Diesem Beitrag stimme ich in voll und ganz zu. Der Kernsatz ist für mich: „…Wir diskutieren gesellschaftlich über das Klima und übersehen dabei, dass die ganzen klimaneutralen Technologien schlicht und einfach besser sind…“ Wie FlorianR weiter im Text beschreibt wäre das ein wesentlich besserer Diskussionsansatz für den weiteren, unbedingt notwendigen, Ausstieg aus der fossilen Wirtschaft. Noch ein kleines, aus meiner Sicht aber sehr wichtiges, Schankerl, das ist endlich mal ein wirklich griffiges Thema um die AFD zu entzaubern. Denn die wollen ja die gesamte Energiewende wieder zurückdrehen und das würde uns wirtschaftlich den „Todesstoß“ bringen.
Letztens saß der AfD-Baumann bei Lanz und propagierte wieder, wenn die AfD bald zwangsläufig an der Macht sei, würde man wieder schnell Atomkraftwerke in Betrieb nehmen und bauen.
Als Lanz fragte, ob er wüsste wie lange das dauert und was es kostet bis so ein Atomkraftwerk betriebsbereit sei, winkte Baumann nur ab, er sei kein Energiepolitiker, eben so schnell und billig wie möglich.
Wieder bezeichnend.
Redest du hier von Verbrennern oder Autos generell?
E-Autos haben auch Steuer, Versicherungs-, Strom-, Werkstattkosten.
Lärm und Abgase sind ja das Problem der anderen draußen und nicht der Person, die drinnen sitzt.
Ein Parameter ist die schlichte Verfügbarkeit. In meinem Umfeld wird grade ein Dienstwagen neu beschafft und es wird wahrscheinlich ein Verbrenner, obwohl E präferiert wäre, weil bei den in Frage kommenden Händlern bis zum Ende des Jahres kein E verfügbar ist.
Ich selbst besitze kein Auto und bin froh drum, benutze aber trotzdem manchmal welche, wenn die Alternativen nicht vorhanden sind. Wenn E verfügbar ist nehme ich das, sonst Verbrenner. Hauptaspekt dabei ist der absolut unzuverlässige ÖPNV. Das ist dann mein „lokales Optimum“.
Ich war aber ehrlich gesagt in den letzten Jahren mehrmals versucht, mir ein Auto zu beschaffen, wenn ich mal wieder mit 3 Stunden Verspätung in einem überfüllten ICE zwischen lauten und stinkenden Menschen im Ruheabteil saß. Die Vorteile des PKW hier runterzuhandeln ist aus meiner Sicht realitätsfern. Edit: Dazu kommen noch andere potentielle Faktoren wie Flexibilität, Bequemlichkeit, Besitztum, Respekt von Peers…
Der größte Hebel hier: endlich den verdammten Schienen-Verkehr wieder tragbar machen. Zuverlässigkeit, Sauberkeit und Benutzerfreundlichkeit der Buchungssysteme sind absolut machbar und würden meine Vorbehalte weitesgehend verpuffen lassen.
Hast Du eine Allergie oder Atemwegserkrankung, falls ja, dann sind Verbrennerautos Dein Problem. Ich möchte gerne in einer Stadt/Land leben in dem in den Städten gute Luft ist und kein Verkehrslärm. Und auf Motorradfahrerlärm beim Wandern kann ich auch gerne verzichten.
Das ist verständlich, nachvollziehbar und richtig. Trotzdem nehme ich diese Anmerkung mal für einen allgemeineren Kommentar dazu. Wenn wir uns etwas neues anschaffen wollen, dann schwärmen wir von dem neuen Modell oder dem Modell was erst in Zukunft auf den Markt kommt, weil das diesen und jenen Vorteil hat. Wenn es ums Auto geht, argumentieren wir immer mit dem Status quo (die Öffis funktionieren nicht, man ist auf Auto angewiesen, usw.). Dadurch wird der aktuelle Zustand verbal als unveränderlich dargestellt und im Denken verankert. Das führt dann dazu, dass wir in Deutschland darüber diskutieren, dass man ja keine Wärmepumpe in Bestandshäuser einbauen kann während in anderen Ländern wie z. B. Dänemark schon längst umgesetzt wird.
Daher ist mein lokales Optimum ein funktionierender, guter ÖPNV und gute Radinfrastruktur. Das spart unglaublich viel Geld bei mir, beim Staat und den Komunen. Dazu kommen wir alle schneller ans Ziel, es sind endlich alle Menschen mobil und nicht nur 60%, gibt wesentlich weniger Verkehrstote und Verletzte, wir werden alle gesünder, haben einen besseren Gemeinschaft, weniger Stress und Verantwortung (was mir so spontan einfällt).
Er meinte: ein Problem sind sie nur, wenn Du es nicht nutzt. So lange Du Dich in der Stadt mit deinem Auto fortbewegst, wird die Luft ja gefiltert in Dein Auto geleitet. Die Klimaanlage sorgt für angenehme Temperaturen.
Autofahrer sind eher egoistisch veranlagt, da würde ich nicht auf Verständnis hoffen.
Und wenn der Autofahrer das Fahrrad nimmt, sind es ja nicht seine eigenen Abgase, die er einatmet, der Verzicht auf ein Auto hätte in dem Fall keinen persönlichen positiven Effekt.
Du argumentierst ausgehend vom Status quo und nicht in Bezug wo wollen wir hin. Dazu sagst Du, dass es für jeden einzelnen besser ist, wenn er sich ein Auto kaufen muss, die ganzen laufenden Kosten bezahlt und in einer lauten, verpesteten Welt lebt. Klingt für mich nicht überzeugend.
Führt etwas vom Thema ab, aber diesen Impuls kann ich so gut verstehen, dass ich es kurz loswerden musste. Ich bin schon ein ziemlicher Öko, habe keinen Führerschein, und bin seit über 10 Jahren nicht geflogen - aber auch mich überkommt in verspäteten, dreckigen, übelriechenden, überfüllten, lauten Zügen, in denen die Hälfte der Klos defekt ist, im Sommer die Lüftung und im Winter die Heizung ausfällt, regelmäßig ein verführerisches Stimmchen, dass mir ins Ohr flüstert, wie viel einfacher es wäre, einfach den Führerschein nachzumachen und Kurzstrecke zu fliegen. Nein, werde ich nicht machen, aber mein Gott, was löst das DB-Logo mittlerweile Aggressionen bei mir aus.
Ich kann das Festhalten am Verbrenner nicht nachvollziehen, habe wenig Sympathie dafür, Bequemlichkeit vor Nachhaltigkeit zu stellen und gehe bei deinem entworfenen Ideal komplett mit. Aber ich kann extrem gut verstehen, dass unsere Deutsche Bahn und ihr desolater Zustand eine wirklich miserable Werbung für eine Verkehrswende ist.
Ich sage nur, dass wenn Du dem Bürger die Entscheidung lässt, er sich für das Auto entscheiden wird.
Und ehrlich gesagt, kann ich das in manchen Städten gut nachvollziehen, da sie einfach fußgänger- und radfahrerunfreundlich gestaltet sind.
Wer möchte in München auf einem schmalen Bürgersteig neben einer stark befahrenen vierspurigen Straße entlang laufen oder gar den Popup-Radweg nutzen?
Ich stimme Dir zu, alleine die gewonnene Lebensqualität nach dem verbannen aller Autos aus den Innenstädten rechtfertigt den Schritt (ganz ohne Klima). Aber das kann nicht von den Verbrauchern ausgehen, dafür müssen die Städte die Voraussetzungen schaffen. Und zwar erst mal gegen den Willen des Verbrauchers. Der wird nämlich am bekannten festhalten, solange er nicht 100% sicher ist, dass das neue ihn nicht benachteiligt.
Ich glaube, dass wir am Ende gar nicht so weit auseinander liegen. Um auch wieder etwas zum Thread zurückzukommen stelle ich mal folgende These auf: Jedes System hat eine gewisse Trägheit. Diese ist teilweise ins uns selbst als Menschen, aber aber auch eben in unseren vielfältigen Abhängigkeiten und Beziehungen gelegen. LdN 496: Es geht nicht ums Klima - #4 von thunfischtoast
Diese Trägheit zu überwinden benötigt eine gewisse „Power“, eine Energie die uns dazu veranlagt, das gewohnte und bequeme zu verlassen, damit man dann eben auch nicht mehr mit dem Status Quo argumentiert: LdN 496: Es geht nicht ums Klima - #24 von FlorianR
Je größer die Änderung, desto mehr Energie ist nötig. Eine große Staatsreform #13 von TilRq braucht wahrscheinlich schon sowas wie eine Revolution, oder zumindest eine kritische Menge von Aktiven und Unterstützern.
Aber auch für die kleineren Dinge haben wir systembedingt vielleicht ein Henne-Ei-Problem: Die Bahn, von der wahrscheinlich kaum jemand außer ein paar Anwohnern an wiederzubelebenden Strecken bezweifelt, dass sie eine saubere, leisere, angenehmere Alternative zum Auto sein kann, braucht Ressourcen, um erfolgreich zu sein. Aber wie schaffen wir es ihr die Ressourcen zu verschaffen, wenn sie grade eben nicht mit Erfolgsgeschichten glänzt - #27 von Tinifee? Wenn selbst die sehr niedrig gepokerten Pünktlichkeitsziele noch unterboten werden? Damit ich meinen gemütlichen Status Quo verlasse brauche ich die Überzeugung, dass sich wirklich etwas zum Besseren wenden kann, und nicht einfach nur immer - neue - Durchhalteparolen.
Insofern würde ich dem Titel des Thread zustimmen: Es geht nicht (nur) ums Klima, sondern wie wir erfolgreich Transformationsprozesse durchleben können, gegen die sich ein träges System wehrt, ohne unsere grundlegenden Überzeugungen wie Demokratie und Rechtstaatlichkeit zu verlieren. Gleichzeitig würde ich immer noch dem Eingangsstatement widersprechen, es ginge nur um Geld und ein schönes Leben, denn ich halte uns selbst für komplexer.
Ja, wir sind nicht soweit auseinander. Das Auto ist aber nur gewohnt, nicht bequem. Frag einfach mal einen Autofahrer wie gerne er einen Parkplatz sucht, wie gerne er zur Tankstelle oder in die Werkstatt fährt, ob er gerne Oma/Opa oder Kinder durch die Gegend fährt oder im Stau steht,… Wir haben uns so sehr an die Nachteile des Autos gewohnt, dass wir die nicht mehr erkennen.