Bezüglich der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt sagt ihr bei Minute 5:50, dass die AfD in Umfragen „tendenziell unterschätzt“ würde und begründet das mit einem „confirmation bias“, da manche Wähler immer noch ungern angäben, die AfD zu wählen.
Zunächst scheint mir der Confirmation Bias hier nicht das richtige Phänomen zu sein. Der Confirmation Bias beschreibt gemeinhin die menschliche Neigung, bei der Suche nach sowie der Bewertung oder Interpretation von neuen Informationen, durch die eigenen bisherigen Erfahrungen, Meinungen und Überzeugungen beeinflusst zu werden.
Was Ulf hier wohl eher meinte, ist der „Shy Voter“-Effekt, der das beschriebene Handeln erklärt bzw. thematisiert. Das dieser sich auch auf die AfD auswirkt, ist nachweislich korrekt. Auch korrekt ist, dass die Meinungsforschungsinstitute versuchen, diesem Effekt entgegenzuwirken.
Allerdings ergeben die Umfragen unmittelbar vor den letzten Wahlen die beschriebene Tendenz m. E. n. nicht.
Bei der BTW 2021 stand die AfD bei Forsa bei 10%, bei Infratest dimap bei 11%, Ergebnis: 10,3%
Bei der LTW 2024 in Sachsen bei INSA 32%, Forschungsgruppe Wahlen 30%, Infratest dimap 30%, Ergebnis: 30,6%
Bei der LTW 2024 in Thüringen bei allen bei 30%, Ergebnis: 32,8%
Bei der LTW 2024 in Brandenburg bei Infratest dimap 27%, bei der Forschungsgruppe Wahlen 29%, Ergebnis: 29,2%
Es gibt also durchaus Wahlen, bei denen die AfD leicht unterschätzt wurde. Ebenso wurde sie bei anderen aber auch leicht überschätzt. Zu beobachten ist vor allem, dass sich die Ergebnisse im Wahlkampfverlauf bei der AfD besonders deutlich verändern. Die Abweichungen liegen aber in allen Fällen innerhalb der umfragetypischen Fehlertoleranz von 3%.
Das mag ein kleines Detail sein, ist mir aber ins Auge gefallen, weil ich es wichtig finde, das Ganze nicht noch größer zu reden, als es eh schon ist.
Ansonsten wie immer eine sehr gut gelungene Folge ![]()