LdN392 - Spezial: Wie geht wirksame Klimapolitik? (Jens Beckert, Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung)

Danke für das Interesse :slight_smile:

Beckert sagt wörtlich, dass er normativ mit solchen Ideen sympathisiert, sie aber politisch nicht für realistisch hält. Er sagt, dass er es für problematisch hält, dass das Wirtschaftssystem über das Prinzip des Wachstums funktioniert - knüpft dann aber nicht mehr daran an.

Ich kritisiere nicht Beckerts Meinung - sondern die mangelnde Auseinandersetzung mit dem Gegenstand seiner Kritik. Er argumentiert nicht inhaltlich, sondern vermittelt den Eindruck, dass er Degrowth-Forschung überhaupt nicht kennt.
Natürlich ist die Umsetzbarkeit von Degrowth-Vorschlägen eine Herausforderung - die Klimakrise ist per se eine - wir haben es hier mit „imagined futures“ zu tun (einem Begriff den Beckert prägt). Das Problem ist: „Green Growth“ Positionen sind die „default position“, sie müssen sich nicht rechtfertigen, obwohl keine empirische Evidenz einen Trend zeigt, dass eine solche Strategie funktionieren wird.

Das stimmt - aber U. Herrmann hat ja gerade mit ihrem neuen Buch die These vorgelegt, dass ein Übergang in eine Postwachstumsökonomie mit Orientierung an der britischen Kriegswirtschaft im 20. Jh klappen könnte (hier die Kernthesen: https://taz.de/Kapitalismus-und-Klimaschutz/!5879301/).
Einen Überblick über Policy Forschläge aus dem Degrowth-Diskurs gibt es bei Fitzpatrick et al:(2022): Exploring degrowth policy proposals: A systematic mapping with thematic synthesis. Journal of Cleaner Production. DOI:10.1016/j.jclepro.2022.132764).

Übrigens hatte ich schonmal hier eine Diskussion zu Degrowth/Postwachstum angestoßen und viele Literatur-Empfehlungen gegeben :slight_smile:

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