LDN273: Falschaussage von Habeck: Einsparung durch EEG Umlage

Hallo zusammen,

Ich möchte auf eine Falschaussage von Robert Habeck hinweisen:
Es wurde in der LdN273 zitiert, Robert Habeck hat gesagt: „ Ab 2023 soll die EEG-Umlage, die Kunden bisher über die Stromrechnung zahlen, über den Bundeshaushalt finanziert werden. Pro Jahr entlaste das laut Habeck einen Durchschnittshaushalt um 300 Euro.“ Robert Habeck drückt bei Energiewende aufs Tempo - doch die Zeit läuft davon | STERN.de

Jedoch ist diese Aussage falsch! Die Summe der Einsparung ist in Wirklichkeit nur etwa ein Drittel bis ein Halb so groß. Dies möchte ich im Folgenden begründen:

Das bedeutet wenn man von einem durchschnittlichen jährlicher Stromverbrauch eines 4-Personen-Haushalts in Deutschland von 5000 kWh ausgeht, dann beträgt die tatsächliche Einsparung durch Abschaffung der EEG-Umlage 186,15€ (5000 kWh * 0,03723 €/kWh) statt wie von Habeck angegeben 300€. Die 186,15€ (5000 kWh) an potentieller Einsparung stellen schon einen hohen Wert an Einsparung dar, da wie dargelegt, der Durchschnittsverbrauch bei 3000-5000 kWh liegt.

Ich bitte um Richtigstellung in einer der kommenden Folgen der LdN.

Vielen Dank und viele Grüße aus Dresden

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Hallo @eprichter,

danke für die ausführliche Antwort mit den sauber verlinkten Quellen. :slight_smile:

Leider stimmt deine Grundannahme nicht. Durchschnittlich leben keine 4 Personen mehr in einem Haushalt sondern zwei. Ich fürchte das hast du aus deiner ersten Quelle falsch herausgelesen. Und Haushalte mit weniger Personen dürften ziemlich sicher einen höheren Pro-Kopf-Stromverbrauch haben, da Synergien wie beim Kochen etwa wegfallen.
Ob die Zahlen von Habeck deswegen aber richtig sind, vermag ich spontan nicht zu sagen.

edit: Sorry @eprichter, da hab ich Quatsch geschrieben. Im Originalzitat spricht Habeck tatsächlich von 4 Personen-Haushalten. Insofern hast du recht.

Laut Zitat spricht Habeck aber von einer Entlastung von 300€ pro Haushalt, die Personenanzahl spielt also eigentlich keine Rolle.
Wenn wir davon ausgehen, dass ein 2-Personen Haushalt (durchschnittliche Größe) trotzdem etwas weniger als ein 4-Personen Haushalt verbraucht (wenn auch sicher nicht die Hälfte), sind die Einsparungen nochmal geringer als von @eprichter berechnet (wenn die Rechnung stimmt). Oder übersehe ich was?

Bitte beachten: Auf die EEG-Umlage kommt nochmal die Umsatzsteuer drauf, also plus 19%.

Aber die Aussage ist auch, wenn sie rechnerisch stimmt, etwas irreführend. Die EEG-Umlage ist ja nicht fixiert wie eine Steuer, sondern ergibt sich aus der Differenz der Summe der jährlichen (garantierten) Vergütungsansprüche der Betreiber von gemäßg EEG geförderter Stromerzeugungsanlagen und den Einnahmen durch die Vermarktung des Stroms im gleichen Jahr.

Also: liegt der Marktpreis für Strom niedrig, führt dies zu einem Anstieg der EEG-Umlage und vice versa.

Als 2020 und 2021 die Strompreise abstürzten aufgrund der Pandemie, wurde der Einnahmetopf aus dem Bundeshaushalt aufgefüllt, damit die Umlage nicht steigen musste. Nun schaut es so aus, dass bei einem Anhalten der aktuell wahnsinnig hohen Strompreise die EE-Anlagen in ihrer Gesamtheit fast kostendeckend laufen. Auch ohne die nun angekündigte Abschaffung der Umlage würde diese also deutlich sinken.

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Habeck beruft sich dabei auf eine Aussage von Thorsten Storck von Verivox Anfang 2021 [1]. Der sagt:

Durch den Wegfall der Umlage würde der durchschnittliche Strompreis für die privaten Verbraucher in Deutschland schlagartig um gut ein Viertel sinken und eine Durchschnittsfamilie mit einem Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden um 309 Euro brutto entlastet.

2021 lag die EEG Umlage bei 6,5ct/kWh. Mit 19% Mehrwertsteuer kommen wir auf 4000 * 0,065 * 1,19 = 309€. Gilt natürlich für die EEG Umlage von 2022 nicht mehr.

[1]

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Egal woher Herr Habeck die Aussage nimmt, sollte er es doch selber validieren oder validieren lassen, ob die Zahlen stimmen.

Die EEG Umlage ist abhängig vom Strompreis an der Börse. Ohne Bundeszuschuss läge die EEG Umlage 2022 bei 4,657 ct/kWh. EEG-Umlage 2022 beträgt 3,723 Cent pro Kilowattstunde / Bundeszuschuss senkt Umlage um 0,934 Cent pro Kilowattstunde - Presseinformation | TransnetBW GmbH

D.h. 0,004657 €/kWh*4000 kWh/a * 1,19 (Mwst.)= 221,67€. Das ist immernoch 30% weniger als behauptete 300€.

Die Original-Aussage von Habeck auf der PK kann man übrigens hier sehen [1]. Da spricht er tatsächlich von einem „durchschnittlichen Haushalt“, was ja – wie bereits angemerkt – nochmal weniger wäre, als die von Storck angenommenen 4 Personen. Das wäre auch nochmal so eine Verzerrung der Fakten um grob Faktor 2. :slightly_smiling_face:

[1] Robert Habeck stellt Klima-Sofortprogramm vor - YouTube

Im Grunde sind 180 Euro ja auch nicht zu verachten, auch wenn 300 schöner wären.

Außerdem ist so eine Entlastung angesichts der aktuell gestiegenen Strompreise für die Konjunktur auch nicht schlecht, die Privathaushalte haben mehr Geld in der Tasche, oder verlieren zumindest weniger durch den Strompreisanstieg und die Betriebe werden ja auch entlastet.

Ich kann leider Nichts finden, wie stark die Staatskasse durch den Wegfall der Umlage belastet würde. Hat da jemand Zahlen?

Wenn’s denn mal 180€ wären. In der Nutzung veralteter Zahlen von 2021 gegenüber 2022 steckt ja schon mal knapp Faktor 2. Und in der Annahme eines 4-Personen statt dem tatsächlichen 2-Personen Haushalts steckt auch nochmal knapp Faktor 2.
Der eigentliche Taschenspielertrick liegt für mich aber in der hier bereits mehrfach erwähnten Tatsache, dass die Preise erneuerbarer Energien ja tendenziell sinken, während z.B. die von Gas aktuell steigen. Die EEG-Umlage würde also wahrscheinlich in Zukunft ohnehin sinken.
Wenn dann jemand verkündet, dass er eine ohnehin sinkende Abgabe abschafft und das mit (positiv ausgedrückt) unrepräsentativen und veralteten Zahlen schmackhaft macht, verstehe ich, dass sich der ein oder andere etwas verarscht vorkommt und sich einen etwas kritischeren journalistischen Umgang damit gewünscht hätte. Die Maßnahme ist schon gut und entlastet tatsächlich, aber nicht so stark, wie Habeck – so sympathisch mir seine Ambitionen in der Klimapolitik sind – uns glauben machen will.
Wenn die Kritik von @eprichter in diese Richtung ging, kann ich das also durchaus nachvollziehen.

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Ja stimmt schon, wirklich clever war es wohl nicht, so alte Zahlen zu nehmen.

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Dass der Habeck nicht immer ganz zahlensicher ist, wurde ja im Wahlkampf schon breit getreten.

Mannomann, da seid Ihr ja einem echt großen Ding auf der Spur. Habeck wird wohl nicht um einen Untersuchungsausschuss herum kommen, der zur Aberkennung seiner Mathe-Abiprüfung führen wird.

Im Ernst, die EEG-Umlage lag die letzen 7 Jahre über 6 Cent. Für viele Familien waren das ca. 300€ Bei 5000kWh Verbrauch. Ich bin wohlwollend und glaube, dass Habeck das meinte.

Wer noch Kurz vor Abschaffung Lust hat, kann ja mit diesem EEG Rechner spielen:

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Das sehen sicher viele so und genau darauf setzen natürlich Politiker, wenn sie ihre Zahlen absichtlich oder unabsichtlich so aussehen lassen, dass sie einen Ticken besser in ihr Argumentationsschema passen.

Beispiele in jüngster Vergangenheit:

Söders Ausweisung vom „unbekannten Impfstatus“ als „Ungeimpft“ [1]. Ist natürlich wahrscheinlich, dass jemand nicht geimpft ist, wenn er keine Auskunft gibt, aber das nicht so auszuweisen ist schon wenig seriös. Insbesondere, wenn man damit Corona Maßnahmen begründet.

Lauhmann, der angibt 90% der Menschen in Altenheimen geimpft zu haben, in Wirklichkeit aber nur in 90% der Altenheime Impfteams geschickt hat [2].

Weder bei diesen, noch in Habecks Fall kann man nachweisen, dass das eine bewusste Verdrehung der Zahlen ist. Vielleicht ist es an der ein oder anderen Stelle sogar ein Versehen. Aber bei einer Pressekonferenz gehe ich davon aus, dass Zahlen kommuniziert werden, die intern abgesprochen wurden. Und interessanter Weise passieren solche „Zahlendreher“ selten zum Nachteil des Kommunizierenden.

Das ist nichts ungewöhnliches oder skandalträchtiges. Es passiert in Wissenschaft und Industrie genauso. Wichtig ist aus meiner Sicht aber, dass man das hartnäckig anprangert. Im Falle Habeck verlangt niemand nach persönlichen Konsequenzen, sondern nur, dass er sauber kommuniziert.

Am Ende sind für mich die politischen Beobachter, die gut informiert in mühsamer Kleinstarbeit eine fragwürdige Aussage nach der anderen aufdecken (und damit ein Bild der Belastbarkeit von Aussagen bestimmter Akteure ermöglichen) mindestens genauso wichtig, wie diejenigen, die dem nächsten großen Skandal hinterher jagen.

Die Diskussion über die 300€ kann man als Lappalie ansehen. Ich persönlich finde zum einen die Frage der Entlastung kleiner Einkommen bei steigenden Belastungen durch die Energiewende nicht unwichtig (siehe Gelbwesten). 300€ pro Haushalt im Jahr ist da nicht wenig. Zum anderen sind 300€ pro Durchschnittshaushalt rund 12 Mrd. € im Staatshaushalt. Zum Vergleich liegt das Klima-Sofortprogramm bei 8 Mrd.

[1] Inzidenz der Ungeimpften: Söder nutzte falsche Zahlen - Region | Nordbayern
[2] Booster-Impfung in Pflegeheimen: Landesregierung vermittelte falsche Sicherheit - Landespolitik - Nachrichten - WDR

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