LdN458 Russen verpissen sich nicht?

Bei der Überlegung geht ihr davon aus, dass die Russen Putins Kriegsgelüste auf ewig willfährig folgen. Ich weiß nicht, wo ich es gelesen (Zeit oder Capital) habe, aber in den großen Städten wie Petersburg und Moskau versuchen sich viele junge Männer, gerade die Gebildeteten und Intelligenteren, möglichst geschickt mit kluger Korruption wegzuducken. Ein Großteil der Soldaten rekrutiert Putin aus den ärmeren Provinzen. Ich weiß nicht, wie lange sie es sich noch gefallen lassen, als billiges Kanonenfutter zu enden,

Ich fürchte, die Friedensbemühungen von Trump stützen das System von Putin,weil mancheiner im internen Zirkel darauf spekuliert, wirtschaftlich von den Geschäften in der Nachkriegszeit profitieren zu können.

Vielleicht sähe die Lage schon anders, wenn russische Elite nicht auf große Geschäfte hoffen könnte, denn laut Ökonomen krepiert die russische Wortschaft. Vielleicht sollte man über diesen Aspekt mal nachdenken..Wie verlängert Trump mit seinen Friedensbemühungen das Leiden der Ukrainer?.

Ein Punkt ist dabei auch, wie lange Putin seine repressive Staatsmacht aufrechterhalten kann. Manche Experten sehen diese als immer noch sehr stabil an, weil über Jahrzehnte gewachsen und gefestigt.
Aber wie das in Diktaturen so ist…da geht man mal unglücklich an einem offenen Fenster vorbei, der Boden ist frisch gewischt….

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2 Beiträge wurden in ein existierendes Thema verschoben: LdN 458 „Dann verpisse ich mich“

Die reichen und gut gebildeten Mittelschichten in den beiden Metropolen waren als Kanonenfutter für den Kreml nie interessant. Das dürften aber auch kaum mehr als 10 Millionen sein. Für die Rekrutierung viel wichtiger sind die kaum gebildeten, armen Menschen, die irgendwo in der Provinz leben. Der Sold liegt aktuell bei rund 2000 Euro pro Monat. Zum Vergleich: der durchschnittliche(!) Monatslohn in ländlichen Regionen liegt teilweise bei unter 500 Euro. Der Deal, den viele Familien machen (ob bewusst oder unbewusst), ist also ziemlich klar: Unser Sohn wird vermutlich in 2-3 Monaten sterben, dafür haben wir so viel Geld wie wir uns lange nur erträumen konnten.

Da können wir uns auch an die eigene Nase fassen. Auch die EU-Staaten stützten Putins Krieg noch immer z.B. durch den Import von russischem Öl und Gas. Die Importe aus Russland übersteigen in ihrer Summe seit Beginn der Vollinvasion im Februar 2022 sogar die Summe aller Hilfen an die Ukraine aus EU-Staaten.

@Moderation: vielleicht macht es Sinn, diesen speziellen Strang (ich nenne ihn mal „Kriegstüchtigkeit in Russland“) von der allgemeinen Diskussion über das Thema Verteidigungsbereitschaft in Deutschland (LdN 458) zu trennen.

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Vielleicht sollte man nicht immer auf die Neoklassischen Ökonomen hören. Die russische Wirtschaft macht derzeit keine Anzeichen einzubrechen.

Und wer sich die Frage stellt wie das sein kann sollte sich endlich mal von der Mainstream-Ökonomik emanzipieren.

Die Reallöhne (Inflation mit eingerechnet) steigen in Russland .Wer also nicht an die Front muss profitiert im Schnitt vom Krieg.

Das ist jetzt dieser hier.

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Wenn ich das aus einem anderen Podcast richtig mitgenommen habe, dann profitiert die russische Wirtschaft vor allem auch von den hohen Investitionen in den Bereich Rüstung. Gehälter steigen natürlich auch im Schnitt weil Soldaten die an die Front müssen mehr als das 10-Fache dessen verdienen was sie in ihren wirtschaftlich schwachen Heimatregionen bekommen hätten.

Letztlich ist das sicher ein Thema welches komplexer ist als ein paar Kennzahlen (Lohnentwicklung, BIP, Inflation, etc.) alleine zu analysieren.

Klar ist: Es wird kein „plötzliches Einbrechen“ der russischen Wirtschaft geben und auch keine Revolution, bei der sich die Bevölkerung auf einmal gegen Putin & Co. erhebt.

Aber das heißt noch lange nicht, dass in Russland alles super läuft und noch ewig so weiterlaufen kann. Eine m. E. relativ realistische Einschätzung war kürzlich im Economist zu lesen mit dem Titel „Russia is not as resilient as it wants you to think“ [https://archive.ph/Rxbba]

https://www.economist.com/europe/2025/12/10/russia-is-not-as-resilient-as-it-wants-you-to-think

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Hab ich nicht behauptet aber Russland kann den Krieg länger „finanzieren“ als die Ukraine.

Die Ukraine hat zwar Unterstützung die steht aber auf wackligeren Beinen als die russische Wirtschaft.

Und noch was zur Kriegswirtschaft. Einfach mal den vergleich mit den USA 1945 1947-48 anstellen. Die waren auch nicht auf Krieg angewiesen sondern haben die Produktion innerhalb weniger Jahre umgestellt, weil die Produktionsmittel nunmal schon da waren.

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Momentan sieht es so aus. Aber ob dieser Satz richtig bleibt oder nicht, hängt entscheidend davon ab, wie stark die Ukraine unterstützt wird.

Ein norwegisches Institut hat übrigens mal die Kosten einer sehr viel üppigeren Unterstützung der Ukraine mit dem Ergebnis eines (relativen) Sieges der Ukraine errichtet und die Kosten für einen (relativen) Sieg Russlands dagegengerechnet. Spoiler: Ersteres dürfte für Europa sehr viel günstiger werden.

https://euromaidanpress.com/2025/12/03/backing-ukraine-costs-half-deterring-russia/

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Um diesen üppigen Sold zu finanzieren, braucht es Staatsfinanzen. Der Krieg ist teuer, so teuer, dass die Steuern erhöht werden müssen. Und ich habe auch Berichte gelesen, dass viele russischen Soldaten als vermisst gelten, die Angehörigen vertröstet werden und nichts bekommen, so dass sich der russische Staat auch viel Geld spart. Das russische Regime ist ein sehr zynisches.

Und wir dürfen nicht vergessen, dass viele keine ethnischen Russen sind, sondern auch einer Minderheit angehören.

Ja, die EU-Staaten sind keine Waisenknaben, Stichwort: Ungarn.

Die Anwerber sind jetzt oft jung, weiblich, ledig. Sie heiraten und schicken den frisch Vermählten an die Front, in der Hoffnung, dass er möglichst schnell stirbt und ihnen dann viel Geld hinterlässt.

Immer mehr Frauen sollen Schein-Ehen mit Männern schließen, die kurz darauf an die Front in der Ukraine geschickt werden. Nach ihrem Tod kassieren sie hohe Einmalzahlungen, die eigentlich für die Familien der Gefallenen gedacht sind.
Russland: "Schwarze Witwen" schlagen Profit aus Tod russischer Soldaten

In einer Doku hat eine Frau erzählt, dass sie jetzt schon mehrmals verheiratet war und mittlerweile ihre dritte Wohnung gekauft hat.
Jeder Gefallene kostet demnach den Staat 186.000€ Entschädigung.

Man sieht das die russischen Männer auch nicht vorrangig aus patriotischen Motiven für Russland/Putin in den Krieg ziehen. Und auch das russische Volk hat oft ganz pragmatische monetäre Ziele.
Putin ist das letztlich egal.
Allerdings:
Eine Menge gut ausgebildeter und hochqualifizierter russischer Männer ist tot, verwundet und dadurch behindert, vermisst oder in Gefangenschaft. Ein anderer Teil hat das Land verlassen.
Die Geburtenrate in Russland ist historisch niedrig.
Ich schätze das man „Fachkräftemangel“ auch in Russland deutlich spürt. Besonders außerhalb der Rüstungsindustrie.
Russland verkauft noch Öl und Gas, aber die Abnehmer sind weniger als vorher, bei den Preisen muss Putin deutliche Abstriche machen.
Ersatzteile für Flugzeuge und Fahrzeuge und technische Geräte werden zumindest knapper und teurer.
Auch mit dem Blick auf eine Zeit „nach dem Krieg“….wie lange kann Putin das durchziehen und sich innenpolitisch sicher fühlen?

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Das zeigt nur, wie zynisch das russische System ist.

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Ich halt das Gegenteil für richtig. Und das ist auch ein entscheidender Unterschied zu Deutschland: in Russland gelingt es leicht Armeen aus Patrioten aufzustellen, was in Deutschland unmöglich erscheint. Es ist natürlich bequem zu sagen, dass in Russland nur ex Häftlinge, arme Menschen oder Zwang die Ränge füllen.

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Sehr teure Patrioten…..:wink:

Auch wenn ich mich da wiederhole. Russland kriegt die Ukraine nicht gewaltsam klein seit Jahren. Und wir liefern nicht, was geht sondern was grade so reicht. Wie wahrscheinlich ist es, dass Russland dann die EU/NATO angreift?

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Können wir es völlig ausschließen?

Die Unwägbarkeiten sind das Problem.

Natürlich kann es nicht ausgeschlossen werden, aber das gängige Narrativ hat ja eher den Tenor: “In zwei Jahren steht der Russe vor Berlin” und entsprechend angstvoll wird diskutiert. Das, was man sieht, wirkt auf mich halt nicht soo sehr, als wäre das sehr wahrscheinlich.

Und es wird in meiner Wahrnehmung auch nie inhaltlich belegt, warum es wahrscheinlich sein sollte. Das war vor dem Angriff auf die Ukraine ja eine ganz andere Kulisse, weshalb auch jeder inkl. Russland dachte, dass das in 3 Tagen over wäre.

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In zwei Jahren wohl nicht.

Aber in 5 Jahren? In 10 Jahren?

Wir wissen ja schon was Putins Ziel ist. Das muss er nicht rein militärisch erreichen.

Was nach Putin kommt? Schwer zu sagen.

Die Schwierigkeit ist aktuell wohl, das wir, besonders ohne die USA, noch zu wenig entgegenzusetzen haben.
Da was aufzubauen, was einen Putin abhält aktiv zu werden, dauert halt Jahre bis Jahrzehnte.

Man kann jetzt natürlich abwiegeln und sagen, Russland ist keine Gefahr, die schaffen nichtmal die Ukraine.

Lese ich im Parallel Thread hierzu, scheint die Bereitschaft sich hier verteidigen zu wollen, eher gering.
Wenn wir uns also irren, kann es sein das wir diesen Irrtum nicht mehr korrigieren können.

Das können wir in Kauf nehmen, sollte uns nur vorher klar sein.

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