Danke für das tolle China-Interview mit Dr. Marina Rudyak!
Ich merke, dass ich zu China lauter Einzeleindrücke habe – Menschenrechte, Taiwan, Überwachung, Innovation, Lieferketten, Klima, KI – aber keine wirklich sortierte Position. Vielleicht geht das auch nicht, weil sich diese Dinge nicht widerspruchsfrei auf eine Linie bringen lassen.
Hier im Forum wurde ja schon angemerkt, dass sich Chinas Handlungsfähigkeit nicht einfach mit „Diktatur statt Demokratie“ erklären lässt, sondern auch mit historischer Perspektive, Zielen und langem Atem. Genau daran bin ich hängengeblieben: dass autoritäre Systeme heute oft handlungsfähig und strategisch wirken, während Demokratien erschöpft und blockiert erscheinen.
Ein Teil unserer Faszination für China sagt vielleicht weniger über China aus als über uns selbst. Wir projizieren eine Gestaltungskraft hinein, die wir bei uns vermissen.
Daher meine Frage: Ist die Demokratie-Erschöpfung ein echtes Defizit unseres Systems, oder wirkt das nur so, weil wir sie mit einem überhöhten Bild autoritärer Stärke vergleichen? Und ist das überhaupt nur ein China-Thema, oder begegnet uns dieselbe Sehnsucht nach Durchsetzungskraft längst auch aus anderen Richtungen?
Das hat mich motiviert, meine Website mal wieder zu entstauben. Wer Lust hat — meine längere Fassung hier: