ich bin eine junge, neue Zuhörerin, die sich sehr über den Titel der aktuellen Folge gefreut hatte. Mich wunderte dann allerdings beim Hören der Folge, dass anlässlich des Themas „Lügenfritz“ nicht auch über die brandaktuelle Diskussion rund um das Jugendwort „Mehrzweckeier“ berichtet wurde.
Für mich ist das Thema aus mehreren Gründen erwähnenswert.
Der Ursprung dieser Worterfindung ist das Plakat eines 18jährigen auf einer Demonstration gegen den neuen Wehrdienst. Die Aufschrift: „Merz leck Eier“. Auch gegen den 18jährigen wurde aufgrund des §188 StGB ermittelt. Nun hat sich daraus eine Jugendbewegung geformt, die meiner Ansicht nach tatsächlich breitflächig bei der Jugend angekommen ist. Es gibt häufiger Schilder mit gleicher Aufschrift und der naheliegende Neologismus „Mehrzweckeier“ wird von vielen als Jugendwort 2026 vorgeschlagen.
Es bleibt die Frage: Ist Mehrzweckeier nun eine einfache Beleidigung oder trägt das zum politischen Diskurs bei?
Sicherlich ist an dem Begriff nicht viel Konstruktives dran, jedoch meldet sich hier eine offensichtlich frustrierte Generation, die sogar eine „Spaßaktion“ des Langenscheidt-Verlags als Sprachrohr nutzt, um ihre Abneigung gegen die jetzige Politik zu äußern.
Ein weiteres Fass, das man dazu aufmachen könnte, ist die Frage, wie sich PONS-Langenscheidt dazu positionieren kann/wird. Für viele von uns wäre die Aufnahme des Wortes sehr wichtig, da es so einen Platz in der Tagesschau bekommt und auch generell eine große mediale Aufmerksamkeit auf die Unzufriedenheit bzw. eigentlich eher auf die Wut der jungen Leute zieht.
Die wichtigste Frage ist daher eigentlich: Kann PONS-Langenscheidt diese neue Wortschöpfung einfach so aus der Liste der beliebtesten Jugendwörter rausstreichen? Kann es diesen politisch aufgeladenen Begriff als simple Beleidigung kleinreden?
Ich fänd interessant, was das Lage-Forum dazu sagt und würde mich enorm freuen, wenn ihr einen Kommentar dazu als Nachtrag in die nächste Folge abgebt.
Und das ist ein schönes Beispiel des Streisand-Effekts
Hätte die Staatsanwaltschaft diesen Spruch einfach ignoriert, hätte eine Stunde später niemand mehr darüber diskutiert. Erst durch das Ermittlungsverfahren und den Versuch, diese Beleidigung zu unterbinden, ist daraus etwas so Großes geworden, dass sich nun alle Medien und sogar Wörterbuchverlage damit beschäftigen müssen.
Gesellschaftspolitisch ist es eine wirklich interessante Frage, was „schlimmer“ für die Betroffenen ist: „Sanfte“ Beleidigungen („so 1 Pimmel“, „leckt Eier“, „Schwachkopf“) zu ignorieren und damit das Signal an andere zu senden, dass die Beleidigung in Ordnung sei - oder es zu verfolgen und daraus ein bundesweites Politikum zu machen. Ich würde fast behaupten, in der Causa „Merz leckt Eier“ wäre es Friedrich Merz lieber gewesen, er hätte die Entscheidung gehabt, ob er einen Strafantrag stellt oder nicht. Dadurch, dass die Staatsanwaltschaft diese Entscheidungsbefugnis hatte, hatte Merz keine Kontrolle über den Streisand-Effekt und die Beleidigung, die sonst kaum jemand mitbekommen hätte, ist „viral gegangen“. Auch das spricht gegen den § 188 StGB in seiner derzeitigen Form.
Vielleicht ist es auch einfach nur ein weiteres Meme, dass es aus dem Internet in die reale Welt geschafft hat und dort bei allen außerhalb der Eingeweihten nur zu Irritation und Achselzucken führt, wie Six-Seven oder Boaty McBoatFace.
Ich sehe immer kritisch, wenn eine mehr oder weniger große Masse meint, sie könnte für die Mehrheit sprechen, so auch hier. Vor allem, wenn sie damit den Eindruck erweckt, sie wäre die Mehrheit.
Laut Berichten sind mehrere Varianten des Begriffs zumindest als Vorschläge angenommen, zugleich verweist der Verlag aber schon mal vorsorglich auf die Ausschlusskriterien:
Ausgeschlossen werden demnach „offensichtliche Fakes und von einzelnen Gruppen oder Influencerinnen und Influencern initiierte Kampagnen, außerdem Begriffe mit beleidigendem, rassistischem, diskriminierendem oder sexistischem Charakter.“
Was den Vorschlag angeht, schreibt @danamueller ja explizit „viele von uns“. Die Verallgemeinerung bezieht sich demnach nur auf die Unzufriedenheit junger Menschen in Deutschland. Das finde ich nicht so weit hergeholt.
Das denke ich auch, und zwar auch für den Fall einer Tagesschau-Meldung, falls der Vorschlag tatsächlich gewinnen sollte.
weder noch, aber es ist für die Eingeweihten ein Umgehen dessen, was sie als Sprechverbot oder gar Zensur seitens der vielbeschworenen Alten empfinden mögen.
Das Augenzwinkern beim Verwenden des Begriffs gibt zugleich das Gefühl einer gewissen Selbstermächtigung.
Ja, hat mich als nicht junger Zuhörer auch irritiert. Zumal ja da noch der jüngere Fall aus München ist, wo ein Ermittlungsverfahren wegen „Friedrich, stirb doch selber an der Ostfront“ eingeleitet wurde, wieder bei einem Protest. Und Merz zu diesen Fällen erschreckend still ist. Wenn ich Kanzler wäre und die Polizei landesweit einen Chilling-Effekt bei der Meinungsfreiheit bewirken würde, wäre ich entsetzt und würde mich dagegen verwehren, dass so etwas in meinem Namen geschieht. Nicht so Fritze Merz, der lieber seine fehlende Kommunikationsfähigkeit öffentlich beweint, weil das natürlich der einzige Grund ist, dass seine Zustimmungswerte nicht bei 80% liegen.
Wenn sich das tatsächlich so zugetragen hat, dann habe ich wirklich Angst vor einer langsamen Aushöhlung von Art. 5.
Dass es hier um verzweifelte Polemik angesichts der drohenden Wiedereinführung von Wehrpflicht und Kriegsdienst geht, scheint mir offensichtlich. Was bitte muss da ermittelt werden?
Danke. In meinen Augen ein unwürdiges Schauspiel einer offenbar ratlosen Obrigkeit, der man mit Brecht raten kann, sich bei der nächsten Wahl ein genehmeres Volk zu wählen.