upvotes/Kommentare etc. sind die dann auch geteilt?
Ich z.B. verwende Zapp als App auf Android, weil die für mich die Bibliotheken alle zusammenlegen: https://mediathekview.de/
Die Öffis könnten z.B. auch eine Open-Source-Software zusammen entwickeln mit zwei Brandings, aber ich sehe den Sinn der Plattformtrennung insgesamt nicht (die Fernsehsender werden ja z.B. auch über das gleiche Interface abgespielt).
Mir geht es auch nicht nur um ARD und ZDF. Ich glaube, dass es noch einmal wirklich sinnvoll werden könnten, wenn noch andere Öffis mitspielen würden.
Die laufen ja schon.
Und Sinn der beiden unabhängigen Sender ist ja, dass wenn einer biased berichtet, der andere als Korrektiv fungieren kann.
Gleiches gilt bei den Plattformen. Wenn der Algorithmus der ARD jetzt nur noch regierungskritische Kabarettshows auf die Startseite klatscht, kann die Mediathek des ZDF anders gewichten.
YouTube-Channel sind ab einer gewissen Größe einfach eine Art Medienunternehmen. Viele große Kanäle, gerade in dem Bereich (u.a. Veritassium und Simplicissimus/fern), wurden außerdem schon von private equity Investoren aufgekauft.
Davon abgesehen ist es internationalen Kanälen mit Millionen von globalen Followern wahrscheinlich auch ziemlich egal, ob irgendwo mal wieder eine Alternative zu YouTube angekündigt wird, diesmal eben vom deutschen Staat.
Aktuell haben wir eine sehr schlechte ARD Mediathek und eine schlechte ZDF Mediathek. Zudem gibt es ja trotzdem Wartungs- und Weiterentwicklungskosten.
Sorry, aber das ist echt kein gutes Argument. Zunächst einmal, wenn man eine Mediathek hätte, hätte ja nicht einer der beiden die Kontrolle, sondern das würde sich geteilt. Inhaltlich würden die beiden ja immer noch die Kontrolle über ihre Formate behalten.
Aber selbst wenn man diese Sorge wirklich hat. Man kann auch eine Plattform bauen, aber beiden jeweils ihre eigenen Abschnitte geben. Sodass jeder Kontrolle über seinen Abschnitt hat.
Der einzige Vorteil, den 2 Mediatheken hätte, wäre wenn man ARD und ZDF um die Technologie konkurrieren lassen wollte und Wert darauf legt, dass beide ihre eigene Benutzeroberfläche haben können. Darin sehe ich persönlich null Mehrwert und auch nicht die Aufgabe der öffentlch Rechtlichen. Das ist genau der gleiche Blödsinn, wie das alle Städte ihre eigene Webseite entwickeln müssen.
Tatsächlich ist es sogar so, dass deine Befürchtung eher im aktuellen System Auftritt, wenn man nun die Inhalte der Streaminganbieter verschmilzt. Weil, wenn dann die Leute die ZDF Mediathek bevorzugen und keinen Grund mehr haben in die ARD Mediathek zu gehen, hat das ZDF die volle Kontrolle und die ARD keinerlei Mitspracherecht mehr.
Sooo geheim sollte das also eigentlich für niemanden sein. Man muss dann als Plattformbetreiber natürlich strikter gegen abuse vorgehen, sonst wird man mit unattraktivem, aber optimiertem content geflutet und verliert auf Dauer seine Nutzerschaft.
Ich kann das nicht lesen, aber ist das wirklich der eingesetzte Algorithmus? Es wurde spekuliert, dass Elon Musk teilweise eigenen Posts zusätzliche Reichweite verschafft hat. Wenn das der Algorithmus ist, müsste das nicht im Code erkennbar sein und müsste man dann darüber nicht spekulieren? Oder zeigt der Algorithmus nur einen Teil der Informationen, die nötig wären, einzuschätzen, was X Dir warum zeigt?
Keine Ahnung, es wurde (und wird weiterhin) veröffentlicht, um diesen Spekulationen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Seit der Veröffentlichung habe ich keine derartige Spekulation mehr gelesen, weil es anscheinend niemand belegen kann.
Es ist aber tatsächlich wenig überraschend, dass er mit hunderten Millionen an Followern sowie vielen Postings mit hohem Engagement, sehr vielen Reposts und Bezugnahmen auch in vielen Feeds landet. Bei Instagram ist das dann halt Taylor Swift oder so.