LDN214: Digitalisierung an den Schulen

Hallo zusammen, im Corona-Segment in der Lage 214 wurden ja zurecht die Probleme bei der Digitalisierung der Schulen benannt. Diese wurden allerdings etwas zu oberflächlich behandelt. Ich bin selber Lehrer und beschäftige mich seit Jahren mit dem Thema Digitalisierung und Schulentwicklung und schreibe auch in meinem Blog darüber. Daher ist es mir ein Anliegen hier etwas genauer darauf einzugehen. Da das Thema sehr komplex ist, setze ich auch ein paar Links auf meinen Blog, in dem ich mich mit dem Thema schon viel ausführlicher beschäftigt habe - ich hoffe das ist okay.

Ganz wichtig ist erstmal festzuhalten, dass die Zuständigkeiten klar sind. Für die Ausstattung der Schulen sind die Schulträger verantwortlich. Das sind die Städte und Gemeinden. Auf diesen Ebenen muss also die IT-Infrastruktur geplant werden. Die Landesregierungen können zwar zentrale Plattformen stellen oder die Lehrer fortbilden. Die im Podcast genannten Bezirksregierungen sind zwar für die Schulaufsicht verantwortlich, die Technik vor Ort müssen aber die Kommunen bereit stellen und den Support garantieren. So ist zumindest in NRW die gesetzlich klar festgelegte Aufgabenteilung.

Ein zentrales Problem im Hinblick auf die Digitalisierung ist dabei, dass die meisten Städten und Gemeinden heillos mit dieser Aufgabe überfordert sind - vor allem weil es an Personal fehlt. Das war schon vor Corona so, wie ich in meinem Blog beschrieben habe. Deswegen werden zum Beispiel die Mittel aus dem Digitalpakt gar nicht abgerufen, weil es in den Rathäusern zu wenig Leute mit Sachverstand gibt. Es ist daher auch zu befürchten, dass viele der jetzt extra ausgeschütteten Milliarden nicht nachhaltig investiert, sondern eher aktionistisch verpulvert werden. Nicht zuletzt für die Bürgermeister in dieser Republik habe ich in meinem Blog mal aufgeschrieben, was Schulträger tun sollten, um die Schulen zu unterstützen.

In einem Nebensatz hieß es zudem auch, dass die Schulen nun auch mal Konzepte liefern müssten. Mir wäre es als Lehrer wichtig darauf hinzuweisen, dass wir Schulen sehnlichst darauf warten endlich bessere Konzepte entwickeln zu können. Fakt ist aber, dass wir nicht gelassen werden. Ein Beispiel ist ja das, was in Solingen passiert ist, wo die Schulen in ein Schichtsystem gehen wollten, aber nicht durften. Ich habe in meinem Blog schon darüber geschrieben, dass Schulen endlich mehr Freiheiten brauchen, wenn wir gut und am Wohl der Schüler*innen orientiert arbeiten sollen. Stattdessen werden wir durchgehend durch Rahmenbedingungen gegängelt und eingeschränkt. So ist es zum Beispiel gerade für uns jetzt eigentlich unmöglich, Konzepte für eine teilweise Beschulung zu entwickeln, weil die Länder bislang gar keine gesetzlichen Rahmenbedingungen vorgelegt haben. Wenn wir also jetzt ein Konzept entwickeln, müssen wir immer befürchten, dass wir das dann gar nicht umsetzen können, weil die Landesregierung andere Vorgaben macht. Das wäre einfach zu lösen, wenn die Kultusminister einfach gesagt hätten, unter welchen Bedingungen wir Teilbeschulungen durchführen dürfen. Derzeit müssen wir quasi parallel an 3-4 Konzepten arbeiten, damit wir dann vielleicht eines davon umsetzen dürfen.

In einem Nebensatz wurde Moodle als „alte Software“ bezeichnet. Dem würde ich widersprechen: Moodle ist eine Open-Source-Software mit einer sehr großen Entwicklergemeinde und gerade durch Corona hat sich nochmal viel Dynamik entwickelt. Im Paket mit anderen Open-Source-Software-Paketen wie Nextcloud sehe ich wirklich eine gute Alternative - gerade wenn man wie im Podcast angesprochen nicht den Konzernen das Feld überlassen will. Mehr dazu gibt es bei mir auch im Blog.

Und vielleicht als letzten wichtigen Punkt: Was sich auch in dieser Krise zeigt, ist, dass die Bildungspolitik keinerlei Zukunftvision von Bildung hat. Alles was ihnen im Umgang mit der Krise einfällt ist, Schule wie immer zu machen, mit einem Lehrer am Pult vor einer Tafel - nur mit offenen Fenstern und Masken. Dabei gibt es zahllose Lehrerinnen (z.B. bei Twitter unter dem Hashtag #twitterlehrerzimmer), die viele Ideen haben, wie ein schülergerechteres Schulsystem aussieht, in dem Schülerinnen flexibel und selbstbestimmt lernen. Und ich habe in meinem Blog auch versucht zu beschreiben, welche positiven Lektionen man aus dem Lockdown ziehen könnte. Was wir hier aber erleben, ist auch eine Krise der Bildungspolitik, der jegliche Innovationskraft fehlt.
Tatsächlich glaube ich, dass es sich lohnen würde dieses Thema mal etwas ausführlicher und nicht nur nebenbei in der Lage zu erörtern. Vor allem auch, weil hier gerade die Weichen für die Zukunft gestellt werden!
Viele Grüße
Dominik

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Doofe Frage: Wie können wir das verbessern? Neue Kultusminister hilft wahrscheinlich nicht viel. Da muss vermutlich das ganze System geändert werden. Würde es helfen, die Schulbildung komplett an den Bund zu geben?

Ich kann das nur bestätigen. Ich bin ebenfalls Lehrerin an einer Berufsschule. Von Seiten der Schule wurde wirklich viel vorbereitet: Alle Schülerinnen sind versorgt mit Tablets, Lernplattformen eingerichtet und eingeübt. Zum Teil machen wir auch schon Hybridunterricht, wenn Schülerinnen, Kolleginnen oder ganze Klasse nicht da sind. Ja und jetzt sitzen wir in der Schule und warten auf den Startschuss für den digitalen Fernlernunterricht, von dem das letzte halbe Jahr so oft gesprochen wurde. Denn leider können wir nur so handeln, wie es unser Dienstherr vorschreibt. Warum von Seiten der Regierung jetzt so gezögert wird, das wüsste ich gerne. Fehlt jetzt der Mut? Ist man doch nicht überzeugt vom digitalen Lernen? Das hat man doch von „der Schule“ gefordert. Fehlt Vertrauen in die Fähigkeiten der Lehrerinnen, obwohl wir uns fortgebildet oder in den Ferien Konzepte geschrieben haben? Ist es die Annahme, mit digitalem Lernen und Unterrichten mache es sind Lehrer und Schüler zu einfach („die sind ja eh den halben Tag daheim“)? Oder will man die Eltern nicht verärgern? Schülerinnen ab Klasse 7 oder 8 können schon mal alleine daheim bleiben, die muss man nicht die ganze Zeit beaufsichtigen. In vielen Ländern der EU werden die älteren Jahrgänge und Berufsschulen via Fernlernunterricht beschult. *
Ich hoffe sehr, dass sich bald etwas tut, denn den Verwaltungsaufwand, den die Schulen im Moment stemmen müssen, verängstigte Schülerinnen, fehlende Planungssicherheit und auch acht Stunden Unterricht/ Sprechen unter einer Maske sind langfristig schwer zu ertragen. Nicht zu vergessen - die Infektionsgefahr bzw. die Infektionsverbreitung! Schüler
innen ab Klasse 9 sind keine Kinder mehr.*
Danke für euren tollen Podcast! :grinning:

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Vielen Dank für die ausführliche Erklärung & Aufdröselung des Themas!

Ich wünsche mir auch schon lange, dass die Lage mal mit Lehrkräften spricht, weil das sonst eher selten medial passiert (in letzter Zeit gab es einige gute Ausnahmen, z.B. im heute Journal). Ich glaube, das würde der Lage auch helfen, beim wichtigen Thema Bildung noch nachhaltiger zu argumentieren, ich erlebe da hin und wieder Vorstellungen von Schule, die weder Theorie noch der Praxis von vielen Schulen entsprechen (ist länger her, aber z.B. Übertragung des Unterrichts für einen Teil per Video, das ist mit guten Lernmethoden teilweise wirklich nicht vereinbar). Vor allem beim Dauerbrenner Digitalisierung habe ich auf der organisatorischen Ebene auch noch Lernbedarf, von daher schließe ich mich dir da an :slight_smile:

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Ich bin Schuladmin in Baden-Württemberg, kriege 9 Deputatsstunden um unsere berufliche Schule komplett digital zu managen und bin, Netzadmin, Moodleadmin, Office365admin, Ipadadmin und natürlich für alle Bestellungen, Mediententwicklungspläne, EdvDienstleister,die Kommunikation mit dem ITamt der Stadt fürs Wlan, dem Amt für Gebäudewirtschaft wegen Internet und Netzen, dem Schul- und Sportamt wegen Server- PC und Ipadbestellung, sowie dem Stadtmedienzentrum für das MDM unserer Ipads zuständig…
Ach ja 16 h Unterricht hab ich auch noch
Ja es wäre schön, wenn wir einen echten Vollzeitprofiadmin hätten, denn so kann ich gerade mal froh sein dass es läuft.
Übrigens Moodle ist super und kann in Version 3.7 schon fast alles was man für echten, kooperativen, selbstgesteuerten Digitalunterricht braucht. Zusammen mit den wirklich immer funktionsfähigen Ipads und Apple Pencil und Apple TV und flächedeckendem WLAN kann man tatsächlich gut und pandemietauglich arbeiten. Seit das Land noch Bigbluebutton in Moodle integriert hat, geht es noch besser - nur ist letzteres idiotischerweise nicht voll Kpadkomkatibel, so dass man seinen Bildschirm im Gegensatz zu den kommerziellen Meetingsystemen wie Teams oder Zoom nicht direkt teilen kann, sondern noch einen PC oder Mac dafür braucht plus Airserver.
Deshalb bin ich gottfroh, das wir von unserer Stadt noch Office365 dazu haben, denn Teams fu funktioniert einfach besser und die Officeapps word, ppt, XL sind nun mal der Standard in allen Firmen aus denen unsere Berufsschüler kommen und ermöglichen über OneDrive den nahtlosen Austausch von kompatiblen Dateien über alle Smartphones, Mobile Devices, PCs,Macs undeben auch IPadOs und lassen damit diese Ipads wirklich zu vollwertigen und extrem stabklen Arbeitsgeräten werden.
Natürlich kann das irgendwie auch mit Openoffice und Nextcloud hinbasteln. Aber bei 9h pro Woche habe ich lieber ein Profisystem, dessen Integration erprobt ist, absolut verlässliche Funktionalität hat,aufallen Plattformen läuft und über Verschlüsselungssoftware wie zb. Boxcryptor auch so sicher betrieben werden kann, dass auch die Volksbanken damit arbeiten.
Mit Moodle für alles pädagogische undO365 für alles Gewerbliche und die interne LehrerLehrer-Organisation kann man das eigentlich sehr gut organisieren zumal es aus Skandinavien auch sehr pragmatische Apps gibt, die die Nutzergruppe und Rechtesysteme zwischen den beiden Systemen speziell für Schulen synchronisieren.
Damit kriegen wir es jetzt hin, dass wenn einzelne Lehrer oder Schüler in Quarantäne sind, diese per Teams oder BBB ins Klassenzimmer und auf Beamer und Saallautsprecher gespiegelt werden. Die Aufgaben gibts dann in Moodle, due Schüler öffnen sie auf ihren Ipads übertragen sie in Goodnotes und füllen sie dort handschriftlich aus. Dann exportieren sie diese als PDFs in Moodle, wo siedie lehrer dann zentral inklusive Zeit, Frist und Feedbackünterstützung korrigiert und bewertet.
Eigene Erklärvideos werden in Moodle nur für die Klasse streambar,so dass auch die Hemmschwelle zur Produktion für Schüler wie Lehrer sinkt und Persönlichkeitsrechte besser gewahrt bleiben.
Unterlagen, Lehrwerke,Tabellenbücher usw. Der Verlage lassen sich mittlerweile auch direkt in Moodle einklinken, so dass die Schüler darauf durch ihre KlaSsenmitgliedschaft Zugriff haben und ihre Personendaten vor den Verlagen geschützt sind.
Das Problem ist aber, dass es Pädagogen braucht, die diese mannigfaltigen Möglichkeiten in ihrer Praxis testen und die besten Lösungen dann ihren Kollegen auch zugänglich machen können, was eben neben der technischen Vollverfügbarkeit auch ganz viel Fortbildungszeit erfordert,weil diese Art von Unterricht für viele Kollegen eine fast völlige Umstellung ihrer langbewährten Methoden bedeutet.
Diese Freiräume muss man uns dann aber auch lassen und uns nicht mit völlig überzogenen Datenschutzanforderungen gleich von vornherein wieder ausbremsen. Zurecht verlangen Eltern und Betriebe, dass wir fu ktionieren. Aber wenn alle teilsweise sich voll wiedersprechenden Anforderungen des Datenschutz, Infektionsschutz, der Lehrplanerfüllung,der digitalen und sozialethischen Basisfähigkeitenvermittlung fröhlich nach unten durchgereicht werden, dann darf man sich nicht wundern, wenn funktionierende kommerzielle Produkte das Rennen machen.
Ps . Die HassoPlattnerPlattform is zwar chic,kann aber didaktisch dem weltweit von der Opensourcegemeinde weiterentwickeltem und voll DSGVO kompatiblen Moodle 3.9 nicht im Ansatz das Wasser reichen.

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Hallo,

Jeder mittelständige Betrieb mit 50 Mitarbeitern hat eine IT-Abteilung oder zumindest einen IT-Dienstleister der für die IT verantwortlich ist. Aber bei Schulen mit hunderten Nutzern, heißt es dann „nicht an jeder einzelnen Schule wirklich Linux-Admins z.B. anstellen kann“.
Dabei hat man in einem Betrieb erwachsene Angestellte, die sich typischerweise an die Betriebsvereinbarungen halten und mit Gerät und Diensten sorgfältig umgehen und keine Kinder.
Und, Nein, ein Lehrer kann nicht eine IT mit hunderten Nutzern nebenbei betreuen – auch wenn viele Lehrer das vielleicht glauben.

Es gibt drei Möglichkeiten:

① Die Schule hat eine vernünftige IT-Abteilung, die personell und finanziell aufgestellt ist wie die eins mittelständisches Unternehmens.

② Das Bundesland hat eine zentrale Einrichtung die in der Lage ist IT-Dienstleistungen für hunderttausende/millionen Nutzer und Geräte bereitzustellen und an jeder Schule gibt es einen Techniker der den Vor-Ort-Service macht.

③ Man sourced es an eine Firma aus, die sowas kann. Google z.B.

Ich empfehle vielleicht auch mal den Artikel von Isotopp zu lesen:

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Das traurige ist: Mit 9 Deputatsstunden bist Du im Vergleich glaube ich noch sehr gut bedient. An vielen Schulen gibt es deutlich weniger oder gar keine Entlastung für diese Aufgabe. Das Land NRW hat beispielsweise bei der Einführung von Moodle den Schulen keinerlei personelle Ressourcen in Form von Entlastungsstunden gestellt - obwohl die Administration von Moodle sehr aufwändig ist.
Die resultierende Entlastung ist umso ärgerlicher, weil gerade die im Umgang mit der IT fitten Lehrer ja eigentlich ihre Zeit in die Entwicklung guter pädagogischer Digital-Konzepte investieren sollten. Statt dessen sind sie mit der Wartung der IT-Infrastruktur vollkommen überlastet.

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Ich glaube nicht, dass die Aufhebung des Föderalismus helfen würde, wenn ich mir durchlese was der Bundesbildungsministerin dazu einfällt.
Wichtiger wäre, dass Bildungspolitiker und auch die Gesellschaft insgesamt mehr auf die Expertise von Bildungsexperten vertrauen. Während auf anderen Gebieten zumindest ein Bemühen da ist, sich von Experten beraten zu lassen, wird bei der Bildungspolitik quasi keinerlei Bezug zu den Erkenntnissen und teilweise empirisch gut belegten Erkenntnissen der Bildungsforscher aus den vergangenen Jahrzehnten genommen. Ein gutes Beispiel ist das gegliederte Schulsystem: Das deutsch System vergrößert nachweislich die sozi-ökonomischen Unterschiede - und trotzdem wird daran festgehalten.

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Ich habe endlich einen guten, kurzen Beitrag zur Videoübertragung gefunden. War in der Lage vor Ewigkeiten, also definitiv keine Kritik gerade. Aber es passt mMn zum digitalen Thema. Im Beitrag sind gute Vorschläge:

Ich weiß, meine Kollegen von den allgemeinbildenden Schulen bekommen die Hälfte. Der Schlüssel ist völlig veraltet, weil auf Anzahl von BlechPcs gerechnet, ipads zählen nicht virtuelle Maschinen auch nicht und welche Software läuft ist völlig irrelevant.
Es ist eine völlige Mangelwirtschaft. Als Admin beutest du dich durchgehend aus und aus der Wirtschaft wirst du nur belächelt, denn die haben für die gleiche Verantwortung ne ganze Vollzeitabteilung.
Und ja du hast Recht, eigentlich sollte ich meine Expertise dafür verwenden, meinen Kollegen echte neue Pädagogik zu zeigen. Und immerhin durch den Lockdown haben auch Kollegen, die mir noch im Januar feixend ins Gesicht sagten, wie idiotisch, sie das Onlinegedödel und die blöden Ipads finden, jetzt auf einmal sauer sind, weil bei ihnen im Raum noch kein Appletv installiert wurde und auf Sonderschulungen bestehen, weil sie doch jetzt online unterrichten wollen.
Immerhin seit den Ferien gibts jetzt jeden Mittwoch 2h obligatorische Moodle Schulung für alle Kollegen präsenz und Online simultan.
Alle müssen jetzt wieder in die Schülerrolle schlüpfen lernen nun wie Augaben, Test, Forenkommunikation, Lernvideos, Wikis, Simultan funktionieren und man die Lehrerrolle nochmal neu lernen muss. Wie man aber auch selber als Lehrer-Schüler die neuen Prozesse erst mal lernen muss und diese Zeit auch den eigenen Schülern zugestehen muss, die zwar immer ganz schnell wischen aber damit meist völlig unsystematisch in Fallen laufen und die man auch digital auf den effizienten Weg führen muss.
Ich kann froh sein, erstmal die althergebrachten Arbeitsblätter in den digitalen Raum zu substituieren und zeitgesteutes Aufgabenmanagement und den Ipadbildschirm in der Notizapp als Tafelersatz per Onlinemeeting zu teilen und simultan auf den Beamer zu werfen und so die Onlineschüler in Quarantäne und die Präsenzschüler im Klassenzimmer simultan zu unterrichten. Oder auch Lehrer in Quarantäne live ins Klassenzimmer zu spiegeln.
Aber immerhin- das kriegen wir hin und zu sehen, dass die Kollegen nun einsehen, dass die Pflege dieser Services, Hardware und Lernmanagementsystem nun zur Kernaufgabe geworden ist und ihnen nun auch wieder neue Möglichkeiten gibt, das ist schon mal was.
Es geht voran - das ist gut.

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Wie habt ihr das datenschutzrechtlich geregelt mit dem Zuschalten? Und wie alt sind deine Schüler*innen?
Ich glaube, bestimmte Dinge kann man mitnehmen, aber wenn ich daran denke, wie gute Methoden in der Grundschuld & Unterstufe aussehen, ist es schwierig, das digital auch noch zu übertragen. Da ist Frontalunterricht zum Glück Seltenheit.

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Ich habe bezüglich Office365 noch die Frage an dich, wie bekommt ihr das DSGVO Konform hin, wenn alle Datenschutzbehörden (außer Badem Würtemberg nach Intervention eurer Bildungsministerin) von einer Nutzung abraten?
Was würde passieren, wenn ein Nutzer bzw. die Eltern von euch die DSGVO Konformität vor der Nutzung einfordert?

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Hallo zusammen,

ich bin auch Lehrkraft, vielleicht qualifiziert das zu einer Äußerung zu dem Thema, vielleicht ist aber auch „ein Blick von außen“ angebrachter. - Wie auch immer:

Ich finde, die hier (und in der LdN sowie zumeist auch in der Gesellschaft insgesamt) stattfindende Diskussion um die „Lage der Digitalisierung an den Schulen“ greift zu kurz. Technische Gerätschaften, Moodle und Highspeed-Netzwerke (sowie die Personen, die deren technisches Funktionen sicherstellen), werden in er Diskussion mitunter behandelt wie der heilige Gral. Als Läge die Lösung aller (gesellschaftlicher/pädagogischer/bildungspolitischer/…) Herausforderungen, aller (Richtungs-)Fragen, aller Probleme in technischem Schul-Equipment!

Natürlich ist die technische Infrastruktur eine wichtige Voraussetzung für vieles. Ungleich wichtiger ist aber doch die Frage nach langfristigen, pädagogisch begründeten Konzepten, die diese Elektronik in am Bildungsauftrag orientierte Schulen integriert. Ein technisches Artefakt bewirkt nichts, höchstens - wenn’s gut läuft - wir Menschen mit ihm, als Werkzeug.

Ich würde mich freuen, wenn in der Debatte um „die Digitalisierung“ und die in ihrem Schatten „so dringlich nötigen Veränderungen in den Schulen“ wissenschaftliche Forschung mehr rezipiert würde. Nach meinem Kenntnisstand wird z.B. in der medienpädagogischen Forschung schon längst auch kritisch und differenziert über viele Aspekte nachgedacht. iPads sind eben kein heiliger Gral.

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Sehr geehrter Herr Banse, sehr geehrter Herr Buermeyer, liebe Lage-Talkende,

auch wir wollen uns der Kritik hier anschließen. Konkret geht es um das hier:

In der LdN 214 sprachen Sie „die Schulen“ kritisch an.

Ca. 30:33

Philipp Banse: „Da vermisse ich jetzt einfach von den Schulen und vom gesamten Bildungswesen: OK wenn die Gesellschaft schon sowas wie Opfer bringt damit wir hier weitermachen können, dann sind wir in der Verantwortung da bessere Konzepte zu machen.“

Als Lehrkräfte fühlen wir uns angesprochen. Wie weit sind wir? Was machen wir? Warum haben viele Schulen die Milliarden vom DigitalPakt Schule noch nicht benutzt? Wer ergreift die Initiative für alle, also für „die Schulen“?

Hören Sie mal rein, in den Entwicklungsprozess der Schulen. Die „Lage der Schulen“ stellt sich für uns anders dar als in der LdN 214. Wir sprechen regelmäßig über unsere persönliche „Lage“ zu diesem Thema, in unserem eigenen Podcast „Schule Macht Medien“. Wir sind beide Lehrkräfte an einer Gesamtschule im sozialen Brennpunkt am Rande von Hannover mit über 1.500 Schülerinnen und Schülern. Wir arbeiten am Thema „Digitalisierung“ mit, versuchen iPad-Klassen einzuführen, sind in der Lehrkräfte-Fortbildung tätig, haben einen berufl. IT-Hintergrund und haben vor allem selbst Kinder, … und wir machen, wie gesagt, einen Podcast zu diesem Thema.

Initiative für „die Schulen“ ergreift zum Beispiel der heise-Verlag in Hannover, den kennen Sie beide ja sehr gut. Und zwar zusammen mit dem Landesprojekt n-report.de zum journalistischen Arbeiten in der Schule, welches mein Kollege Jako Erchinger für Lehrkräfte in Niedersachsen organisiert. Im Januar 2020 haben Jako und ich die Lage live in Hannover gesehen … Lange ist’s her … Vielleicht ergreifen Sie auch die Initiative für „die Schulen“ und sind beim nächsten n-report mit dabei?

Der Begriff „die Schulen“ erscheint uns unpräzise gewählt. Es entsteht der Eindruck, dass „die Schulen“, also jede einzelne, sich doch bitte mal an die Arbeit machen und Konzepte für die Digitalisierung und die Corona-Krise erarbeiten soll… und das sie das mit Absicht nicht tun.

Ein paar vermutlich bekannte Hintergründe dazu. Es sind zunächst einmal deutlich zu wenige Lehrkräfte verfügbar. Diese Personal-Krise verschärft Corona, Stichwort Risikogruppe, noch mehr.

Hauptaufgabe von Lehrkräften ist der Unterricht. Damit haben wir genug zu tun, so wie die meisten anderen Berufe auch. In Zeiten von Hybrid-Unterricht ist Zeit für Innovation zu finden noch schwieriger. Und wenn Sie Innovation und Ideen sehen wollen, gehen Sie ins Twitter-Lehrerzimmer.

Die Schulleitungen waren auch schon vor Corona massiv überfordert und überlastet. Wie soll eine kommissarisch eingesetzte Grundschulleiterin, das ist sehr häufig der Fall, mal eben ein Medienkonzept entwickeln oder die Corona-Krise in ihrer Schule organisieren, wenn der Landes- und Bundespolitik außer 20-5-20 Minuten Fenster öffnen und Lüften nichts, überhaupt gar nichts einfällt?

Selbst wenn „die Schulen“ tolle Konzepte erfinden würden, wäre dies ein äußerst ineffektiver Prozess, da jede Schule das Rad neu erfinden würde. Um nichts anderes geht es hier. Die Digitalisierung bzw. „das mobile Lernen unterstützt durch digitale Endgeräte und Softwarelösungen“ wird auch als digitale Revolution bezeichnet. Solange es friedlich bleibt passt auch digitale Transformation.

In der Verantwortung stehen hier aus unserer Sicht nicht die Lehrkräfte oder die Schulleitungen, sondern die Schulträger und Landesregierungen. Sie können über die Mittel entscheiden, die es den Lehrkräften und Schulleitungen erst ermöglichen würden, ein Konzept für alle „die Schulen“ oder ein angepasstes, individuelles Konzept, zu entwickeln.

Abschließend ein großer Dank für die Lage der Nation. Sie erfüllen damit seit Jahren ein großes Bedürfnis an unabhängiger journalistischer Berichterstattung inklusive einem Standpunkt/Kommentar. Weiter so und viel Erfolg!

In diesem Sinne: wir hören uns!

Jako Erchinger und Ben Quinkenstein

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Liebes Lage-Team,

ich arbeite als Schulsozialarbeiterin an einem Berliner Gymnasium und emfpinde die Debatte über die (Digitalisierungs-)Probleme der Schulen insbesondere während der Corona-Pandemie zuweilen zu eindimensional. Ich stimme vielen meiner Vorrednerinnen zu, dass es hierbei wichtig wäre, die Lehrerinnen einzubeziehen. Darüber hinaus wäre es jedoch auch wichtig, die Schülerinnen und deren vielfältige, unterschiedliche Lebenssituationen mitzudenken und miteinzubeziehen. Obwohl ich an einem „gutbürgerlichen“ Gymnasium tätig bin, beobachte ich seit dem Frühjahr, dass die Fälle von schuldistantem Verhalten und psychischer Belastungen bei Schülerinnen massiv zunehmen.

Insbesondere während der Schulschließung haben wir viele Schülerinnen „verloren“, da sie aufgrund problematischer privater Situationen nicht die Ressourcen (materiell, psychisch, sozial) hatten, selbstständig digital zu arbeiten. Digitales Lernen erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin und die Fähigkeit zur Selbststrukturierung. Dies bringen nicht alle Schülerinnen mit.

Viele Schülerinnen kommen in die Schulen, weil sie ihre Freunde treffen wollen und nicht, weil sie intrinsisch motiviert sind, zu Lernen. Fällt die soziale Komponente der Schule weg, wie es bei digitalem Fernunterricht der Fall ist, so geht für einige Schülerinnen der einzige Motivationsfaktor für schulisches Lernen verloren. Als Sozialarbeiterin muss ich zudem den Aspekt des Kinderschutzes betonen. Für viele Kinder bietet die (analoge) Schule einen Schutzraum gegenüber dem privaten Umfeld. In Berlin wurden nach dem Lockdown in Frühjahr eine erhebliche Zunahme an häuslicher Gewalt festgestellt (https://www.rbb24.de/panorama/thema/2020/coronavirus/beitraege_neu/2020/07/haeusliche-gewalt-lockdown-berlin-gewaltschutzambulanz.html). Auch das Problem der Bildungsungleichheit verstärkt sich bei ausbleibendem Präsenzunterricht, da bildungsfernere Familien ihre Kinder im Heimunterricht weniger unterstützen und auch nur unzureichend mit der notwendigen digitalen Hardware ausstatten können.

Ich sehe in jedem Fall das Problem zunehmender Infektionstätigkeit durch den klassischen Schulbetrieb. Doch es muss auch in den Blick genommen werden, dass digitaler Unterricht im besten Falle reine Informationsvermittlung darstellt. In der Institution Schule erfolgt viel mehr als reine Wissensvermittlung: Schülerinnen lernen in sozialen Kontexten, sie lernen voneinader und miteinander. Sie brauchen laut ihrer Entwicklungsphasen den Kontakt zu anderen und manchmal ist die Schule der einzige Zufluchtsort vor den problematischen häuslichen Verhältnissen. Bei allen Hoffnungen, die digitaler Unterricht mit sich bringt, sollten die sozialen Aspekte, die Unterricht im Klassenverband mit sich bringt, nicht außer Acht gelassen werden. Ich würde mir eine Debatte dazu wünschen, die all diese Aspekte beleuchtet und somit das Für und Wider von Präsenz- und Fernunterricht herausstellt.
Ein letzter Punkt: Das „Streamen“ des Unterrichts wird bei uns nur sehr verhalten genutzt, da die datenschutzrechtliche Grundlage völlig unklar ist. Viele Lehrer
innen und Schüler*innen haben Sorge, dass „peinliche“ oder aus dem Kontext gerissene Momente des Unterrichts im Stream mitgeschnitten und später aus schlechter Absicht im Netz verbreitet werden könnten. Es gibt hierbei große Sorge, dass dies Mobbing und/oder Bloßstellung im Netz ein neues digitales Instrument in die Hand geben könnte.

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Hallo zusammen!
Wir haben einen eigenen professionellen Admin an der Schule - In Hamburg gibt’s die sg. selbstverwaltete Schule. Das bedeutet, Gelder werden hier in eigener Verantwortung zB eben für so einen Admin ausgegeben. Dafür können wir etwas anderes dann weglassen. Die Lösung ist super. Alle, sowohl Lehrende als auch Lernende kennen den Admin. Er ist sehr oft in der Schule direkt ansprechbar UND fast jederzeit, auf jeden Fall zeitnah zu erreichen. Zusammen mit ihm werden wir ein Learn Management einrichten. Wahrscheinlich Moodel - sehr gut verknüpfter mit unserem bestehenden Intranet. Bei allem: DIDAKTISCHE KONZEPTE sind aber mindestens genauso wichtig. Dafür benötigen die KuK ZEIT!!! So wie Youtube der Paradigmenwechsel für Musiklehrende wird ein gutes LMS es für alle sein. Daher hier nicht schnell schnell agieren!

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Ich denke übrigens sehr wohl, dass jede Schule einen vollzeitlichen IT-Admin haben sollte.
Vergleicht man es mit mal mit der freien Wirtschaft kommt man da bei weiterführenden Schulen locker auf 30 Mitarbeiter (Lehrer), in dieser Unternehmensgröße ist es normal, einen Vollzeit-ITler einzustellen.
Realistisch gesehen, müsste man aber auch die Schüler noch mit dazu rechnen, wenn diese auch angebunden werden.

Achja… Ich arbeite selber im Microsoft-Umfeld… Und hey, im Gegensatz zu dem Infrastruktur-Kram den man so von offizieller Seite als Schule zur Verfügung gestellt bekommt, funktioniert ersteres wenigstens.

lg, Dave

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Die Frage kann man relativ einfach beantworten. Datenschutzkonform kriegt man das nicht hin. Für so gut wie alle relevanten Dienste gilt, dass sie derzeit nur mit Einverständnis der Eltern/Schüler*innen genutzt werden können, da sie personenbezogenen Daten erheben. Wenn dann einzelne Eltern die Zustimmung verweigern, ist die Schule in der Bringschuld alternative Lernwege zu ermöglichen.
Auch das ist wiederum politisches Versagen: So kriegen es die Landesregierungen seit Jahren nicht hin

  • eine eindeutige Aussage zur Nutzung von Diensten wie MS365 zu machen - hier schieben sich Politiker und Datenschutzbehörden den schwarzen Peter hin und her und lassen die Schulen im Regen stehen

  • die gesetzlichen Voraussetzungen zu schaffen, dass Schulen gesetzlich mehr Daten verarbeiten dürfen ohne zu fragen - in NRW ist das durch die VO DV geregelt, die noch aus der Steinzeit stammt

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Meiner Meinung nach geht es auch ohne Einverständnis.
Schulen brauchen die Plattform (welche auch immer) um ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Wir sind verpflichtet den Umgang mit Medien, verhalten im Internet, Nutzung von Messengern etcpp. zu unterrichten, dazu brauchen wir digitales Lernmanagment.
Wenn sich die Schulkonferenz entscheidet eine bestimmte Plattform zu nutzen und diese Plattform den rechtlichen Vorgaben für die Datenverarbeitung entspricht, braucht man keine Einwilligung für alle SchülerInnen einzeln.

Danke für die Antwort.
Nach dem was die Datenschutzverantwortlichen über MS365 und MSTeams raus finden und Einschätzen, kann man den Dienst wohl nicht Rechtskonform nutzen.
Ich habe unserer Schule schon gesagt, das ich einer Nutzung dieser Dienste für mich und meine Kinder nicht zustimmen werde.
Ich habe ihnen schon geraten, sich lieber gleich eine Datenschutzkonforme Alternative zu suchen als sich eine Klage an die Backe zu holen