LdN303: Blackout - warum eigentlich?

Beim Hören der LdN303 ist mir aufgefallen, dass ich eins nicht verstanden habe: Was hat eigentlich die aktuelle Situation damit zu tun, ob es zu einem Blackout kommen kann. Das „einzige“ Problem, was wir doch haben, ist, dass Gas knapp ist, und damit das Gas sowie Öl sehr teuer geworden sind. Trotzdem sollten doch weiterhin alle Kraftwerke zur Verfügung stehen (solange es noch Gas gibt), wenn denn viel Strom nachgefragt würde. Das kann dann von Anderen (z.B. Chemieindustrie nicht verbraucht werden), und es wird elend teuer - aber zu einem Stromausfall kann es eigentlich dadurch nicht kommen. Vielleicht kann mir da jemand mit etwas Verständnis helfen? Vielleicht könnt ihr das in einer der nächsten Lagen mal aufdröseln?

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yep da hast du vollkommen recht!

es werden gerade Dinge vollkommen sinnnfrei wieder und wieder diskutiert und von dem was wir tun müssen

Energiewende und zwar "jeder muss da ran " hört man nix statt Lösungen werde virtuelle evtl zukünftige Probleme gewälzt!

Hier das erklärt die Lage:

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Dass immer genug Erdgas für die Stromversorgung da sein wird, ist eben in diesem Winter nicht gesichert. Selbst wenn die Speicher zum Beginn der Heizsaison nahe 100% reicht, wird dies bei einem sehr kalten Winter nicht ausreichen, wenn gleichzeitig die Lieferungen aus Russland (bisher Europas mit Abstand größter Lieferfant) komplett ausbleiben.

Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass z. B. Skandinavien die Stromexporte nach Mitteleuropa reduziert. Dort war man bisher deutlich niedrigere Strompreise als bei uns gewöhnt. Aufgrund der grenzüberschreitenden Leitungen schwappt nun aber unser extrem hohes Preisniveau nach Skandinavien (genauer: den südlichen Teil) über, was dort für großen Unmut sorgt. Entsprechende Diskussionen laufen bereits.

Kurzum: dieser Winter ist der schlechtmöglichste Zeitpunkt, um Kraftwerkskapazität - egal welcher Art - außer Betrieb zu nehmen.

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Da müssten wir zunächst prüfen, was ein Blackout überhaupt ist. Wenn wir gezielt eine Städte, Unternehmen,… für mehrere Stunden vom Strom abschneiden, ist das streng genommen kein Blackout. Aber ob wir uns das leisten wollen/können?
Leider ist das nicht ganz sauber beschrieben/bezeichnet, wenn das aber ein Politiker in Deutschland versucht, wird er mMn immer scheitern. Und das in wahrscheinlich jedem Bereich. Ich finde es schade, aber so ist wohl die Welt.

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Der Blackout hat nur peripher mit der Frage zu tun, ob genug Gas für die Gaskraftwerke da ist.

Viel relevanter sind folgende Fragen bzw. Gefahrenvektoren:

  • Haben die Leute, die jetzt tonnenweise Heizlüfter gekauft haben, die Dinger nur zur Deko oder als Beruhigungskonsum gekauft, oder schalten sie die wirklich gleichzeitig alle an (weil sie glauben, das sei billiger als Heizen mit Gas, oder weil es irgendwo tatsächlich zu einem zeitweiligen Gasausfall in Wohngebieten kommt und Gasheizungen dabei in den nur noch manuell durch Techniker rücksetzbaren Druckabfall-Sperrmodus gehen)?
  • Bekommen die Franzosen ihre AKWs in den Griff, oder lastet der enorme Bedarf der überwiegend elektrisch beheizten französischen Häuser im Winter plötzlich auf unseren Kraftwerken?

Das sind Einflüsse, die dafür sorgen können, dass Situationen zeitweiliger und kaum vorhersehbarer Überlastung entstehen, die selbst mit allen Gaskraftwerken und genug Gas kaum mehr abzufangen sind. Womöglich treten Überlastungen auch nur lokal in einzelnen Netzsegmenten auf, da hilft es dann nicht, dass anderswo noch Gaskraftwerke kurzfristig einspringen könnten, wenn die Verbindungsleitungen dazwischen ausgelastet sind.

Diese Situationen halte ich für viel wahrscheinlichere Gründe für einen Blackout im Winter als einen Mangel an Gas für Gaskraftwerke.

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Ein Blackout ist aus meiner Sicht weitgehend ausgeschlossen.

  1. noch nie war das Strom Netz so stabil wie heute. Haben wir hier im Forum auch schon diskutiert.
  2. habe keine aktuellen Daten, aber bisher hatten wir in DE eine Leistungsreserve von ca 50%, ohne Renewables. Die paar popeligen Atomprozent sind komplett irrelevant.
  3. wenn denn Gaskraftwerke gebraucht werden, und zu wenig Gas da wäre, dann werden die Gas Großverbraucher der Industrie abgeschaltet. Das ist extrem unschön aber möglich.

Mag sein, dass es in Frankreich kritisch wird und deren Probleme sind dann auch für uns relevant.
Also wenn Blackout, dann nur wegen Atomkraft.
Und vielleicht noch, wenn die Fans einer 4wöchigen Dunkelflaute recht behalten.

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Auch wenn der Fall zugegebener Maßen selten ist, möchte ich den Einwand hier gerne anbringen, weil mich diese Pauschalisierung ärgert.
Heizen mit Heizlüftern kann bei den aktuellen Preisen sehr wohl günstiger sein, als mit Gas. Ich selbst habe z. B. eine Gaspreisbindung, die Ende Januar ausläuft. Anschließend müsste ich auf heutigem Preisniveau ca. 40 Cent pro kWh Gas zahlen. Gleichzeitig habe ich aber noch eine bis Ende Mai gültige Strompreisbindung mit ca 25 Cent pro kWh. Selbst wenn ich mit Heizlüftern etwas weniger effizient heize, würde sich da bei dem Preisunterschied vermutlich deutlich bemerkbar machen. Zudem ist es ja nicht unwahrscheinlich, dass die Preise bis dahin sogar noch weiter steigen und die Rechnung sich sogar noch mehr lohnen würde.

Sorry für das Off-Topic, aber ich musste das mal loswerden.

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Interessanter Einwand, danke dafür. Ich bin jetzt davon ausgegangen, dass es eigentlich für niemanden lohnenswert sein sollte, mit Strom zu heizen statt mit Gas, schlicht weil durch Umwandlungsverluste die Naturgesetze hart festschreiben, dass der Wirkungsgrad des Heizens mit verstromtem Gas immer schlechter sein muss als direkt mit Gas und sich die ökonomischen Faktoren nicht dauerhaft dieser Gesetzmäßigkeit widersetzen können. Aber es ist was dran, dass es zumindest für einen kurzen Zeitraum durch unterschiedlich auslaufende Preisgarantien für einzelne Konsumenten lohnenswert sein könnte, mit Strom zu heizen.

Rein aus Interesse: sind die 40 Cent pro kWh Gas der Grundversorgerpreis, oder nur der Nachfolgepreis beim Laufzeitvertrag des jetzigen Anbieters? Frage weil ja aktuell auch die kuriose Situation besteht, dass die Grundversorgung sowohl bei Strom als auch bei Gas nicht selten erheblich günstiger ist als manche Laufzeitverträge, deren Preise gerade erhöht worden sind, und in so einem Fall wäre die Nutzung des Grundversorgungspreises dann möglicherweise wieder günstiger als die Strom-Variante.

So einfach ist es leider nicht. Wir betrachten jede Stunde des Jahres und da zeigt sich dass es unter bestimmten Annahmen (über die man natürlich diskutieren kann) wir eine Unterdeckung haben werden in Europa und auch in Deutschland, zumindest in bestimmten Szenarien. Für die Diskussion hier verweise ich auf https://www.netztransparenz.de/portals/1/20220905_Sonderanalysen%20Winter%2020222023%20–%20Ergebnisse%20und%20Empfehlungen.pdf

Generell wird jedes Jahr ein Leistungsbilanzbericht erstellt sowie der Bedarf an Reserveleistung ermittelt. Kann man sich im Detail anschauen unter https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Downloads/DE/Sachgebiete/Energie/Unternehmen_Institutionen/Versorgungssicherheit/Netzreserve/Feststellung_Reservekraftwerksbedarf_2022.pdf?__blob=publicationFile&v=3 sowie unter Netztransparenz > Weitere Veröffentlichungen > Leistungsbilanzbericht

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Prima, danke für die links. Mit der Leistungsreserve lag ich ein Stück daneben. Ansonsten sehe ich das voll bestätigt. Kernkraftwerke sind quasi nur eine Fußnote wert. Wenn man bedenkt, dass die Turbokapitalisten von FDP (und Union) nach wie vor regulatorisch Lastregelungen der Industrie blockieren bzw. Grüne und SPD nicht die Kurve kriegen gibt es noch jede Menge Potenzial. Und die Industrie stellt sich seit Monaten auf eine Abschaltung beim Gas ein.
Hier die wesentlichen Aussagen der Netzbetreiber:
Nutzung aller Möglichkeiten zur Erhöhung der Strom-Erzeugungs- und Transportkapazitäten wird dringend empfohlen! Im Einzelnen:

  1. Transportkapazitäten erhöhen: Zusätzliche Potenziale des witterungsabhängigen Freileitungsbetriebes müssen kurzfristig erschlossen werden, um damit die Nord-Süd-Transportkapazität zu erhöhen.
  2. Redispatch-Potential im Ausland in den Fokus nehmen: Hierfür sind klare und verbindliche Absprachen mit den Nachbarländern erforderlich.
  3. Vertragliches Lastmanagement: Kurzfristige Potenziale müssen gehoben werden.
  4. Reserven für Stresssituationen breiter nutzbar machen: Sämtliche Reserven (auch Netzreserve und besondere netztechnische Betriebsmittel) müssen für die bilanzielle Lastdeckung und den Redispatch nutzbar gemacht werden.
  5. Nutzung weiterer Kraftwerkskapazitäten in Stresssituationen absichern:
    a. MarktrückkehrderKohlekraftwerkeausderReserveerleichtern(Genehmigungen,Kostenanerkennungen/Kostenübernahmen).
    b. Alle in einer Stresssituation notwendigen Gaskraftwerke müssen gesichert mit Gas versorgt werden.
    c. Verfügbarkeit der KKW ist ein weiterer Baustein zur Beherrschung kritischer Situationen (siehe Analyseergebnisse).
    Für alle Empfehlungen sind kurzfristig gesetzgeberische Tätigkeiten oder hoheitliches Handeln erforderlich.
    Sollten all diese Maßnahmen nicht ausreichen, müssten als Ultima ratio Exporte beschränkt oder Großverbraucher kontrolliert und temporär abgeschaltet werden, um die Netzsicherheit aufrecht zu erhalten.
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