Wenn zwei das gleiche sagen, kann trotzdem einer Recht haben. Die Asymetrie der Reaktionen bei reichlich unterschiedlicher Sachlage ist in ihrer offenen Doppelmoral auch entlarvend. Natürlich gibt es hochproblematische Personen und Strömungen in der Linkspartei. Die Führung der Partei hat sich dazu klar positioniert.
Die Kritik kommt von einer Union, die zum einen grade eine Legislatur Zeit hatte, sich gegen Antisemitismus einzusetzen und die Zeit und das Geld damit verbrachte, politische Freunde zu versorgen. Und die auch sonst gern mal mit Rechtsextremisten gemeinsam auf kommunaler Ebene nicht Kitas baut oder Schlaglöcher saniert, sondern Erinnerung an NS-Verbrechen zur Disposition stellt, zusammenstreicht etc.
Was den Kontakt zum Remmo-Clan angeht, gibt es bisher Auszug aus einen Chat-Verlauf zwischen einem MdB und einen ausgeladenen Besucher auf einer offenen Feier.
Und die Gleichsetzung einer Partei, bei der es im wesentlichen um einen notorisch rebellischen, Bezirksverband und einen MdB zu gehen scheint, der bereits erste (sicher noch nicht hinteichende) Konsequenzen gezogen hat, mit einer rechtsextremen Bestrebung, in der es von der Führung, über Amts- und Mandatsträger bis runter zur Wählerschaft tausende vergleichbarer, gut dokumentierter Fälle gibt, weil hier tatsächlich die Partei als ganze so ausgerichtet ist, durch Kommentatoren in Medien und Politk ist absolut offenbarend.
Welche Konsequenzen hat eigentlich der Unionsabgeordnete gezogen, der Remmo ausdrücklich eingeladen hatte und welche die Unionspolitiker, die die Vergabe von Fördermitteln verantwortet haben? Wie hat sich die Parteiführung von denen distanziert? Was ist eigentlich aus den Unions-Leuten geworden, die mit auf der Potsdam-Konferenz waren? Und wie geht man in der Union mit Leuten um, die mit der AfD mal rassistische, mal geschichtsrevisionistische Politik durchsetzen…
Ich fände es gut, mal seriös über den Umgang mit Antisemiten und organisiertem Verbrechen von Vertretern der Linkspartei im Bezirk Neukölln zu sprechen. Und zu hinterfragen, ob die Führung tut, was sie tun kann und ob das reicht, um die Problemfiguren/-Strömungen einigermaßen in den Griff zu bekommen.
Aber die aktuelle öffentliche Reaktion ist wirklich lächerlich und offenbart grade im Kontrast zur bürgerlichen Kolaborationsbereitschaft mit Rechtsextremisten, was in unserer Demokratie wirklich gut geschützte Grenzen sind und was nicht. Wenns gegen Menschen geht, ist man diese ganze „Moralisierung“ langsam mal leid. Wenns gegen Vermögen gehen könnte, ist Alarm Alarm.