LnN 474: Batteriespeicher und Gaskraftwerke bei EnBW

Kleine Anmerkung zum Thema Batteriespeichern und Gaskraftwerke bei EnBW:

Klar, EnBW will Gaskraftwerke bauen und betreiben, zur Wahrheit gehört aber auch, dass EnBW sowohl bei Batteriespeichern als auch bei Erneuerbaren Energie vorne mitspielt, wie dieser Artikel zeigt: Link

Erst diese Woche wurde wieder mit dem Bau eines weiteren Batteriespeichers begonnen.

Zum Thema Gaskraftwerke: wenn ich das den Pressemitteilungen richtig entnehme, setzt EnBW beim Bau von Gaskraftwerken auf Fuel Switch, also in einem bestehenden Kohlekraftwerk den Kohlekessel raus und durch eine Gasturbine ersetzen, die später auch mit Wasserstoff betrieben werden kann Link.

Meiner Meinung nach ist das aktuell die beste Methode, da Infrastruktur, wie Gebäude, Netzanschluss und Generatoren bereits bestehen und nun mit deutlich weniger Emissionen weiterbetrieben werden können.

Denn, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt sind Gaskraftwerke als Puffer unvermeidbar, am besten in Kombination mit Batteriespeichern, denn Speicher haben eine unschlagbare Anfahrkurve von wenigen Sekunden und Gaskraftwerke übernehmen dann nach ein paar Minuten für die langfristige Überbrückung der Erneuerbaren, die Speicher aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Kapazität nicht leisten können.

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Gaskraftwerke haben sicherlich ihre Rolle in der Energieversorgung.

Der Kohle Ausstieg wurde mit “Pipelinegas” aus Russland beschlossen.

Viel EE + Akkus und wetterprognosen ermöglichen Kohle anstatt Erdgas

Vorallem wenn Biogas intelligent genutzt wird

Zum Thema Energiekrise lassen sich eigentlich alle angesprochen Punkte in der Sendung sehr schön anhand von Zahlen im Beitrag “Auswirkungen des Iran-Kriegs auf Strom- und Gaspreis in Deutschland“ vom Frauenhofer ISE, Energy Chart Talks vom 01.014.2026, nachvollziehen ( Energy-Charts Talks | Energy-Charts ).

In diesem Beitrag ist grafisch aufbereitet, wie sich der Ausbau der Erneuerbaren Energien in der aktuellen Lage dämpfend auf die Stromkosten auswirkt. Und das trotz stark gestiegener Gaspreise.

Die Ausrichtung der Bundesregierung, vor allem des Wirtschaftsministeriums, ist für mich nicht nachvollziehbar und zudem inhaltlich entlarfend. Herr Dr. Veit Bürger vom Öko Institut zeigt in den Energy Talks “Welche Folgen hat der Übergang vom GEG zum GMG?“ vom 02.03.2026, dass das Eckpunkte Papier zu den Änderungen §71 und 72 GEG nicht so revolutionär sind, wie von der Bundesregierung behauptet.

Ich möchte die Energy Charts allen Interessten rund um das Thema Energie und Preise ans Herz legen. Das Tool ist sehr gut aufgebaut und es lassen sich Energiewirtschaftliche Zusammenhänge sehr gut nachvollziehen. Die monatlich veröffentlichten Energy Chart Talks sind sehr informativ und zeigen meiner Meinung nach eindeutig, dass die Energiewende weiter vorangetrieben werden muss.

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Strom - wie im Vergleich bei E-Autos oder Wärmepumpen angeführt - ist eigentlich nie “Primärenergie”.

Korrekterweise müsste man vermutlich einen sog. ‘Strommix’ zugrunde legen. Also entweder den aktuellen Durchschnitt bei der Stromerzeugung in DE plus Importen heute, oder einen prognostizierten Mix in ein paar Jahren. Dadurch reduziert sich der Gesamtwirkungsgrad auch bei diesen besseren Technologien um ein paar Prozent.

Und wenn man den Strom vorübergehend in einer Batterie einspeichert und später wieder ausspeichert, dann verliert man bei jedem Zyklus wiederum ein paar Prozent.

Das macht den Vergleich vom Primärenergieträger her dafür aber genauer und belastbarer und damit weniger angreifbar.

Hallo, ich fand die Erklärung zu der Zahl “20,8% Erneuerbar” sehr gut herausgearbeitet. Dass Frau Reiche mit dieser Zahl lügen würde, finde ich etwas zu hart. Sie versucht allenfalls, Wähler und deren Vertreter, die Abgeordneten für blöd zu verkaufen. Tatsächlich wird die Zahl 20% auch von Energiewendebefürwortern, z.B. Herrn Quaschnig, gerne angeführt, um damit zu suggerieren, wie viel Arbeit noch vor uns liegt, und wir deshalb mehr aufs Tempo drücken müssen. Die Wirtschaftsweise V. Grimm, die oft in der Szene gedisst wird, hat auf die Frage, wie weit wir in der Energiewende gekommen sind, vor drei Jahren richtiger geantwortet, wir hätten schon etwa 40% geschafft. Das entspricht dann genau dem Faktor 2,5, den ihr genannt hattet.

Was die mögliche Rolle der Batteriespeicher angeht, überschätzt ihr deren derzeitige Möglichkeiten etwas. Batteriespeicher sind nach derzeitigem Stand nur wirtschaftlich zu betreiben, wenn sie 200 Vollzyklen/Jahr gefahren werden, d.h. jeden Tag etwa zur Hälfte be- und wieder entladen werden. Das Problem der Dunkelflaute ist aber, dass es alle paar Jahre mehrwöchige Phasen gibt, in denen die durchschnittliche Erneuerbaren-Stromproduktion auch im geplanten Endausbau nur 50% des benötigten Stroms liefern würden. Die anderen 50% können dann nicht aus Batteriespeichern kommen, denn Batteriespeicher vorzuhalten, die nur alle paar Jahre gebraucht würden, können wir uns bisher nicht leisten. Auch wenn man dieses “Sonst-nicht-gebraucht-werden” auf alle (täglich) benötigten Batteriespeicher verteilen würde, würde dies die Wirtschaftlichkeit nach heutigen Preisen zu sehr beeinträchtigen. (Kurze Rechnung zur Erläuterung: Wir haben einen täglichen Strombedarf von 1,5TWh. Für den untertägigen Ausgleich rechnet man mit einem Bedarf von maximal 0,5TWh Batteriespeichern. Um 35 Tage (also 5 Wochen) 0,75TWh (also die Hälfte des Tagesbedarfs) zu liefern, bräuchte man aber 26TWh, also das 52-fache.)

Dennoch brauchen wir die Reicheschen Gaskraftwerke nicht. Bis zu den für 2030 angestrebten 80% Erneuerbaren im Stromsektor kommen wir locker mit wirtschaftlich zu betreibenden, weil fast täglich benötigten Batteriespeichern und den langsam kleiner werden Resten des fossilen Kraftwerkparks aus. Ob das Gas- oder Kohlekraftwerke sind, ist unerheblich. Auch Kohlekraftwerke können die sowieso vorhandenen Batteriespeicher nutzen, um ihre kurzfristig schlecht modulierbare Kraftwerksleistung an die benötigte Residuallast anzupassen. Bis 2030 sind Batterispeicher wieder so viel billiger geworden, dass sich die Grenze von 80% noch etwas weiter nach oben schieben lässt. Bis dahin sollte man außerdem die anderen Möglichkeiten (Demand-Side-Management, Austausch mit dem Ausland, neue Speicher-Technologien, Wasserstoff) so weit weiterentwickelt haben, dass die nächsten 10 Jahre Richtung 100%, also bis 2040, gesichert sind. Wasserstoff ist dabei die teuerste heute denkbare Möglichkeit und wird leider wegen des schlechten Wirkungsgrads den Primärenergiebedarf wieder steigern. Ich vermute, dass er letztlich bei der Bewältigung des mehrwöchigen Dunkelflaute-Problems in der 100%-Welt eine Bedeutung von unter 5% des Strombedarfs spielen wird.

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Primärenergieeinsatz ist ein gutes Maß, wenn man verschiedene Wärmekraftwerke miteinander vergleichen will. Wie absurd Rechnungen in “Primärenergie” werden, können Sie daran erkennen, dass bei der Kernenergie als Primärenergie der Stromoutput gerechnet wurde. Hätte man deren Abwärme irgendwie nutzbar gemacht, wären sie auf “Wirkungsgrade” über 100% gekommen.

Da in Zukunft fast alles elektrifiziert wird, sollte man in “Strombedarf” rechnen. Der liegt derzeit bei knapp 500TWh/Jahr und wird sich in der 100%-Welt etwa verdoppeln. Bisher beträgt die Stromproduktion aus Erneuerbaren ca. 300TWh/Jahr (60% des derzeitigen Bedarfs) und damit etwa 30% des zukünftigen Bedarfs. Wenn wir mir Effizienz schaffen (besser gedämmte Häuser, kleinere Autos, weniger Transportbedarf) und noch mehr Wärme direkt aus Sonnenlicht erzeugen (so wie heute Warmwasserkollektoren), könnten wir es schaffen, die Stromerzeugung nur um den Faktor 2,5 anheben zu müssen. Wenn wir aber viel Wasserstoff einsetzen müssen, um Dunkelflauten zu überbrücken, werden wir noch deutlich mehr Strom benötigen.

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