Wero mag durchaus ein interessantes Finanzprodukt für viele Menschen sein, wann immer es aber explizit als digital souverän beworben wird ist sie vielmehr ein gutes Beispiel für Soveränitätswashing. Und zwar ein exemplarisches, denn das selbe Muster gibt es an vielen Stellen zu sehen.
Der versprochene Souveränitätsvorteil von Wero soll dadurch zustande kommen, eine Alternative zu den verbreiteten US-Zahlungsanbietern zu bieten. Diese sind nun aber eben vor allem dadurch problematisch, da sie US-Konzerne sind, US Recht unterliegen (siehe Paypal und Kuba) und im besten Tech-Bro-tum sich aktuell auch noch weiter als gesetzlich gefordert der Trump Administration an den Hals werfen könnten.
Auftritt also Wero, »Made in Europe – Banking ohne Grenzen.« Im Hintergrund setzt das System auf das SEPA System auf, dem Zahlungsabwicklungssystem europäischer Banken.
Nur führt der einzige Weg das System zu nutzen über die Wero App oder die jeweilige Banking App der teilnehmenden Hausbank. Und diese gibt es
ausschließlich im Apple AppStore oder Google Play Store.
Zur Nutzung der voll digital souveränen europäischen Zahlungsart muss eine Kund*in also zwangsläufig den AGB der Firmen Apple oder Google zustimmen. Wero als Entwickler*in wiederum ist vollständig auf die Zusammenarbeit mit den beiden US-Konzernen zum Veröffentlichen und Verbreiten der App angewiesen, dies kann jederzeit unterbunden werden und dann war es das mit dem System.
Disclaimer:
Klar muss irgendwo angefangen werden. Macht ruhig eure Prozesse erstmal autonom und euer Backend tragfähig. Aktuell kann für Akzeptanz eine Präsenz in den Monopolstores auch sinnvoll sein.
Sobald ihr aber irgendwie auf „Europäische Alternative“ oder „Digitale Souveränität“ anspielt, darf dies nicht der einzige Weg sein. Oder wenn doch, dann signalisiert wenigstens dass ihr das Problem seht und es zeitnah angehen werdet.
Banken die Wero in ihre Smartphone App integriert haben, bieten ja auch allesamt weiterhin Onlinebanking im Browser an. Nur fehlt dort die Integration von Wero. Nach allem was ich weiß, macht keine der teilnehmenden Banken Wero im Browser verfügbar, für meine eigene Genossenschaftsbank und alle auf die Atruvia setzenden Banken kann ich dies sicher sagen.
So verkommt die angebliche Souveränität zum reinen Marketingbegriff.
Das darüber hinaus noch ein paar Tracking-Bibliotheken US-amerikanischer Anbieter in der Wero App verbaut sind, ist da nur noch Kleinkram. Und ob zu digitaler Souveränität nicht auch immer Open Source Software gehören muss, ist noch mal eine ganz andere Debatte.
Das gleiche Problem hat offenbar auch die iKFZ-App des Kraftfahrtbundesamts – der digitale Fahrzeugschein – die eben auch nur auf vom US Konzern Google zertifizierten Geräten laufen soll.