Am Freitag will Elon Musk mit 15% seines Unternehmens SpaceX an die Börse gehen und damit den vermeintlich wertvollsten Börsengang der Geschichte wagen. Und das, obwohl SpaceX rote Zahlen schreibt und obwohl grade US Steuerzwahler*innen die Firma ins Leben gerufen haben: 80% der ersten 2 Mrd $ Investitionen kamen von DoD und NASA. Ich finde, den Börsengang kann man zum Anlass nehmen mal genauer auf den Weltraum und seine Bedeutung für unsere SIcherheit und Demokratie zu schauen.
Zunächst einmal, was macht SpaceX so wertvoll? Es ist quasie ein Monopol. 60% aller Raketenstarts weltweit werden von SpaceX durchgeführt. Schaut man auf die Menge an transportiertem Material ist es noch weit mehr. Zahlreiche Regierungen sind von SpaceX abhängig - nicht nur die Amerikanische, sonder auch wir in Europa. Denn der einzige Launcher aus Europäische Hand, die Arianne 6, fliegt nur ca. 10 mal pro Jahr. Das sind nicht annähernd ausreichend Kapazitäten um die Europäischen Projekte ins All zu bringen. Deswegen werden Copernicus (Erdbeobachtung für Klimawandel, Katastrophen, etc) und Galileo (Positionierung, besser als GPS) Satelliten der EU, Forschungsprojekte etwa von DLR und anderen, aber auch Satelliten der Bundeswehr mit SpaceX geflogen - weil es verfügbar ist und einfach auch viel, viel billiger.
Und Abhängigkeit von SpaceX zeigt sich auch bei Satelliten. So hatte Musk am Anfang des Kriegs Russlands gegen die Ukraine den Zugang der ukraine zu Starlink blockiert, weil er gewisse Gegenoffensiven verhindern wollte ( Starlink: Eine Weltraumfirma beeinflusst die Geopolitik ). Hier hat ein einzelner, nicht gewählter Mann also erheblichen Einfluss auf die Weltpolitik und den Krieg genommen. Die EU möchte indess eine eigene Kommunikationskostellation aufbauen, IRIS² ( IRIS² | EU Agency for the Space Programme ). Allerdings dominiert Musk schon mit Starlink die Orbits. Aktuell gibt es etwa 13.000 Satelliten im All, wovon allein 10.500 von Starlink sind.
Nun mag man denken, „Der Weltraum ist ja unendlich, das ist ja kein Problem:“ Aber das ist falsch. Denn nur ein begrenzter Raum in naher Umgebung zur Erde ist interessant für die tatsächliche Nutzung. Zudem kann sich immer nur ein Satellit auf einem Orbit, also einer konkreten Umlaufbahn um die Erde befinden. Denn ansonsten könnten die Satelliten kollidieren. Kollissionen im Weltraum sind dabei viel gefährlicher als im Straßenverkehr, denn Objekte im Weltraum sind extrem schnell und eine Kollission gleicht einer Explosion, die tausende Schrotteilchen erzeugt, die ihrerseits andere Satelliten gefährden (schöne Darstellung: https://stuffin-space.vader.zone/ ) Der erdnahe Weltraum ist also denkbar fragil und der Platz darin begrenzt. Musk sichert sich nun mit seinen billig produzierten Starlink Satelliten extrem viel von diesem Platz - mehr als er eigentlich für das Funktionieren seiner Kostellation bräuchte und wahrscheinlich um eine der wichtigsten Ressourcen der Zukunft schon mal zu besetzen. Übrigens gratis, denn das internationale Recht ist in der Sache absolut nicht auf der Höhe der Zeit.
Es kommt aber noch härter: Um mit Satelliten zu kommunizieren braucht man eine spezielle Frequenz. Damit es nicht zu falschen Kommandos kommt, bekommt jede Unternehmung im Weltraum eine gewisse Bandbreite, vergleichbar mit Radiostationen: den DLF kann man auf der 113,6 hören, 1life auf 116,4. Diese Frequenzen derden von der ITU vergeben ( https://www.itu.int/en/Pages/default.aspx ). Musk hatte mehrfach eine Vielzahl von Bandbreiten beantragt, in einem Ausmaß, dass deutsche Satellitenbauer in Schock versetzte. Darunter auch Bandbreiten, die die EU für IRIS² nutzen will. Biden hatte die Anträge abgelehnt, unter Trump gab es noch keine Stellungnahme dazu. Allerdings wird der Chef der ITU bald neu gewählt und die USA versuchen dort einen Verbündeten zu installieren.
Mit der Kontrolle über Starts, Orbits und Frequenzen müssten künftig alle Unternehmen, Forscher*innen und sogar Militärs zu Musk gehen und lieb drum bitten etwas in den Weltall zu bekommen. Und das während der Weltraum wirtschaftlich und sicherheitspolitisch immer relevanter wird. Man könnte noch viel mehr sagen über die neue deutsche und die europäische Sicherheitsstrategie, die europäische Wirtschaftsentwicklung ( Raumfahrt: China und USA sind Europa im Weltall weit voraus ), die Bemühungen der USA den Mond unter den Nagel zu reißen und und und. Der Weltraum ist heute wie das Internet vor 20 Jahren. Für die meisten Neuland, ein Wild West Paradies für Nerds und windige Geschäfstleute und mit dem Potenzial die Welt der Zukunft komplett zu beherrschen. Ich finde, man muss viel mehr auf das Thema schauen, denn es wird gesamtgesellschaftlich extrem unterschätzt.
Wenn ihr was zum Thema machen wollt, meldet euch für Hintergründe, Recherchehinweise und Gesprächspartner gerne.