Ich muss Myste hier zustimmen.
Ich war auch lange Zeit gegen Gentechnik, weil das in meinem links-grünen Umfeld halt die einzige vertretene und vertretbare Meinung war. Desto mehr Diskussionen ich aber mit eher ingenieurs- und naturwissenschaftlich geprägten Menschen geführt habe, desto mehr ist mir klar geworden, dass in meiner Blase halt eine gesellschaftlich sehr stark vertretene, aber wissenschaftlich klare Minderheitsmeinung vertreten wird, die oft wirklich blanke Panikmache ist.
Die massive Angst vor genveränderten Pflanzen ist einfach rational-wissenschaftlich kaum begründbar. Soziale Probleme (z.B. Patente, die Bauern in Abhängigkeiten zwingen), rechtliche Probleme (z.B. die Frage, was bei einer ungewollten Kontamination des Nachbarfeldes zu tun ist) und ökologische Probleme (z.B. wie sich die gentechnisch veränderten Pflanzen auf die Umwelt, vor allem die Tierwelt, auswirken) sind natürlich zu diskutieren - und natürlich müssen hier alle sinnvollen Schutzvorkehrungen getroffen werden. Aber die Untergangs-Szenarien die hier teilweise vertreten sind, sind halt fernab jeder realistischen Einschätzung.
Innerhalb des linken und grünen Spektrums in Deutschland herrscht bei diesem Thema leider der Erzfeind: Konservativismus. Überall will man progressiv sein, aber die Landwirtschaft soll bitte noch so betrieben werden, wie früher… und das nervt mich schon ein bisschen (vermutlich auch, weil ich einfach ein eklatanter Gegner des „sinnlosen Konservativismus“ bin, der sich einfach gegen Veränderung ausspricht, weil er nur die Risiken, nicht aber die Chancen von Veränderung sieht…)
Es ist schon absurd, dass die hochgezüchteten Pflanzen, die heute als „Bio“ verkauft werden, zu großen Teilen durch sogenannte Mutationszüchtung erzeugt wurden, denn diese ist per Definition „Bio“. Daher: Wenn wir durch Röntgenstrahlung oder andere radioaktive Strahlung per Zufallsprinzip tausende Pflanzen bestrahlen und dann die, die das am besten überleben, weiterzüchten, ist das okay - es ist ja letztlich nur beschleunigte Evolution, da die Radioaktivität nur den Zweck hat, mehr Mutationen zu erzeugen. Aber wenn wir die gleiche Änderung gezielt mit einem gentechnischen Verfahren erzeugen, ist das böse Gentechnik.
Das ist einfach nicht nachvollziehbar. Das ist im Prinzip die gleiche Diskussion, die wir beim „lieber Anstecken statt Impfen“ bei Corona haben, wo Leute tatsächlich meinen, sich anzustecken sei „gesünder“ als die „chemische“ Impfung, obwohl das „Anstecken“ letztlich nur ein „Impfen Plus“ ist, daher: Alles, was in der Impfung ist, ist auch in der Ansteckung - nur halt noch viel mehr riskantes Zeug. So verhält es sich auch bei Mutationszucht vs. CRISPR.
Die Meinung, CRISPR sei negativ, ist einfach irrational-wissenschaftsfeindlich und steht eigentlich auf einer Stufe mit der Meinung, Impfen sei negativ. In beiden Fällen beherrschen abstrakte Ängste vor dem „Künstlichen“ das Denken - und in beiden Fällen sind diese Ängste rational nicht gerechtfertigt. Dann wird auf bestimmte Gefahren / Nebenwirkungen von CRISPR oder Impfstoffen verwiesen, aber gleichzeitig ignoriert, dass die „natürliche Alternative“ mindestens genau so große, wenn nicht größere Gefahren hat. Aber diese Gefahren sind halt „natürlich“ und deshalb okay - und werden ja auch nicht so genau, oder besser: gar nicht, erforscht („Was ich nicht sehe, schadet mir sicherlich auch nicht…“).