Hallo! Ich hab mich extra angemeldet, weil ich so verwundert über Eurren Beitrag zur Aktienrente war. Da habt Ihr das neoliberale Framing der FDP etwas kritiklos übernommen!
Zum Ersten ist ja Mackenroth schon angesprochen worden. Während wir individuell gesehen Geld sparen, in Aktien investieren und in Zukunft verkonsumieren können, geht das gesamtgesellschaftlich nicht. Ein Staat ist eben kein Haushalt. Die RenterInnen können an jedem Zeitpunkt nur das konsumieren, was der produzierende Teil der Bevölkerung produziert. Jedes Rentensystem ist de Facto ein Umlagensystem, und anders kann es auch nicht sein. Die Frage ist, was dadurch gewonnen wird, wenn in dieses Umlagensystem noch Kapitalmärkte eingebaut werden.
Das erste was passieren würde, wenn der Staat Schulden aufnimmt um Aktien zu kaufen, wäre, dass die Aktienkurse steigen. Das ist schön ist für alle, die jetzt bereits Aktien haben. Dasselbe gilt für Immobilien; wenn der Staat in Immobilienfonds investiert, steigen die Preise für Immobilien und damit die Mieten, was nur schön ist für die, die Immobilien haben. Im ersten Schritt findet also eine Umverteilung zu Vermögenden statt. Dazu kommt, dass der Staat Zinsen für die zusätzlichen Schulden zahlen wird; was ja auch nochmal Geld von der Allgemeinheit an die Vermögenden gibt.
Davon abgesehen aber, und das ist das eigentlich gruselige, wird durch diese Politik die Rente mit dem Wohlergehen des Kapitalmarktes verknüpft. Oma Erna ist dann plötzlich Kapitalistin, und ihr Einkommen von Wirtschaftswachstum und den Dividenden der Großkonzerne abhängig. Das ist dann eine wunderbare Argumentationshilfe für jede neoliberale Politik: Sie kann nämlich immer die Rente von Oma Erna als soziale Begründung vorschieben. Sie kann dann zB behaupten, öffentliches Eigentum an Aktienunternehmen verscherbeln zu müssen, damit die Rente stabil bleibt. Ich würde da eine große Privatisierungswelle befürchten; alles im Namen der armen Oma Erna, die aber tatsächlich nicht reicher dadurch wird, dass das öffentliche Vermögen ausverkauft wird und sie es sich zurückmieten muss.
Letztlich ist „Generationenkapital“ einfach ein manipulativer Begriff. „Privatisierung der Rente“ würde es besser treffen; denn darum geht es: Es der Privatwirtschaft zu überlassen, wie viel Oma Erna am Ende bekommt.
Wenn wir also schon Neuverschuldung für Investitionen machen, dann doch lieber in die Dinge investieren, in die ein Staat sinnigerweise investieren sollte: Schulen, Unis, Kitas, öffentlicher Wohnungsbau, Klimaschutz. Bringt keine direkte Rendite, senkt aber Lebenshaltungskosten und steigert öffentlichen Reichtum, und hilft damit den schlechter verdienenden. Und ansonsten beim ehrlichen Umlageverfahren bleiben.
Also bitte bitte, liebe Lage, holt Euch jemand mit etwas Hintergrundwissen ins Boot und thematisiert diese Politik nochmal. Die Podcaster von „Wohlstand für alle“, zB, die das Thema ziemlich rund diskutiert haben.