Nochmal Wohnungsbau

Die Logik hinter dem Argument, dass mehr Wohnraum von den Privaten gebaut werden müsse, macht für mich überhaupt keinen Sinn.

Erst mal wer garantiert denn, dass die Kosten und Mieten nicht wieder astronomisch sein werden? Die Reichen werden sich als erstes diese Wohnungen unter den Nagel reißen (wahrscheinlich sogar mit der Hilfe der Politik), und sie werden dann Luxuswohnungen bauen und hohe Mieten verlangen.

Es heißt zwar „Immobilienmarkt“, aber Wohnraum funktioniert nicht wie ein normaler Markt, da das Angebot so langsam steigt, dass man annehmen kann, dass es konstant ist. Wohnraum wird auch nur einmal bezogen und dann Ende. Angebot und Nachfrage wirken nicht in dem Bereich. Angebot und Nachfrage funktioniert nur auf Massenproduktion.

Zweitens: Das Argument, dass man „Bürokratie“ oder Bauvorschriften abschafft, damit günstiger gebaut werden kann.

Ok, man kann natürlich Vorschriften abbauen. Man kann dann Bruchbuden mit Asbest gebaut hinstellen, wie die Häuser in Entwicklungsländern, aber wollen wir das? Und wenn die Qualität von Wohnraum sinkt, dann hat man am Ende mehr Kosten wegen den Reparaturen. In den USA zum Beispiel kann man mit dem Bleistift durch die Wände stechen. In Deutschland kannst du mit einem Kleinwagen dagegen fahren und das Haus steht noch. Abgesehen davon, wieso sollten die Bewohner auf einen guten Lebensstandard verzichten, nur weil die Bauunternehmen günstig bauen und Gewinn machen wollen?

Die Aussage, dass der private Sektor günstigen Wohnraum schafft, ist ein Widerspruch in sich. Der private Sektor möchte immer einen Gewinn erwirtschaften und deswegen ist es unmöglich, dass der private Sektor günstigen Wohnraum schafft, egal in welcher Form auch immer.

Viele verstehen auch nicht die Ursache für die hohen Kosten bei Immobilien. Es hat damit zu tun, dass die Vermögens und Einkommensungleicheit in den letzten Jahrzehnten in Deutschland massiv gestiegen ist. Die Reichen und Normalverdiener konkurrieren beide um die knappe Ressource Wohnraum. Die Bauunternehmen und Vermieter ziehen deswegen ihre Preise hoch.

Mir kommt es oft so vor, dass das Argument, dass man mehr Wohnraum bauen soll, einfach nur unkritisch nachgeplappert wird. Auf die Ökonomen kann man sich sowieso nicht verlassen, weil sie in ihrer eigenen Sekte leben und nur einen einseitigen Blick auf die Wirtschaft haben. Dazu empfehle ich das Interview von Tilo Jung mit Tom Krebs, wo es um dieses Thema geht.

Es gibt übrigens noch ein zweites Argument für die Vergesellschaftung. Es ist ja Vergesellschaftung und keine Verstaatlichung. Das Modell von Deutsche Wohnen und Co. Enteignen sieht ja vor, dass die Mieter dann die Eigentümer sind. Es soll eine räteähnliche Struktur geschaffen werden mit dem Name „Einrichtung öffentlichen Rechts“ und damit sollen die Mieter dann selbst entscheiden können. Die Vergesellschaftung bedeutet also auch eine Demokratisierung von Wohnraum!

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Bevor wir dir das erklären, bist du denn prinzipiell offen für ökonomische Argumente oder

Ist damit der Rahmen des Argumentationsbereichs abgesteckt?

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Ich sehe die Lösung unserer aktuellen Wohnungskrise auch eher in staatlichem und der Förderung von genossenschaftlichem Wohnungsbau. Aber…

… etwas komplexer ist das dann doch. Ohne hier jetzt zu weitläufig herumzunerden, hat viel dieser Krise schlicht mit Fehleinschätzungen zu tun. Man ist nach der Wende davon ausgegangen, dass die Bevölkerung insgesant, aber besonders in den Städten, schrumpfen wird. Und ja, im nachhinein war es nicht schlau, das Deutschland um die Wende herum in Erwartung von Überangebot die Gemeinnützigkeitklausel aus dem Wohnungsrecht gestrichen hat.

Die Niedrigzinspolitik nach der Bankenkriese hat nahezu global Immobilien zu einem beliebten Spekulationsobjekt gemacht, nicht zuletzt, weil es wenig andere rendite-starke Investitionsobjekte gab. Und dazu kam noch das Auslaufen der Sozialbindungen privater, aber geförderter Sozialwohnungen im großen Stil.

Private Equity macht in meinen Augen Bereiche, die Grundbedürfnisse betreffen, i.d.R. schlechter, weil die Priorität eben Gewinn und nicht die Bereitstellung guter Dienstleistungen etc. ist. So einem Fond ist es egal, ob sie mit Designer-Handtaschen oder Altenpflege arbeiten.

Es hilft in meiner Erfahrung aber schon, sich für die Systeme in ihrer Komplexität zu interessieren, die man revolutionieren möchte.

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… Auf keines meiner Argumente wurde eingegangen. Ich kann natürlich auch meine Positionen ohne Tom Krebs verteidigen.

Es ist übrigens lange bekannt, dass die Zunft der Ökonomen eine Art Sekte ist, die keine Abweichung von ihrer ideologischen Linie zulässt, die stark anti-staatlich und marktfundamentalistisch/angebotsorientiert geprägt ist. Die neoklassische Wirtschaftslehre hat diese zwei Elemente in ihren Theorien eingebaut. Diese Theorie funktioniert aber nur unter Annahmen, die in der Realität niemals zutreffen (wie zb Informationssymmetrie, perfekter Wettbewerb und Pareto-Optimalität). Als ein von dieser Linie abweichender Ökonom hast du gar keine Chance in den großen Fachzeitschriften zu veröffentlichen.

Welche Argumente?

Bekannt bei wem? Dir und zwei Kumpels? Ich sehe keinen Mehrwert darin, auf Basis derart platter Pauschalusierungen zu diskutieren.

Zumal…

Du machst da einen Strohmann basierend auf einer Karikatur der Wirtschaftswissenschaften der 70er auf.

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob Du einfach trollst.

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Gerade wollte ich anfangen, mit Dir, @JonnyMadFox zu diskutieren, da lese ich das:

An dem Punkt war mir klar: Lebenszeitverschwendung. @Tinifee hat‘s auf den Punkt gebracht.

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Ich finde das Thema Wohnungsbau schon auch für weitere Betrachtungen interessant. Denn aus meiner Sicht sind 2 Punkte aus @JonnyMadFox Einlassung nicht so recht von der Hand zu weisen.

  1. Selbst wenn eine Wohnung im Bau nur 250k kostet ist man bei 4% Zinsen und 2% Instandhaltung bei einer Miete von 1250 € im Monat. Damit zahlt man beim Median-Netto von ca. 2600 Euro 50% für die Miete. Legt man 40% an, preist man bereits die unteren 60% aus. Ohne dass jemand auch nur einen Cent verdient hat, oder dass ein Kredit getilgt wurde.
  2. Die Steigerung bei den Mieten ist ein globales Problem. Und zwar unabhängig von der konkreten Politik und wirtschaftlichen Entwicklung, die je nach Land natürlich in den letzten Jahrzehnten sehr unterschiedlich war. Die Konstante ist allerdings, dass Vermögen sich global an der Spitze konzentrieren und Anlagemöglichkeiten suchen. Nicht nur Wohnungen, im Grunde alle Assets sind auf All-time-highs. Irgendwo müssen die massiven Steigerungen beim Vermögen ja herkommen. Und sie kommen halt AUCH aus Immobilien.
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Hier hat auch mal Maurice Höfgen zusammen getragen, wieso das Narrativ „dann baut ja keiner mehr“ zumindest für Vonovia nicht stimmt:

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  1. Wie rechnest du das denn? Auf 30 Jahre? Wie kommst du

Vor allem sind Konzerne wie Vonovia überhaupt nicht daran interessiert mehr Wohnraum zu schaffen. Das würde ja den Preisdruck mindern. Mietmarkt funktioniert eben nicht wie jedes andere Angebot und Nachfrage Produkt.

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Ich selbst, von der Ausbildung her aus der „Zunft der Ökonomen“ (die Du ja als eine Art Sekte titulierst), bin ebenfalls überzeugt, dass der Markt kein geeignetes Mittel ist, Angebot und Nachfrage nach Wohnraum (wenigstens günstigen Wohnraum) in ein gesellschaftlich gewünschtes Gleichgewicht zu bringen, oder, sollte dies gesellschaftlich gar nicht gewünscht sein, in ein Gleichgewicht zu bringen, bei dem Menschen, vor allem Menschen mit prekär Einkommen, eine bezahlbare und annehmbare Wohnung dort finden, an dem Ort, an dem sie leben möchten.

Das liegt aber nicht daran, dass der private Sektor Gewinne erwirtschaften will.

Dieses - hier im Forum leider häufig anzutreffendes Framing „Gewinn = schlecht“ - ist ideologisch, aber entbehrt der Sachlogik. Natürlich: Vordergründung ist die Miete um einen Gewinnanteil höher. Aber in einem funktionierenden Markt (den wir nach meiner Überzeugung hier nicht haben) pendelt sich der Preis so ein, dass der (mikroökonimisch gesprochen) „letzte“ Anbieter = Vermieter gerade kein Geld mehr verdient (Preis = Grenzkosten = Kosten der Bereitstellung einer zusätzlichen Einheit).

Vielmehr ist der Gewinn der die Belohnung des Unternehmers, das unternehmerische Risiko auf sich zu nehmen (im Fall von Wohnungen: Dass der Mieter nicht bezahlt, vandaliert, Mietnomaden, der Vermieter die Wohnung nicht vermietet bekommt (außerhalb von Ballungsgebieten), die Bank den Kredit kündigt, der Mietpreisspiegel keine gewinnbringende Vermietung mehr ermöglicht, usw.), die man als Arbeitnehmer nicht hat.

Ohne diese Gewinn würde die Bereitstellung von Gütern und Dienstleistung durch private Unternehmen schlicht nicht stattfinden und der Staat müsste für alle Güter und Dienstleistungen sorgen. Bei sehr vielen Gütern und Dienstleistungen funktioniert dieser Marktmechanismus ganz ordentlich, jedenfalls so ordentlich, dass die Gesellschaft zu glauben scheint, der Staat könne das nicht besser bewerkstelligen.

Der Grund, warum das beim Markt für günstigen Wohnraum nicht funktioniert, ist, dass es aufgrund der exogenen Kostenstruktur in Ballungsgebiete es schlechterdings unmöglich ist, im unteren Preissektor gewinnbringend unternehmerisch tätig zu werden. Das liegt an einer weitgehend unelastischen Nachfrage - Menschen können nicht sagen: „Na, dann wohne ich eben nicht“ - und einem relativ unelastischen Angebot, weil in Ballungsgebieten der Boden knapp und daher teuer ist. Und an (meistens gut begründeten) Auflagen und Regularien über die Sicherheit (z.B. Brandschutz) und Qualität (Heizung, Anzahl Steckdosen, …) von Wohngebäuden.

Daher ist es in diesem Fall m.E. richtig, wenn der Staat zum Eigentümer und Anbieter von günstigen Wohnraum in Ballungsgebieten wird (Vorbild: Stadt Wien). Es war ein sensationell fataler Fehler, dass so viele Städte sich - aus der finanziellen Not heraus - entschieden haben, sich von städtischem Wohnraum zu trennen. Die tieferliegende Ursache ist die seit Jahrzehnten verschleppte Lösung der kommunalen Finanzierung. In meinen Augen haben vor allem die Länder den schwarzen Peter, weil sie letztlich für die kommunale Finanzierung verantwortlich sind, aber gegenüber dem Bund und seinen den Kommunen ohne Gegenfinanzierung aufoktruierten Aufgaben nie konfliktbereit aufgetreten sind.

Also: Nicht die Gewinne / Unternehmer sind schuld, sondern auch hier hat die Politik schlicht sehenden Auges versagt.

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Heute ein lesenswerter Essay in der Süddeutschen Zeitung über die politischen Versäumnisse hinter Berlins Mietenkrise (andere Ursachen der Wohnungsknappheit wie Bevölkerungswachstum und unzureichenden Neubau adressiert das Essay nicht):

(hinter paywall)

Die Krise hat eine lange Vorgeschichte – mit Entwicklungen, die auch andere deutsche Ballungsräume betreffen, und einigen Berliner Besonderheiten.

In West-Berlin entstanden seit den 50er mit großzügiger staatlicher Förderung Hunderttausende Sozialwohnungen. Das System begünstigte hohe Baukosten und private Steuerersparnisse und war von Bau- und Bestechungsskandalen begleitet. Entscheidend: Die Sozialbindungen waren befristet.

Die Bundesregierung unter Helmut Kohl schaffte im Rahmen einer großen Steuerreform die Wohnungsgemeinnützigkeit 1990 ab. Damit entfielen neben den Steuervergünstigungen auch die besonderen Bindung von Mieten, Gewinnausschüttung und Vermögensbildung der betroffenen Unternehmen; bestehende Sozialbindungen blieben erhalten, die dauerhafte gemeinnützige Absicherung günstiger Wohnungen fiel jedoch weg.

In Ost-Berlin finanzierte der Staat Wohnungen kommunaler Wohnungsunternehmen und Genossenschaften über Darlehen der Staatsbank. Die niedrigen Mieten deckten Zinsen und Tilgung nicht; eine vollständige Rückzahlung war im DDR-System auch nicht vorgesehen. Nach der Wiedervereinigung gingen die Forderungen an die Banken über, die Teile der Staatsbank übernommen hatten. Das Altschuldenhilfe-Gesetz gewährte eine weitgehende Entlastung, verlangte dafür aber die Privatisierung von 15 Prozent der Bestände. Weil viele Mieter ihre Wohnungen nicht kaufen konnten, wurden größere Pakete verkauft – eine erste Privatisierungswelle im Ostteil Berlins.

Die zweite Privatisierungwelle folgte auf dem Fuße: Parallel und in den Folgejahren verkaufte Berlin große Grundstücke und Wohnungsbestände. Schon 1990 gingen Flächen am Potsdamer Platz zu einem Schnäppchenpreis. Haushaltsnot und Bankenskandal verschärften den Verkaufsdruck: Allein zwischen 2001 und 2005 wurden über 120.000 kommunale Wohnungen privatisiert – mehr als ein Drittel des damaligen Bestands.

Später stiegen Immobilien- und Bodenpreise stark, während weitere Sozialbindungen ausliefen. Die öffentliche Kontrolle über den Wohnraum-Markt und die Absicherung günstiger Mieten waren endgültig Vergangenheit.

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Vielen dank für diese Aufschlüsselung. Was ich an der gesamten Kausa Wohnkosten nicht verstehe ist, warum das Interesse seitens der Politik hier einzugreifen so gering ist. Wenn weite Teile der Bevölkerung nach Abzug der Miete kein Geld mehr übrig haben, dann ist das doch offensichtlich Gift für den Binnenkonsum und damit für Wachstum und Konjunktur.

Kann es tatsächlich sein, dass die bestehende Eigentumsordnung in der kompletten politischen Landschaft (von der Linken abgesehen) als das höhere Gut gegenüber einer funktionierenden Wirtschaft angesehen wird?

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Das ist doch nicht nur bei diesem Thema so: Es gibt zahllose, für unsere Gesellschaft wichtig und kritische Probleme, die die Politik seit Jahrzehnte nicht (wirksam) angehen: bezahlbarer Wohnraum; Renten- und Alterssicherung; Gesundheitsversorgung; Pflege; Bildung und frühkindliche Betreuung; marode Verkehrs-, Energie- und kommunale Infrastruktur; schleppende Digitalisierung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft; Finanzierung der kommunalen Selbstverwaltung; überbordende Bürokratie und eine wenig bürgerorientierte Verwaltung; unzureichende Integration; hohe Energiepreise und eine stockende Energiewende; unzureichender Klima-, Umwelt- und Biodiversitätsschutz; wachsende Vermögensungleichheit, Armut und mangelnde soziale Aufstiegschancen; ein kompliziertes und teilweise als ungerecht empfundenes Steuer- und Abgabensystem; strukturell unterfinanzierte Kommunen; langsame Justiz und erschwerter effektiver Rechtsschutz; Defizite bei innerer und äußerer Sicherheit sowie beim Bevölkerungsschutz; übermäßiger Lobbyeinfluss und mangelnde politische Transparenz.

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Das ist auch eine Funktion der Anreize in unserem politischen System und der Aufmerksamkeitsökonomie.

Erstmal sind „Wohnkosten“ ein komplexes Problem ohne eine einzelne, einfache Lösung. Zum Teil müssten in unterschiedlichen Städten und Regionen völlig unterschiedliche Lösungen gefunden werden. Und die Wohnkosten der Mittelschicht sind in Ursache und Lösung nicht die selben Wohnkosten des Präkariats.

Es gibt aber leider praktisch keine Wähler:in, die komplexe Lösungen mit ihrer Stimme belohnt, egal wie gut diese Lösung ist. Und selbst innerhalb der Parteien gibt es zu jedem komplexen Thema nur eine relativ kleine Gruppe Politiker:innen die bereit sind, hier in die spitzfindigen Details einzusteigen (weil verständlicherweise jeder sein eigenes Steckenpferd hat).

Du wirst also schonmal nicht für die wirklich gute Lösung gewählt. Im allerbesten Fall schaffst du es, mit einen komplexen Lösungsansatz im Windschatten einer plakativen Forderung („Vergesellschaftung!“) an der Urne erfolgreich zu sein.

Weil aber die plakative Forderung und nicht der komplexe Lösungsansatz gewählt wurde, haben alle beteiligten politischen Akteure nach der Wahl den extremen Anreiz, die Details im Zweifel der politischen Kompromissfindung und den Prioritäten einzelner Interessengruppen zu opfern. Und da sind wir noch nichtmal bei offen destruktiven Akteuren (looking at you, Frau Reiche) und ihren Agenden.

Und den Wählern ist es auch ziemlich Wurscht. Die SPD hat den Mindestlohn durchgedrückt, woran sich schon am Tag danach niemand mehr erinnert hat. Habeck rettet die deutsche Gasversorgung und wird wegen einem erfundenen „Heizungshammer“ zum Buhmann der Nation. Ganztagsbetreuung in Kita und Grundschule ist mittlerweile geltendes Recht jeder Familie, aber praktisch kein zufällig befragter Erziehungsberechtigter könnte mir sagen, welcher Partei er das zu verdanken hätte. Geschweige denn, welche Vorschläge zur weiteren Verbesserung dieser Politik im Angebot sind. Die Bauern lassen sich von ihren Lobbyisten zum blockieren von Autobahnen aufwiegeln, wenn man ihnen ein paar Cent Dieselsubvention streichen will, aber sehen offenbar keinen Zusammenhang zwischen Jahrzehnten der CSU-Politiker im Landwirtschaftsministerium und dem Niedergang der Familienbetriebe. Die Liste ließe sich aus jeder weltanschaulichen Richtung fortsetzen: es gibt viel zu selten eine Korrelation zwischen inhaltlich guter/schlechter Politik und der Wahlentscheidung.

Entsprechend muss ein rational denkender Politiker bei Thema „Wohnkosten“ eigentlich zu einer einfachen Strategie kommen: Es wird lautstark eine einfach verständliche „Lösung“ gefordert, die den Interessen des eigenen Wählerklientels entspricht. Wenn die Wahl gewonnen ist, wird diese Forderung in möglichst plakativer Weise umgesetzt, die aber nicht das nächste simple Wahlversprechen gefährdet (was meistens heißt, dass es kein Geld kosten und niemanden verärgern darf).

Natürlich gibt es löbliche Ausnahmen, aber insbesondere das Verhalten der Union und der SPD lässt sich meiner Ansicht nach so gut erklären.

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Wenn du das Problem löst, machst du dich bei deinen Wählern unbeliebt. Nach Berlin ziehen jedes Jahr mehrere 10.000 Menschen, selbst die Linke will nur 7.500 Wohnungen bauen. Am besten in Quartieren außerhalb des S-Bahn Rings, also wo NICHT ihre Wähler zu Hause sind. Der Wohnmarkt funktioniert nach Angebot und Nachfrage und ich kenne noch Zeiten in Leipzig, wo frisch sanierte Wohnungen 1-2 Monate nach Einzug kostenfrei vergeben wurden. Es war einfach mehr Wohnraum als Nachfrage.

In den 1970iger wurden überall Trabantenstädte gebaut, womit das Problem gelöst wurde. Heute ist jedes Bauland heilig und die Linke verteidigt das Tempelhofer Feld erbittert. Als ob Berlin einen Mangeln an Parkanlagen hätte.

Hinzu kommt ein politisches Argument, ein ungelöstes Problem eignet sich erstklassig für politische Instrumentalisierung. Stadtbild lässt grüßen.

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Dass die Politiker vielleicht gar nicht im Interesse der Bevölkerung handeln wollen, habt ihr noch nie in Erwägung gezogen ?

Doch, genau das habe ich einen Absatz zuvor formuliert. Die Linke bietet populistische Scheinlösungen und die anderen sind nicht bereit den politischen Preis für mehr Wohnraum zu zahlen.

An der Stelle muss man Olaf Scholz und die SPD loben, in Hamburg hat er den schweren Weg angetreten, dort wurde viel gebaut, kluge Konzepte umgesetzt, die langsam, ganz langsam das Problem reduzieren.

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Mal eine Beobachtung aus der Realität. Die Wohnungsgenossenschaft, also die Guten, hat angekündigt, neue Wohnungen zu bauen. Toll! Der prognostiziert werden 17-18 Euro Kaltmiete pro qm. Hmm, der durchschnittliche Kaltmietpreis in Berlin von Vonovia sind knapp unter 9 Euro. Was bringt jetzt finanziell schwachen Menschen mehr?

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Kommt drauf an. Wenn tatsächlich Angebot und Nachfrage ihre Wirkung entfalten, ziehen solche Wohnungen ja auch Leute an, die aktuell für 9€/m2 wohnen, denen das aber eigentlich ein bisschen zu abgeranzt ist, irgendwo in einem Plattenbau auf 45 m² oder weniger in ihrer ersten kleinen Bude oder dem Studi-WG-Zimmer zu sitzen und die es sich mittlerweile leisten könnten, etwas größer, schöner, moderner zu wohnen, aber eben nur ein oder zwei Regalreihen weiter oben, nicht ganz oben im Luxussegment?. Das läuft (ohne selbst Mitglied so einer Genossenschaft gewesen zu sein) doch oft auch intern in den Genossenschaften, dass Leute sich auf höherwertige/größere Wohnungen quasi bewerben und dann umziehen können, bekomme ich zumindest im Bekanntenkreis mit.

Und die Genossenschaften können ja auch nicht exklusiv billige Wohnungen anbieten, sondern brauchen die hochwertigeren möglicherweise auch, um querzusubventionieren?

Richtiger Vergleich wäre eh, zu welchen m²-Preisen Vonovia neu baut (ach nein, die bauen ja nicht, habe ich jüngst gelernt).

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Nein, normalerweise muss jeder Wohnung in einer Genossenschaften sich selbst tragen. Im Gegenteil subventionieren i.d.R. billige Wohnungen den Neubau.

Du kommst dem Thema auf die Spur. Die Politik hat bauen sehr, sehr teuer gemacht, dass nicht mal Genossenschaften günstig bauen können. Konzerne mit anderen EK Anforderungen erst recht nicht.
Die Politik hat die Mittel in der Hand, sie kann Bauland als Erbpacht vergeben, womit ein wesentlicher Kostentreiber wegfällt. Sie definiert die Menge an Bauland und den Baustandard. In den NL kostet ein qm 1.000 € weniger, weil dort anders gebaut wird.

Wir beobachten ein Staatsversagen und die Antwort ist mehr Staat.

Hört sich in meinem Ohren nicht besonders vernünftig an.

Unsere Mietregulierung befördert diesen Effekt, auch als Lock in Effekt bekannt. Niemand zieht um, da die neuen Preise viel zu hoch sind. Die Differenz zwischen neu und Altmieten ist einfach zu groß. Die radikal liberale Antwort wäre die Abschaffung des Schutzes. Milei hat damit viele eingefroren Wohnungen dem Mietmarkt zurück geführt.
Ich glaube dies wäre ein harter Schritt, aber man kann ggfs. anderen Schutz reduzieren. Meine Ehefrau werde ich leichter los als meinen Mieter, egal ob er den Hausfrieden stört, nicht zahlt oder aus sonstigen Gründen. Viele Vermieter haben darauf keinen Bock und lassen lieber leer stehen oder verkaufen an Eigennutzer.
Bei uns jedoch ist der Vermieter per Definition eine Hai und damit genau wie ein Unternehmer automatisch ein Bösewicht. Die Regulierung nimmt beständig zu, beispiele wie Mietkataster Sanierungsanforderungen oder Grundsteuerreform sind nur paar Beispiele. Nicht besonders attraktiv diese Aufgabe zu übernehmen, obwohl private Vermieter nachweislich die beliebtesten Vermieter sind.

Dies sind nur zwei Beispiele, warum Berlin die nächsten 10 Jahre sein Mietenproblem nicht lösen wird.

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