Merz im Sommerinterview

Ja schon wieder ein neuer Themenvorschlag zu Merz, aber er bekleidet nun mal das wichtigste exekutive Politische Amt. Seine Kommunikation ist katastrophal und er scheint „leider“ immer noch schlecht beraten zu werden oder er ist einfach beratungsresistent.

Vor ein paar Tagen gab es eine Gesprächsrunde mit „Bürgern“ (eigentlich waren es ausgewählte große influencer) bei RTL und nun das sommerinterview bei der ARD.

Bei der ARD haute Merz wieder gewohnt Dinge raus die einfach wieder nur belegen, wieso er der unbeliebteste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland ist…

Politische Hufeisen: „Wir werden alles tun, um zu verhindern, dass Sachsen-Anhalt an die Radikalen fällt. Das gilt sowohl für die AfD als auch für die Linkspartei.“

Und bei sowas platzt mir die Hutschnur :„Was nützt uns das schönste Elterngeld, wenn wir unsere Freiheit verlieren und der Frieden in Europa gefährdet ist.“ Freiheit und Frieden seien die Priorität.“

Wieso nicht beides?

„Jemand, der dem Land Veränderungen zumutet, ist natürlich zu Beginn nicht populär“, konterte Merz. „Ich beschäftige mich damit, aber es ist nicht der Maßstab meiner Politik.“

Bei Scholz hat er noch das gesagt:

„Wenn ein Bundeskanzler mit einer so niedrigen Zustimmungsrate keinerlei Anzeichen gibt, an seiner Kommunikation, seiner Politik, seinem Führungsstil etwas zu ändern, dann lässt er die Bevölkerung allein mit allen Problemen. Das ist einfach respektlos.“

Und das sind nur die, laut Tagesspiegel, WICHTIGSTEN Zitate. Der Rest waren nur belanglose Allgemeinplätze, die aber noch nicht mal ausgeführt wurden, sondern nur in der Art: warten sie nur ab, bald werden wir liefern… Ausgeführt wurden

Bei der Diskussionsrunde bei RTL reagierte Merz auf eine der dort beteiligten Damen so dünnhäutig, dass er nichts anderes konnte als sie anzupampen. Leider muss man auch RTL hier kritisieren, die hier einen Berufspolitiker und Medienprofi gegen eine Kinderärztin (die auch viel Social Media macht, das gehört zur Wahrheit) ausspielte und den „Streit“ genüsslich auf allen Kanälen ausschlachtete.

Wenn ein Kanzler in der aktuellen Lage, wo die Wirtschaft gerade in einer strukturellen Krise steckt und die Bevölkerung mit Einschnitten bei sozialen Leistungen belastet, keinerlei Anstalten macht die Leute irgendwie kommunikativ mitzunehmen oder irgendwie klar zu machen was sein Plan ist, wie soll man dann diesen Kanzler noch ernst nehmen ? Eine Rentenreform mag wichtig sein, aber rettet keine Arbeitsplätze oder sorgt irgendwie für gute Stimmung. Ebenso die krankversicherungsreform.

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Dem schließe ich mich an.

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Hier ein insg. umfangreicher Faktencheck:

Das ARD-Sommerinterview mit Bundeskanzler und CDU-Chef Merz im Faktencheck | tagesschau.de

Wer in diesem Umfang Unwahrheiten oder irreführende Aussagen verteilt, ist m.M.n. des Kanzleramtes unwürdig.

Darüber hinaus könnte man sich allerdings auch fragen, wie angemessen die Ausstrahlung solcher Interviews ist, wenn sie ohne live-Faktencheck einen derart hohen Unwahrheitsgehalt haben. Dass man sich nicht nur im Fall der AfD, sondern auch beim Bundeskanzler diese Frage stellen muss, ist schon ein verheerender Zustand.

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Kurze Anmerkung an dieser Stelle. Ich halte es für schwierig hier die Ärztin des Ragebaitings/Contentaufmerksamkeit für Social Media zu bezichtigen, wenn sie inhaltlich nun mal einfach extrem wichtige und dringende Punkte vertritt. Praxen stellen sich jetzt schon auf die Änderungen ein. Öffnungszeiten verkürzt, Mitarbeiter entlassen oder nicht nachbesetzt. Die katastrophale Versorgung aktuell wird weiter verschlechtert (in Zahlen -30% Einnahmen = -30% Versorgung). Und da sagt die Frau weder etwas polemisches, gar macht sie sich strafbar, wenn sie Merz unterstellt sich nicht an das Wohl des Volkes zu denken. Die Reaktion von Merz ist unterirdisch und ignorant. Dass dieser Mensch absolut empathielos ist und gar keine Ahnung von der Lebensrealität der Menschen hat beweist er jeden Tag aufs Neue.

Das Sommerinterview habe ich mir leider noch nicht angeschaut, ich erwarte aber keine positiven Überraschungen. Es ist eine sehr seltsame Zeit, in der wir in Deutschland leben. Ich bin sehr pessimistisch gespannt wohin diese Ignoranz der CDU, diese Zahnlosigkeit einer SPD und der Rechtsextremismus der AFD noch führen werden. Das Parteienspektrum und die Wahlentscheidungen stimmen mich hoffnungslos.

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Sie hat Merz „menschenverachtenden Politik“ vorgeworfen, was glaubt sie denn wie er dann reagiert? Finde ich leicht drüber, besonders wenn man einen Dialog führen will.

In welchen Aspekten der kürzlich getroffenen Entscheidungen und Reformen/ Kürzungen steht denn das Wohl der Bevölkerung im Mittelpunkt?

Ich finde, bei Friedrich Merz zeichnet sich inzwischen ein ziemlich widerwärtiges Muster ab. Immer wenn die eigene Politik nicht liefert, wird die nächste Bevölkerungsgruppe gesucht, auf die man verbal eintreten kann.

Angefangen hat es bei denen, bei denen es politisch besonders einfach ist, weil sie sich kaum wehren können. Geflüchtete wurden mit „kleinen Paschas“ und der unsäglichen Zahnarztgeschichte zum Problem erklärt. Dann waren die Bürgergeldempfänger dran, die angeblich nur stärker unter Druck gesetzt werden müssen. Danach kamen die ganz normalen Arbeitnehmer aus der Mittelschicht, die nach dem Merz-Narrativ zu wenig arbeiten, zu oft krank sind und es sich offenbar insgesamt ein bisschen zu bequem gemacht haben.

Und jetzt sind wir bei Ärzten angekommen.

Die Szene mit der Kinderärztin ist für mich eine erneute verbale Entgleisung, die ziemlich viel über diesen Mann aussagt. Einer Kinderärztin allen Ernstes entgegenzuhalten, sie sei „Nutznießerin“ des Gesundheitssystems und könne ohne dieses System nicht leben, ist nicht nur arrogant, sondern geradezu grotesk.

Eine Kinderärztin ist keine „Nutznießerin“ des Gesundheitssystems, sie ist Teil der verdammten Infrastruktur, ohne die dieses System überhaupt nicht funktionieren würde. Nach dieser absurden Logik ist der Lehrer Nutznießer des Bildungssystems.

Welche Bevölkerungsgruppe möchte Friedrich Merz eigentlich als Nächstes gegen sich aufbringen?

Langsam gehen ihm jedenfalls die gesellschaftlichen Schichten aus. Nachdem man sich von ganz unten hochgearbeitet hat, ist man inzwischen bei einer Berufsgruppe angekommen, die sicherlich niemand ernsthaft dem Prekariat zurechnen würde.

Noch bemerkenswerter finde ich allerdings, wie Merz reagiert, sobald jemand den Spieß umdreht und ihn mit seinen eigenen Aussagen konfrontiert. Dann ist von der demonstrativen Härte plötzlich erstaunlich wenig übrig. Statt Souveränität erlebt man Aggressivität und Dünnhäutigkeit. Kritik scheint dieser Mann hervorragend austeilen zu können, beim Einstecken sieht es deutlich schlechter aus.

Und genau deshalb stören mich auch seine ständigen Falschaussagen und irreführenden Zuspitzungen so sehr. Natürlich kann sich jeder Politiker irren. Aber bei Merz habe ich zunehmend den Eindruck, dass die Zuspitzung Methode hat. Erst wird irgendeine möglichst empörungsfähige Behauptung in die Öffentlichkeit geblasen. Wenn sie hängen bleibt, wunderbar. Wenn Journalisten oder Fachleute anschließend darauf hinweisen, dass die Realität komplizierter aussieht oder die Behauptung schlicht nicht stimmt, wird nicht etwa souverän korrigiert. Dann wird relativiert, ausgewichen oder aggressiv reagiert.

Vielleicht sollte Friedrich Merz irgendwann einmal auf die Idee kommen, dass nicht Geflüchtete, Bürgergeldempfänger, Arbeitnehmer, Kranke und Ärzte kollektiv das Problem dieses Landes sind.

Vielleicht liegt das Problem eher bei ihm selber.

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Wieso ist da das Wort „menschenverachtend“ das richtige? Und er stellt teile der bevölkerung über andere. Das kann und muss man kritisieren, aber doch bitte mit Argumenten und nicht Beleidigungen. So wird es dann was es geworden ist, eine Anfeindungsorgie. Ok, wenn man das gewollt hat hat man sein Ziel erreicht.

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Es gibt schon noch einen Unterschied zwischen Politik, die nicht das Wohl der Bevölkerung im Mittelpunkt hat, und menschenverachtender Politik. Wir sollten aufhören immer mit diesen extremen Formulierungen um uns zu schmeißen. Das relativiert dann die echten Fälle.

Auf der anderen Seite muss mir als Bundeskanzler, als Politiker überhaupt, klar sein, dass die Bevölkerung mich nicht mit Samthandschuhen anfasst. Man kann darauf souverän reagieren und sachlich antworten oder emotional reagieren. Letzteres würde zwangsläufig als unsouverän wahrgenommen werden. Dann kann man auf den blöden Bürger schimpfen, der einen doch provoziert habe. Letztendlich steht aber an der Wahlurne die Souveränität von Friedrich Merz zur Abstimmung, nicht irgendein Bürger.

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Ehrliche Nachfrage: habe ich das suggeriert? Wenn ja: es war im Gegenteil meine Absicht.

Das sollte man Merz nun bei sich bietender Gelegenheit immer mal wieder unter die Nase reiben.

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Ist „menschenverachtend“ schon ein zu verurteilender superlativ?
Sie hätte auch sagen können: tödliche Politik, hasserfüllte Politik, oder sonst was.

Menschenverachtend sagt doch „nur“, dass die Politik der CDU/ von Merz die Menschen nicht achtet.

Und wie viel Achtung vor den BürgerInnen zeigt Merz/ die CDU denn, wenn er der Bevölkerung vorwirft faul zu sein, das Stadtbild kritisiert, der Kinderärztin Nutznießertum vorwirft, alle Linken und Grünen als Spinner bezeichnet, den Menschen diverse Mehrkosten aufbrummt und allgemein die Lebensqualität aller nicht Reichen verschlechtert?

Ich sehe hier noch nichts zu verurteilendes. Und die Ärztin hat ihre Aussage ja auch mit Beispielen und Fakten begründet.

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Das ist die wortwörtliche grammatikalische Auslegung.

Da Merz angeblich Jurist ist, wird er das wohl eher historisch auslegen und diese Auslegung von Menschenverachtend zielt eher auf eine Verletzung der Menschenwürde ab. Und das ist schon ein harter Vorwurf. Aber auch den muss er sich gefallen lassen, finde ich.

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Das war schon als harter Vorwurf gemeint, aber das ist auch in Ordnung. Sie erlebt es als Kinderärztin eben genau so, bzw. hat Angst es bald so erleben zu müssen.

Ich hatte sie nochmal in einem Medizin Podcast gehört, da hat sie als Beispiel die Kürzungen bei den Hilfsmitteln durchexerziert: Die Kassen dürfen mit dem neuen Gesetz nur noch die billigsten Hilfsmittel bezahlen. Bekommt nun ein schwerhöriges Baby ein schlechtes Hörgerät, kann es sein dass es nie richtig Sprechen lernt mit gewaltigen Folgen für das gesamte Leben. (Bestenfalls kommt die Schwerhörigkeit noch von einer unerkannten CMV Schwangerschaftsinfektion durch die schlechtere Vorsorge). Menschenverachtend passt da schon ganz gut, Hauptsache paar € gespart.

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Da jetzt medial wieder über einen vorzeitigen Abgang von Merz Spekuliert wird;

Welchen Vorteil hätte das überhaupt? Welche Risiken? Wer würde den Posten denn dann übernehmen?

Oder geht es um etwas anderes?

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