Die Logik hinter dem Argument, dass mehr Wohnraum von den Privaten gebaut werden müsse, macht für mich überhaupt keinen Sinn.
Erst mal wer garantiert denn, dass die Kosten und Mieten nicht wieder astronomisch sein werden? Die Reichen werden sich als erstes diese Wohnungen unter den Nagel reißen (wahrscheinlich sogar mit der Hilfe der Politik), und sie werden dann Luxuswohnungen bauen und hohe Mieten verlangen.
Es heißt zwar „Immobilienmarkt“, aber Wohnraum funktioniert nicht wie ein normaler Markt, da das Angebot so langsam steigt, dass man annehmen kann, dass es konstant ist. Wohnraum wird auch nur einmal bezogen und dann Ende. Angebot und Nachfrage wirken nicht in dem Bereich. Angebot und Nachfrage funktioniert nur auf Massenproduktion.
Zweitens: Das Argument, dass man „Bürokratie“ oder Bauvorschriften abschafft, damit günstiger gebaut werden kann.
Ok, man kann natürlich Vorschriften abbauen. Man kann dann Bruchbuden mit Asbest gebaut hinstellen, wie die Häuser in Entwicklungsländern, aber wollen wir das? Und wenn die Qualität von Wohnraum sinkt, dann hat man am Ende mehr Kosten wegen den Reparaturen. In den USA zum Beispiel kann man mit dem Bleistift durch die Wände stechen. In Deutschland kannst du mit einem Kleinwagen dagegen fahren und das Haus steht noch. Abgesehen davon, wieso sollten die Bewohner auf einen guten Lebensstandard verzichten, nur weil die Bauunternehmen günstig bauen und Gewinn machen wollen?
Die Aussage, dass der private Sektor günstigen Wohnraum schafft, ist ein Widerspruch in sich. Der private Sektor möchte immer einen Gewinn erwirtschaften und deswegen ist es unmöglich, dass der private Sektor günstigen Wohnraum schafft, egal in welcher Form auch immer.
Viele verstehen auch nicht die Ursache für die hohen Kosten bei Immobilien. Es hat damit zu tun, dass die Vermögens und Einkommensungleicheit in den letzten Jahrzehnten in Deutschland massiv gestiegen ist. Die Reichen und Normalverdiener konkurrieren beide um die knappe Ressource Wohnraum. Die Bauunternehmen und Vermieter ziehen deswegen ihre Preise hoch.
Mir kommt es oft so vor, dass das Argument, dass man mehr Wohnraum bauen soll, einfach nur unkritisch nachgeplappert wird. Auf die Ökonomen kann man sich sowieso nicht verlassen, weil sie in ihrer eigenen Sekte leben und nur einen einseitigen Blick auf die Wirtschaft haben. Dazu empfehle ich das Interview von Tilo Jung mit Tom Krebs, wo es um dieses Thema geht.
Es gibt übrigens noch ein zweites Argument für die Vergesellschaftung. Es ist ja Vergesellschaftung und keine Verstaatlichung. Das Modell von Deutsche Wohnen und Co. Enteignen sieht ja vor, dass die Mieter dann die Eigentümer sind. Es soll eine räteähnliche Struktur geschaffen werden mit dem Name „Einrichtung öffentlichen Rechts“ und damit sollen die Mieter dann selbst entscheiden können. Die Vergesellschaftung bedeutet also auch eine Demokratisierung von Wohnraum!