als jemand, der in S-H wohnt, habe ich mich über die Anpassung der Netzentgelte gefreut, da wir sowohl reell (Biosgas + PV + Windenergie) als auch vertraglich via naturstrom unseren Strom nachhaltig erzeugt beziehen.
Ich wurde jedoch bereits zu Zeiten der Strompreisbremse von naturstrom enttäuscht, da eine Preisanpassung auf 55ct / kWh erfolgte, um die Strompreisbremse mit staatlichen Mitteln unterstützt mitzunehmen. Die Begründung waren zu dem Zeitpunkt Opportunitätskosten, da Strom nicht über die Börse bezogen wird, aber die Stromerzeuger ja Strom an der Börse teurer verkaufen „könnten“.
Jetzt werden die geringeren Netzentgelte ebenfalls nicht weitergegeben. Mein Vertrag sieht aktuell 36,90 ct/kWh vor.
Neuverträge bei Naturstrom sind mit 33,9 ct/kWh angegeben lt. Webseite.
e.On mit Öko-Tarif (klassisch teurer Anbieter bei uns) sieht 31,5 ct/kWh vor, günstigere Anbieter laut Online-Recherche 26,3 ct/kWh.
Als Familienvater ohne Verbrenner sehe ich nicht ein, 1.000€ mehr im Jahr zu bezahlen, wenn mein Strom bereits reell aus der Biogas-Anlage von nebenan kommt. Und ehrlich gesagt kann ich naturstrom’s Praktiken auch nicht nachvollziehen, an der Stelle erkennt man deutlich, dass es sich um eine AG mit maximalen Gewinnabsichten handelt, mehr auch nicht. Mehr als 10 cent mehr pro kWh kann ich auch nicht nachvollziehen, bei aller absicht, in nachhaltige Energien zu investieren, kann ich an der Stelle das nicht ohne weiteres unterstützen.
Gibt es dazu andere Meinungen oder Dinge, die ich tun könnte?
Woran machst du denn fest, dass die geringeren Netzentgelte nicht weitergegeben werden? Das kann nicht sein und du solltest eigentlich auch auf deiner Abrechnungen sehen können, wie sich der Preis zusammensetzt. Da wird für die Netzentgelte der Wert stehen, den dein lokaler Netzbetreiber auf seinen Preisblättern ausweist.
Das Naturstrom bei Neuverträgen einen anderen Preis anbietet als dir als Bestandskunden hat nichts mit den Netzentgelten zu tun. Da wird Naturstrom einfach mit einer anderen Marge rechnen und um neue Kundinnen zu gewinnen ist es durchaus üblich günstige Konditionen (z.T. auch Rabatte zu bieten). Erst mit der Zeit und auch mit ggf. weiteren Preiserhöhungen lohnt es sich dann für die Unternehmen. Aus Kundinnensicht es ist es viel eher ratsam den Preis regelmäßig zu vergleichen und den Stromanbietenden zu wechseln.
Das wäre auch das, was du machen kannst, dich umschauen und zu einem dir passenden, preiswerteren Anbietenden wechseln. Bei Preisveränderungen musst du z.B. rechtzeitig informiert werden und dann besteht ein Sonderkündigungsrecht. Ansonsten kann das im Rahmen der normalen Kündigungsfrist des Vertrages erfolgen.
Ja, und welche Netzentgelte zahlst du laut Naturstrom? Du musst doch etwas erhalten haben, woraus du deine aktuellen Netzentgelte entnehmen kannst, nicht nur die Pressemitteilung der BNetzA.
Wenn nicht, dann solltest du da a) anfragen und kannst aus meiner Sicht b) den Vertrag kündigen. Aber da bitte im Zweifel (z.B. das wirklich nichts gekommen ist) ganz sicher gehen, weil das hier genaugenommen keine Beratungsplattform ist. In der Praxis ist es aber wohl oft so, dass nicht entsprechend auf das Sonderkündigungsrecht bei Preisanpassungen hingewiesen wird.
Nein, eben nicht. Wie bereits gesagt. Die Preise wurden nicht angepasst.
Die letzte Preisanpassung war im Dezember 2023 auf 36,90ct/kWh.
Der Grund, warum ich hier (Kommentare zum Podcast) poste, ist, weil ich aufgrund von LdN und mit dem Code von LdN als Kunde von naturstrom gestartet bin. …
Bei mir genau das selbe. Und ich bin auch vor ein paar Jahren durch die Lage zur Naturstrom gekommen.
Die günstigeren Neukunden Konditionen möchte Naturstrom mir leider nicht geben. Ich bin jetzt gewechselt und zahle nur noch 0,26 € die Kilowattstunde, eine ähnliche monatliche Grundgebühr und das ebenfalls für echten Ökostrom.
Hast du Naturstrom mal direkt kontaktiert und nachgefragt?
Wenn’s dir ansonsten zu teuer ist, wechsel den Anbieter. Echte Ökostromanbieter sind oft teurer. Bin bei Energiewerke Schönau, das ist eine Genossenschaft. Preisniveaus wie bei dir.
Neukunden Bonus gibt’s eben immer nur für Neukunden. Ist bei allem so. Handyvertrag, hellofresh etc.
Gut, dass ich auf jeden Fall nicht verrückt bin und alleine dastehe.
Nein, wer Neukunden dauerhaft einen 5 ct besseren Arbeitspreis als Bestandskunden an der gleichen Adresse anbietet, der macht das nicht aus Versehen.
Es geht nicht um Bonus, sondern um die Konditionen, der Arbeitspreis (also das, was der Strom im Einkauf tatsächlich kostet) unterscheidet sich für naturstrom ja nicht zwischen mir oder meinem Nachbarn.
ich bin als Lagehörer hier im Forum angemeldet, aber nebenbei auch noch bei naturstrom angestellt und wollte daher gerne hier mal auf das Thema reagieren.
Hintergrund der Nicht-Preisanpassung ist, dass unser Standardtarif ein bundesweit einheitliches Angebot ist und wir daher nicht auf die in einzelnen Regionen veränderten Netzentgelte reagieren konnten. Auf Deutschland insgesamt gesehen gab es nämlich nicht weniger Netzkosten in den Tarifen, die wurden nur neu aufgeteilt, indem die Kostenentlastung für manche Regionen mit besonders viel Erneuerbaren über die so genannte §19-Umlage bundesweit verteilt wurde. Wenn man beide Veränderungen zusammenrechnet, sind die Netzkosten im bundesweiten Durchschnitt, der unserem Tarif zu Grunde liegt, gleich geblieben bzw. sogar leicht gestiegen.
Solche Einheitstarife können regionale Unterschiede natürlich nicht adäquat abbilden. Da die Netzentgelte in SH zuvor eher teurer waren, habt ihr da im Norden früher tendenziell von dem Einheitstarif profitiert. Jetzt ist es dann andersrum.
Und 26 ct/kWh für echten Ökostrom würden mich sehr wundern, weil für wirklich energiewendedienliche Angebote - selbst wenn die ortscharf mit den günstigeren Netzentgelte kalkuliert wurden - doch einfach noch höhere Beschaffungskosten und aufwändigere Prozesse als bei den üblichen grüngewaschenen Tarifen im Markt dahinterliegen. Das aber nur am Rande, vielleicht bist du ja tatsächlich auf ein gutes Angebot gestoßen.
Wenn jetzt lt. BNetzA in vier Bundesländern die Netzentgelte sinken, wieso sinken sie unterm Strich dann nicht generell? An welcher Stelle wird es denn teurer, um das zu rechtfertigen?
Interessant und mit meinem Feedback zu den massiv temporär gestiegenen Strompreisen bei naturstrom während der Strompreisbremse und mit übergemäßigen Gewinnen innerhalb der Energiewirtschaft, wie es auch bereits Thema in der Lage war, würde mich auch interessieren, wie das mit den massiven Gewinnen der naturstrom AG zusammenpasst:
Aber genau das ist nicht zulässig. Ihr bekommt von den Kunden (hier als Beispiel im Netz von Schleswig-Holstein Netz) Netzentgelte bezahlt. Diese leitet ihr dann weiter an die Netzbetreiber, die euch gemäß der im Bilanzkreis angefallenen Arbeit die Netzentgelte in Rechnung stellen. Das heißt, selbst wenn ihr Bundesweit allen Kunden die gleichen Stromkosten je kWh in Rechnung stellt, hat die Aufschlüsselung je Netzgebiet unterschiedlich auszufallen. Jeder Kunde hat auf seiner Rechnung die Aufschlüsselung der Preisbestandteile zu erhalten. Da ist es nicht zulässig einer Person in Bayern die Netzentgelte für ein Netz in NRW anzugeben. Ich glaube aber letztlich nicht, dass ihr das nicht macht, sonder es liegt vermutlich eher das folgende vor:
Der Preis an sich hat sich nicht geändert und damit besteht nicht zwangsläufig die Notwendigkeit die Kunden zu informieren (§ 41 EnWG - Energielieferverträge mit Letztverbrauchern). Das ist ärgerlich aber vermutlich in den AGB auch entsprechen mit einer Preisanpassungsklausel geregelt (Bundesnetzagentur - Preise und Abschläge). Das bedeutet, dass der Stromanbieter nicht alle Anpassungen von Preisbestandteilen 1:1 weiterreichen muss. Hier gilt wie davor auch der Disclaimer, dass das im Zweifel mit Juristen abgeklärt werden musst.
Also es handelt sich um Octopus-Energy und der Tarif ist auch mit dem ok-power-Gütesiegel ausgestattet. Ich nehme an, dass das ungefähr vergleichbar mit dem Grüner-Strom-Siegel vergleichbar ist, das naturstrom hat
Sorry, das war in der Tat nicht genau genug von mir formuliert: Natürlich werden immer nur die jeweilig geltenden Netzentgelte erhoben und an die lokalen Netzbetreiber weitergegeben. Da wir aber - zumindest im Standardtarif - mit einem bundesweiten Durchschnittspreis arbeiten, ist der Anteil der Netzkosten eben überall etwas anders.
Und genau, es gab keine Preisanpassung und damit auch keine individuelle Information.
Eine allgemeine Netzkostensenkung würden wir allerdings natürlich weitergeben, wie wir es etwa bei der Senkung bzw. beim Entfall der EEG-Umlage gemacht haben. Zum Jahreswechsel 2024 gab es aber eben keine flächendeckende Kostensenkung, sondern die extern vorgegebenen Preisbestandteile sind im Schnitt stabil geblieben bzw. haben sich sogar leicht erhöht…
zu den Netzkosten: Wie gesagt war das ja nur eine Umverteilung. Regionen mit besonders hohen EE-Anteilen und damit -Anschlusskosten wurden entlastet, diese Kosten dann aber über die § 19-Umlage auf das gesamte Bundesgebiet gewälzt - die Umlage stieg entsprechend um gut 0,9 ct/kWh. Da real keine Kosten entfallen sind, blieben die externen Preisbestandteile im Schnitt also stabil und damit auch unsere bundesweit einheitlichen Tarife. https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/A_Z_Glossar/P/Par19_StromNEV_Umlage.html
Was unsere Ergebnisse angeht: Ja, die vielen 2023 einmal überdurchschnittlich gut aus.(Wie übrigens bei den meisten Energieversorgern.) Dieses Jahr war aber auch von extremen Entwicklungen und Unsicherheiten geprägt, wenn die Großhandelspriese im Energiemarkt da nicht so schnell gefallen wären, hätte das auch ganz anders ausgehen können. Wir sind wie immer in unserem Geschäftsgebahren bewusst vorsichtig bei der Preiskalkulation vorgegangen und hatten zunächst mit deutlich höheren Preisen gerechnet, zumal wir auch aufgrund der Strompreisbremsenregelung unsere eigenen Anlagen gerade nicht zur Preisabsicherung einsetzen konnten. (Sorry, das ist ein Spezialthema, war aber in dem Jahr wirklich sehr relevant für uns.) Als deutlich wurde, dass unsere die Beschaffungspreise deutlicher und schneller als erwartet sinken, haben wir das dann auch sehr direkt an unsere Kund:innen weitergegeben, dennoch blieben vergleichsweise hohe Umsätze übrig.
Auch wenn das gar nicht so geplant war (2022/23 war angesichts der extremen Preissprünge kaum etwas auf lange Sicht planbar), war das gute Ergebnis allerdings auch durchaus produktiv für das Unternehmen, da wir in den Jahren zuvor durch unsere sparsamen Kalkulationen nur eher geringe Umsatzrenditen gemacht haben und die Eigenkapitalquote damit vergleichsweise niedrig lag. Zum Vergleich: Durchschnittlich gibt es in der Energiewirtschaft Umsatzrenditen von 6-7 Prozent. Und nach dem wirklich nicht planbaren Extremjahr 2023 wird sich das nun auch bei uns wieder auf diesem bzw. eher niedrigem Niveau einpendeln.