LdN 488: Ursprung des ökologischen Fußabdrucks

In der Podcast-Folge 488 im Kapitel 6 kommt unter anderem das Thema ökologischer/CO2-Fußabrdruck auf. Ulf Buermeyer wirft hierbei ein, dass dies von BP, anstatt von Forschern aus dem Bereich des Klimaschutz stammt, wie man meinen könnte. Das ist nicht korrekt. Das Konzept wurde bereits in den Neunzigern von den Wissenschaftlern William Rees und Mathis Wackernagel entwickelt. Rees ist Ökologe und Wackernagel ebenfalls in dem Bereich aktiv. Wackernagel hat später auch das Global Footprint Network mitgegründet, welches unter anderem den Earth Overshoot Day bestimmt.

Was dagegen korrekt ist, ist dass Fossilriesen das Konzept später für sich in der PR gebräuchlich gemacht haben. Das ist aber erst um 2004 passiert. Und es ändert auch nichts daran, dass der ökologische Fußabdruck eben doch aus der Wissenschaft stammt und somit auch seine Berechtigung hat. Es war nicht nur ein PR-Schachzug.

Es ist in dem Bezug auch offensichtlich, dass systemische Veränderungen zu der Anpassung von individuellem Verhalten führen. Wenn Gesetzesänderungen das Fahren von Verbrennern teurer oder ganz unmöglich machen, dann werden Menschen weniger Verbrenner fahren können. Wenn durch CO2-Steuern oder andere Gesetze das Fliegen eingeschränkt wird, dann werden Menschen weniger fliegen können. Das ist natürlich eigentlich eine gute Änderung. Aber man sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass man sich als Individuum aus der Verantwortung herauswurschteln kann. Natürlich könnte man argumentieren dass ein Elektroauto einen Verbrenner quasi 1 zu 1 ersetzen kann und klimaneutral ist. Das ist aber immer noch eine Änderung des Verhaltens eines Individuums. Und es gibt auch viele Bereiche in denen es keine Analoge gibt, z.B. Fleisch. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die Fußabdruck-BP-Verbindung genutzt wird, um nicht über das eigene Verhalten nachdenken zu müssen.

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Was allerdings das Ziel der beiden war, war den durchschnittlichen Verbrauch pro Person offenzulegen, um zu zeigen, dass wir mehr verbrauchen als der Planet liefert. Es ging also auch da schon um politische Maßnahmen und nicht individuelle Einsparungen.

Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass von interessierten Kreisen über den Footprint Druck auf den einzelnen ausgeübt wird, um ihm zu zeigen, dass Klimaschutz soviele Einschränkungen bringen würde, dass er das besser gar nicht erst versucht.
In Deutschland ist es zum Beispiel unter normalen Umständen gar nicht möglich, den Footprint auf 1 zu drücken. Damit wird auch klar, dass es ohne Politik, die die Rahmenbedingungen schafft, nicht geht.

Nachtrag:
aus einer Buchkritik:

Manches in ihrer Argumentation mutet allerdings naiv an: Um etwa Heiz- und Transportenergie zu sparen – und somit den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern -, schlagen die Autoren vor, Städte kompakter zu bauen.
https://wissenschaft.de/artikel/unser-oekologischer-fussabdruck-von-mathis-wackernagel-william-rees

Heute ist das tatsächlich Thema. So kann’s gehen.

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Exakt. Es braucht halt beides - systemische Veränderungen und verstärktes Bewusstsein für den eigenen CO2 Abdruck und damit verbundene grundlegende individuelle Verhaltensänderungen. Und da der Mensch kein Homo Ökonimikus ist, wird das nicht allein über Preissignale funktionieren. Was solche Verhaltensänderungen unter der Vorraussetzung einer vollständig dekarbonisierten Gesellschaft für einen Hebel haben zeigt ja die - hier vermutlich den meisten inzwischen bekannte - Fraunhofer ISE Studie. Halte es daher auch für fatal die Forderung nach einem geringen individuellen Emissions Fußabdruck als manipulative Maßnahme der fossilen Lobby zu framen - selbst wenn es mal so einen Ansatz gab.

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Vielen Dank,

ich kann der Kritik am Konzept ökologischer Fußabdruck, wenn sie wieder so pauschal geäußert wird wie in dieser Sendung, auch eher wenig abgewinnen. Das Konzept wird nämlich nicht dadurch falsch, dass es von den „falschen“ Akteuren vertreten wird.

Ja, es stimmt, dass der Klimawandel am Ende politisch bekämpft werden muss , nicht rein individuell.

Es stimmt aber AUCH, dass dazu sehr, sehr viele Individuen bereit sein müssen, ihr Verhalten zu ändern. Sonst hat demokratische Politik keine Handhabe.

Nicht „die Gesellschaft“ oder „die Wirtschaft“ konsumiert das Schnitzel, sondern ich. Nicht „das System“ fliegt nach Malle, sondern konkrete einzelne Menschen.

Die Rückverschiebung der individuellen Verantwortung aufs System findet ihr perfektes Abbild in jenen Aktivisten, die sich seinerzeit auf die Startbahn des (Berliner?) Flughafens klebten und kurz darauf selber nach Bali verreisten, unter hämischer Beobachtung durch die BILD-Zeitung.

So auch im Großen: In Umfragen spricht sich zwar eine Mehrheit für mehr Klimaschutz aus, aber sobald es um den persönlichen Konsum geht, ist diese Idee schnell vorbei und Politiker, die da offensiv rangehen wie seinerzeit Habeck („Wir werden alle ärmer werden“), werden am Ende eben doch abgewählt.

Wenn wir den persönlichen co2 Abdruck allzu schnell verwerfen, spielt auch das einer Exkulpationsstrategie in die Hände, an deren langem Ende sich eben wieder nichts ändert. Das System ist genauso Produkt der Individuen, wie die Individuen Produkte des Systems sind. Sprich, man muss an ALLEN Fronten anfangen zu verändern, um den Hauch einer Chance zu haben . Persönlich WP einbauen UND öffentlich Leserbriefe schreiben. Persönlich Fleisch reduzieren UND öffentlich demonstrieren. Das ist auch deshalb so wichtig, weil andere in der Gesellschaft konkret sehen müssen, dass es geht. Vegetarier verhungern nicht und mit einer WP erfriert man nicht (und geht nicht pleite )

Sonst schiebt man nur die Schuld hin und her . Das ist bequem, weil niemand verantwortlich ist, aber es ist verantwortungslos, weil am Ende alle bezahlen. Vor allem die, die am wenigsten haben.

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Sehr schönes Beispiel, warum er nicht funktioniert. Nehmen wir an, dass die beiden kein eigenes Auto haben, haben sie den CO2-Ausstoß allein damit nach zwei Jahren egalisiert, nehmen wir weiter an, dass sie Veganer sind, haben sie weitere Einsparungen - Guthaben, das sie anderweitig verbrauchen dürfen. Diese Fragen stellt die Gesellschaft aber gar nicht, sondern verweist nur auf den Verbrauch dieses einen Verhaltens.
Ich kann also PV auf dem Dach haben, nur im Inland in klimaneutralen Hotels Urlaub machen, alles mit Rad, Bus und Zug erledigen. Wenn der Gegenüber sich an meinem großen Haus mit Pool stören will, kann er das. Denn die Gesamtrechnung wird ja gar nicht aufgestellt.

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Die Hybris entsteht doch aber daraus, dass hier ein Flughafen blockiert wurde, während die beiden wenige Wochen später selbst per Flieger verreisten. Ich finde schon, man kann nicht glaubhaft gegen einen Service sein, den man dann selbst nutzt.

Davon ab halte ich wenig davon, jedem ein gleich großes Budget zuzuweisen und dann verschiedene Dinge zu verrechnen. Wenn wir Klimaschutz ernst nehmen muss jeder leisten, was er kann. Bedürfnisse und Möglichkeiten sind unterschiedlich. Der E-Auto Besitzer sollte seine Ersparnis in den gemeinsamen Pott werfen, nicht guten Gewissens fürs Wochenende nach Rom fliegen.

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kann man gerne kritisieren, hat aber nichts mit dem CO2-Fußabdruck zu tun, wofür es ja als Beispiel verwendet wurde. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?
It’s always: don’t hate the player, hate the game.

Wer will, dass Menschen nicht mehr fliegen, muss das politisch lösen. Und das wurde mit dieser Hybris perfekt bewiesen.

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Dafür wurde der erfunden :slight_smile:

Nachtrag; wir sind übrigens 6 Tage später als letztes Jahr. Wenn wir das jetzt jedes Jahr schaffen, wären wir 2048 im Rahmen unserer planetaren Grenzen.
Wermutstropfen: es ist nur ein statistischer Sonderfall aufgrund aktualisierter Daten.

CO₂-Preis erhöhen: 63 Tage
75 Prozent des Stroms kommen aus CO₂-armen Quellen (jetzt: 39 Prozent): 26 Tage
Autofahrten um 50 Prozent verringern: 13 Tage
Verschwendung von Lebensmitteln halbieren: 13 Tage
350 Millionen Hektar Wald wieder aufforsten: 8 Tage
Flugreisen zu touristischen Zielen halbieren: 1 Tag

Merke: damit sind alle Flugreisen gemeint, nicht nur zwei Klimaaktivisten
Wenn allerdings alle Klimaaktivisten und Nichtklimaaktivisten nicht mehr in Urlaub fliegen, macht das schon 2 Tage. Insofern: ja, der einzelne kann etwas bewegen.

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Würden alle Menschen so leben wie hier, gäbe es 2026 keinen Erdüberlastungstag:

In welchem dieser Länder würdet Ihr gerne leben? Und zwar so, wie dort der Durchschnittsverdiener lebt.

Will damit sagen: Der Ruf „Wenn alle Menschen auf der Erde so leben wie wir …“ ist wohlfeil. Denn er impliziert, dass alle Menschen auf dem Niveau leben sollen wie die Menschen in Bangladesh, Nigeria, Senegal, etc. Wir müssen vielmehr Wege finden, unseren Wohlstand zu erhalten (und den anderen Menschen dieser Erde diesen zu ermöglichen) in dabei die Erde nicht zu überlasten. Ohne technischen Fortschritt ist das schlicht undenkbar.

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Aber was ist „Unser Wohlstand“? Mir hängt dieses Wort mittlerweile ein bisschen zum Hals raus, weil jeder was anderes damit meint, es aber gleichzeitig zum höchsten Staatsziel auserkoren ist.

Klar brauchen wir technischen Fortschritt. Mitunter müssen wir mMn. aber auch mit dem Gedanken klarkommen, dass einzelne Aspekte „unseres Wohlstands“ nicht tragfähig sind und wir auch keinen historischen Anspruch darauf haben, dass jede Freiheit, die wir uns rausnehmen, so bleiben wird.

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Ich würde die Frage etwas umstellen. Nach meiner Erfahrung können sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen mit überschaubaren Aufwand CO2 neutral sein. Zumindest für Scope 1 und 2. wenn das alle machen, dann ist automatisch Scope3 auch erfüllt. Klar gibt es Ausnahmen. Wobei mir da die Fantasie etwas fehlt. Chemie, Stahl und Zement haben schon Herausforderungen. Habe das mal für Zement durchgerechnet: ich wäre bereit statt 5 Euro, 5,5 Euro für den Sack Zement zu zahlen. Und ja, kompensieren müsste gesellschaftlich akzeptiert werden. Mein Wohlstand wäre jedenfalls nicht in Gefahr

Lass mich das umformulieren: Tiefe Zufriedenheit, Lebensqualität, Erfüllung, gutes gelingendes Leben. Für all das ist die Höhe unseres heutigen materiellen Wohlstands vermutlich nicht unbedingt erforderlich. Aber der vom Bangladesh, Nigeria, Senegal, etc.?!?

Edit:

Lass ich auch das umformulieren: Für all das ist die Höhe unseres heutigen materiellen Wohlstands vermutlich nicht die entscheidende Frage.

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Warum genau wäre das eigentlich eine gute Änderung?

Diese grundlegende Vorstellung, dass wir durch heroisch selbstlosen Verzicht auf der Ebene des Individuums den Klimawandel aufhalten, ist schlicht nicht haltbar und auch nicht sinnvoll.

Wenn individuelle Aufopferung so entscheidend wäre, dann hätten die Treibhausgas-Emissionen während der Coronazeit quasi kollabieren müssen:

Corona war vermutlich das größte unfreiwillige Verzichtsexperiment der jüngeren Menschheitsgeschichte. Millionen Menschen flogen nicht mehr, pendelten nicht mehr und konsumierten generell deutlich weniger. Trotzdem sanken die globalen CO₂-Emissionen lediglich um rund 5%.

Klimaschutz lässt sich nicht durch individuelle Verhaltensänderungen skalieren.


Der wirklich relevante Sektor lässt sich in dieser Grafik ablesen:

Nicht der Flugverkehr.
Nicht die Mülltrennung.
Nicht die pflanzenbasierten Chicken Nuggets.
Sondern: Energie.

Über 70 % der weltweiten Treibhausgasemissionen hängen direkt mit der Erzeugung oder Nutzung von Energie zusammen. Dort entscheidet sich, ob wir den Klimawandel wirksam begrenzen. Dort liegt der eigentliche Hebel.

Das Problem am Carbon-Footprint-Narrativ ist nicht, dass individuelles Verhalten völlig bedeutungslos wäre. Sondern dass es den politischen Maßstab auf den Kopf stellt.

Plötzlich diskutieren wir darüber, wie lange jemand duscht oder ob er einmal im Jahr nach Mallorca fliegt, während die eigentlichen Hebel in Kraftwerken, Stahlwerken, Zementfabriken, Chemieanlagen und deren Energieversorgung liegen.


Wir retten das Klima nicht durch Verzicht. Wir retten es durch Transformation.

Die Bewohnbarkeit unseres Planeten wird nicht davon abhängen, ob acht Milliarden Menschen jeden Tag möglichst moralische Konsumentscheidungen treffen. Sie hängt davon ab, ob wir die Systeme rechtzeitig transformieren, die den CO₂-Ausstoß von Milliarden Menschen automatisch reduzieren.

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Natürlich kann man sich auf abstrakte Begriffe wie „Energie“ und „systemisch“ zurückziehen und dann so tun, als betreffe das die individuelle Ebene gar nicht.

Aber was heißt das konkret? „Energie“ liegt einfach jedem Produkt zugrunde, das wir individuell konsumieren. „Stahlwerke“ sind ziemlich wichtig für Urlaubsflüge nach Mallorca. Oder ein Beispiel, in dem jede:r direkten Einfluss hat: Der Auto- und Kraftradverkehr machte 2024 in D ca. 56,6% des Energieverbrauchs im Verkehr aus. Der Verkehr macht 31% des gesamten Endenergieverbrauchs aus (UBA). Schlappe 16% des Energieverbrauchs in D gehen also auf individuelle Mobilitätsentscheidungen zurück. Manche Menschen arbeiten in der Kohle-, Öl- und Gasindustrie, manche sind da sogar Manager, ich denke mal, deren individuelle Entscheidungen haben schon ganz schön was bewirkt.

Um mich nicht in Einzelbeispielen zu verlieren, die man fast beliebig fortführen könnte: Es ist völlig illusorisch, zu glauben, dass Nullemissionen ausreichend schnell erreichbar sind, was gleichbedeutend mit einer massiven Umstellung der Weltwirtschaft ist, ohne dass das Verhalten von Millionen - oder Milliarden- Individuen sich verändert, teilweise stark verändert.

Daher finde ich, dass dieser Widerspruch künstlich ist. Kein Szenario, das nicht auf magischen Emissionsminderungen beruht, kommt ohne individuelle Verhaltensänderungen aus und ohne Kulturwandel gibt es auch keinen politischen Wandel.

Wir geben das natürlich alle ungern zu, weil wir alle so tief in die Zerstörung der Biosphäre verstrickt sind. Auf die systemische Ebene zu verweisen, ist einfach bequem.

Edit: Hab wohl nicht gut hingeschaut und den Thread erst mittendrin beim Erdüberlastungstag zu lesen begonnen. Einige der vorigen Posts drücken das, was ich sagen wollte, schon viel treffsicherer aus. Daher Entschuldigung für den inhaltlichen Doppelpost. :slight_smile:

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Ändert aber nichts daran, dass der persönliche CO2-Fußabdruck die völlig falsche Intention transportiert, nämlich ein schlechtes Gewissen transportiert, das sich auch mit immenser Anstrengung nicht auflösen lässt und dann zu dem „dann ist es mir auch egal“-Gefühl führt, wofür er auch eingeführt wurde.
Im Gegensatz dazu wurde im Podcast die „grüne Hand“ gesetzt.

Statt schlechtem Gewissen soll damit ein gutes Gewissen erzeugt werden.

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Klar kann man Menschen, die für Klimaschutz sind auslachen, weil sie auch mal fliegen oder ein iPhone benutzten. Jeder der viel Geld damit verdient, dass es keinen ausreichenden Klimaschutz gibt, freut sich über diese Schützenhilfe.

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Wo genau ist der Hebel „Energie“ abstrakt?
Ich habe auch niemals geschrieben, dass die individuelle Ebene völlig egal sei, aber sie wird bei weitem nicht ausreichen, wenn sich am restlichen System nichts ändert.

Entscheidend ist doch: Was bringt effektiv mehr Einsparung?

Was wird bspw. dazu führen, dass bei den Neuzulassungen E-Autos die alten Verbrenner endlich in den Schatten stellen?

  1. Appelle an den Klimaschutz und die persönliche Verantwortung
  2. Oder dass E-Autos für die Kunden technisch und finanziell das bessere Produkt werden

Genau das lässt sich glücklicherweise aktuell auf dem Heizungsmarkt beobachten. Durch die politische Ausrichtung hin zu Wärmepumpen konnte inzwischen ein Marktanteil von rund 50 % erreicht werden. Die Richtung stimmt, weil Förderungen, technische Weiterentwicklung und steigende Kosten fossiler Heizsysteme die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändert haben.

Eine Wärmepumpe ist für viele Verbraucher inzwischen schlicht das attraktivere Produkt.
Das ist der entscheidende Punkt → nicht moralische Appelle oder altruistisches Verhalten.


Ich glaube, genau hier liegt unser grundlegender Dissens, denn meiner Meinung nach:

Verändern sich individuelle Entscheidungen in Folge der Systemtransformation, nicht andersherum.

Das ist nicht bequem.
Zu glauben, dass sich durch individuelle Konsumentscheidungen die Strom-, Stahl- oder Zementproduktion grundlegend verändert, halte ich für utopisch. Genauso halte ich die Vorstellung für realitätsfremd, dass die Menschheit ihren Konsum kollektiv und dauerhaft radikal einschränkt.

Also kann es nur darum gehen, den Status quo klimafreundlicher zu verändern oder gar zu ersetzen. Und solch eine Transformation wird maßgeblich durch politische und wirtschaftliche Entscheidungen auf Systemebene realisiert.

Natürlich tun dies auch Menschen, aber nicht als Verbraucher.
Sondern als Wähler, Politiker, Unternehmer und Ingenieure.

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Ein Blick nach Norwegen bestätigt das. Dort ist die hohe Quote an E-Autos eine Folge massiver Vorteile (monetärer und nicht monetärer Art) für E-Autos.

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Da hast du 90 individuelle Menschen, die nen ganz schönen Unterschied machen können.

Ich checke immer noch nicht, wo ihr alle den Widerspruch zwischen System und Individuum seht. Wenn individuelle (Konsum-)Entscheidungen im Sinne des Klimas getroffen werden, schadet das der systemischen Transformation kein bisschen, sondern erleichtert sie. Schließlich weiß ich auch nicht, worauf Gesetzgebung für das „Gemeinwohl“ - das strebt man ja idR an - beruhen soll, wenn nicht auf altruistischem Verhalten und Moral.

Das wiederum ist Einstellungssache. Man kann ja auch mal n bisschen robust sein und der Realität, an der man mitwirkt, ins Auge blicken. Sonst ist man genau so eine Schneeflocke wie Fleischessende, die kein Schlachthaus von innen sehen können. Psychologisch wirst Du aber wohl für die meisten Menschen Recht haben und das muss man zur Kenntnis nehmen und in seine Kommunikation einfließen lassen. Finde den Handabdruck sowieso ganz gut (zynische Seitenbemerkung: und jetzt können wir uns alle mal fragen, wie positiv wir da abschneiden und wie wohl angesichts der objektiven Resultate der Großteil der Menschen abschneidet).

Edit: An sich ist es auch nicht so ne wichtige Diskussion. Es gilt A**** an die Wand kriegen auf allen Ebenen, sonst ist bald nicht mehr viel da, wo man noch Entscheidungen treffen könnte.

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Es ist kein Widerspruch und natürlich förderlich.
Aber gleichzeitig ist es auch kein belastbarer Plan!

Angenommen, du müsstest heute einen realistischen Klimaplan für die nächsten 30 Jahre schreiben. Würdest du seinen Erfolg davon abhängig machen, dass Milliarden Menschen freiwillig und dauerhaft ihren Konsum ändern? Hältst du das wirklich für realistisch?

Oder würdest du den Fokus auf politische Rahmenbedingungen, Unternehmen und technologische Innovationen legen, damit klimafreundliches Verhalten für die meisten Menschen automatisch zur attraktivsten Option wird?

Wenn wir uns auf Option 2 einigen können, ist die Diskussion in der Tat „nicht so wichtig“.

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