LdN455 - Briefe/Kommunikation ALG/Bürgergeld

Hallo liebes Lage Team,

ich habe eine Anmerkung zur Digitalisierung der Kommunikation mit den Agenturen für Arbeit, denn deren Online-Angebot hat mich erstaunlich positiv überrascht und da die guten Beispiele für Digitalisierung nur selten genannt werden wollte ich dies einmal erwähnen.

Zum einen muss das Jobcenter (mit dem ich keine Erfahrung habe) und AfA getrennt betrachtet werden, da diese Verwaltungen fast komplett getrennt sind. Dass heißt die Bescheide und Einladungen im Zusammenhang mit dem Bürgergeld werden leider mit unter immer noch größten Teils postalisch zugestellt, haben aber faktisch nichts mit den Arbeitsagenturen zu tun. (Dies hat mir mein Vater, der Beamter in der Verwaltung der AfA war, auch immer wieder Vorgetragen.)

Ich bin selbst bin momentan in der letzten Phase meiner Promotion und beziehe dabei Arbeitslosegeld und muss wirklich sagen dass das Digitalangebot hierbei extrem gut ist. Man kann sich einfach mit dem ePerso anmelden und verifizieren (also kein Persönlicher Besuch notwendig). Alle Anträge können unkompliziert Online Ausgefüllt und eingereicht werden. Sämtliche Bescheide und Einladungen erhält man direkt im Onlinepostfach und auch eine direkte Kommunikation mit dem Vermittler ist dort möglich. Sogar die Gesprächstermine können, sofern der Vermittler dies für Sinnvoll erachtet, direkt in dem Portal als Videocall durchgeführt werden, was besonders nett ist wenn man wie ich sonst eine recht lange Anreise zur Arbeitsargentur hätte. Ich habe alle Dokumente und Einladungen zusätzlich noch altmodisch per Post erhalten (ich denke nur dies ist am Ende rechtlich bindend) aber habe immer vorher eine Email bekommen, dass ich eine neue Nachricht im Onlinepostfach hatte.

Die AfA hat hier anderen Behörden bestimmt einen Vorteil, da sie als Bundesbehörde ein einheitliches System aufbauen und verteilen konnte, was sonstige föderalistisch Geprägte Behörden sicherlich nicht so leicht können.

Ich bin mir sicher dass einige Leute auch schlechte Erfahrungen mit dem Online Angebot gemacht haben, aber für mich war dies überraschend komfortabel und einfach.

Ein solches System existiert also schon und wird auch verwendet, ist aber durch Trennung der Zuständigkeiten meines Wissens nicht für Bürgergeldempfänger zugänglich.

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Bin genau in der selben Situation, Promotion bald geschafft und habe mich ebenfalls Artbeitssuchend/los gemeldet. Kann auch nur positives berichten. Anmeldung + Regiestrierung via Perso, Kommunikation via App inkl. Benachrichtigungen für wichtige Mitteilungen (die dann auch 1-2 Tage später per Post eintrudeln😄).

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Ich bin Mitarbeiterin der Arbeitsagentur und war etwas geschockt von Eurer Ausführung zur Digitalisierung und Behandlung der Kund*innen bei der Arbeitsagentur/Bürgergeld.

Es ist einfach faktisch falsch, dass Kundinnen über wichtige Termine ausschließlich per Brief informiert werden. Wir bzw. auch die Jobcenter haben eine App, es werden Erinnerungsmails und -SMS verschickt. Wenn man als Grund für Nichterscheinen angibt, dass man den Brief nicht bekommen hat, gilt das als wichtiger Grund und es folgt keine Sanktion. Kommt das häufiger vor, wird man nur noch per Einschreiben kontaktiert.

Es kommen mittlerweile viele Kund*innen zum Termin, bei denen ein Kanal nicht funktioniert hat, dafür aber ein anderer.

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Moin,

mir ist da auch was aufgefallen: Ich bin gerade in den letzten Zügen des Einstellungsprozesses bei der BA und dort wurde ausschließlich papierlos mit mir kommuniziert. Wenn auch einige Prozesse typisch Behörde und dementsprechend schwerfällig sind, lief die Kommunikation komplett über die Recruiting-Plattform, wo Dokumente von beiden Seiten eingestellt und Lesebestätigungen vermerkt werden konnten. Bei Aktualisierungen habe ich eine E-Mail-Benachrichtigung erhalten. Das hat mich positiv überrascht und ich kann mir fast nicht vorstellen, dass Ähnliches nicht auch für die Kommunikation mit Arbeitssuchenden genutzt werden kann.

Viele Grüße aus Hamburg

Julia

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Liebes Lage Team,

auch ich habe das online Angebot des Jobcenters genutzt. Die Erstanmeldung war eine Katastrophe, aber danach ging es recht gut. Was gar nicht klappt ist der Nachweis, was man gesendet hat. Das Portal war in meinem Fall so angelegt, dass ich die gesendeten Nachrichten nach Absenden nicht mehr abrufen konnte. Mehrfach hieß es, meine Nachricht sei nicht angekommen. Ich bin dann dazu übergegangen, einen Bildschirmabzug vor Absenden zu machen und das freundliche Fenster “Ihre Nachricht wurde weitergeleitet”, in der Hoffnung, dass der Zeitstempel des One Note Abzugs reiche. Die Karte musste ich nur einmal ziehen, dann ist wie durch Magie jede Nachricht angekommen. Also da gibt es Verbesserungsmöglichkeiten.

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Ich arbeite in einem der größten Jobcenter der Republik am Telefon. Meine Erfahrung mit Jobcenter.digital und der neuen App: Viele scheitern an der Anmeldung - so wie ihr es in der Lage auch berichtet habt. Für die Anmeldung ist es erforderlich (!), sich einen zweiten Faktor einzurichten. Entweder über TOTP oder per Passkey.

Ich beschäftige mich gerne und viel mit IT-Themen. Deshalb ist mir völlig klar, warum das erforderlich ist. Es gab bereits Sicherheitsvorfälle, bei denen sich unbefugte mit Kund:innen-Daten eingeloggt und Kontoverbindungen geändert haben. Wenn soetwas wieder passieren würde aber so grundlegende Sicherheitsmaßnahmen wie Mehrfaktorauthentifizierung nicht umgesetzt wären, wäre das Geschri - zurecht - groß.

Ich glaube aber, dass ihr in der Lage die digitale Kompetenz der meisten Menschen und insbesondere von Bürgergeldbeziehenden überschätzt. Auch in “meinem” Jobcenter gibt es niedrigschwellige Angebote zur Unterstützung mit Jobcenter.digital. Ohne Anmeldung, mehrfach pro Woche - die Kund:innen können auch bei uns ihre eigenen Geräte mitbringen und bei uns im WLAN anmelden. Allein: Diese Angebote werden fast gar nicht angenommen.

Wenn mich Leistungsbezieher:innen mit anderen Anliegen anrufen, nehme ich mir oft die Zeit, sie bei der Anmeldung und Nutzung von Jobcenter.digital zu unterstzützen. Dafür erfahre ich auch viel Dankbarkeit. Das ist eine Seite. Die andere Seite ist aber, dass ich viel häufiger Gespräche habe, bei denen die Nutzung von Jobcenter.digital massiv abgelehnt wird. Wir sollen alles damit löschen und lieber wieder Briefe schicken. Insbesondere, siehe oben und ihr habt es im Podcast berichtet, die Anmeldung sei viel zu kompliziert. Aber was ist den die Alternative? Keine 2FA? Da habe ich ganz andere Bauchschmerzen…

Ihr habt völlig Recht: Es ist ein Unding, dass die Bürgergeldsätze für viele nicht ausreichend sind, sich einen Mobilfunkvertrag mit Internet zu leisten. Es ist aber auch leider die Realität. Jeden Tag habe ich mehrere Anrufe von Leuten, die nicht über ihr eigenes Handy telefonieren, weil sie kein Guthaben mehr haben und bis zur nächsten Zahlung des Bürgergeldes auch das Handy nicht aufladen können. Nach meiner Beobachtung haben viele Bezieher:innen von Bürgergeld keinen Festnetzanschluss und damit auch kein WLAN (mehr) zuhause. Und auch Computer/Laptops/Tablets sind in vielen Haushalten schlicht nicht vorhanden. Das einzige geeignete Gerät ist bei vielen das Smartphone.

Zusammengefasst: Mindestens die Website von Jobcenter.digital ist gar nicht soooo schlecht. Die App… Na ja.
Das Problem im Alltag ist aber weniger die technische Seite, sondern dass es an der Digitalkompetenz zur Nuztung der vorhandenen Angebote fehlt. Zugegeben: Auch auf Seiten vieler Kolleg:innen im Jobcenter. Ich sehe aber auch, dass sich das Angebot fortlaufend weiterentwickelt und dass es entsprechende interne Schulungen gibt.

Und noch eine Randnotiz: Wir haben in unserem Jobcenter keine offizielle Faxnummer mehr. Ich werde aber pro Woche von Anwälten, Vermietern, Arbeitgebern immer wieder danach gefragt. Ich empfehle dann immer vorsichtig den Weg per E-Mail.

Viele Probleme im Bürgergeld scheinen mir Probleme der mentalen/intellektuellen Kapazitäten zu sein.

Bei ALDI/LIDL/Penny gibt es Prepaid SIM Karten mit ~25 GB Datenvolumen und Flatrate für unter 10€/Monat. Für Telekommunikation sind 50,33€ vorgesehen.

Das soll kein Bashing sein, sondern zeigt vielmehr die Grenzen des FDP/CDU-Eigenverantwortungs-Ansatzes auf.

(Meine Schwiegermutter, Hartz4 und Alkoholiker, war immer pleite, auch, weil sie oft die 11880 anrief, um eine Nummer vom Amt zu bekommen. Was macht man da? Das lässt sich nicht mit Sanktionen lösen, die führen nur zu Obdachlosigkeit…)