Riesigen Dank ans Lageteam, zwei volle Folgen zu diesem wirklich wichtigen Thema aufzunehmen, ich habe mich sehr gefreut! Und Frau Brakemeier ist ein wirklich beeindruckender Mensch ![]()
Ich möchte noch etwas hinzufügen, was meinem Eindruck nach im Podcast (in Bezug auf Folge zwei) nicht viel Beachtung erhalten hat.
Als zu Beginn über den Umgang mit psychischen Erkrankungen gesprochen wurde, wurden viele sehr sinnvolle Hinweise gegeben, bspw. kann ich bestätigen, dass die Nummer 116117 eine sehr gute Anlaufstelle für einen schnellen Weg zur Psychotherapie ist.
Es wurde allerdings wenig über das Potenzial des sozialen Umfelds gesprochen. Oftmals macht es die Symptomatik der Betroffenen sehr schwierig, sich selbstständig Hilfe zu suchen. Auch zu erkennen und sich einzugestehen, dass man professionelle Hilfe benötigt, ist nicht so leicht wie es klingt. Hier spielen Stigma und Scham oftmals eine große Rolle, aber auch fehlendes Wissen zu Hilfsangeboten. Hier können gesunde Angehörige oder andere Personen aus dem Umfeld sehr wirksam unterstützen, ähnlich zur körperlichen Erste-Hilfe.
Im Podcast wurde bereits angesprochen, dass man als betroffene Person auf die Äußerungen nahestehender Personen hören soll. Hier hört aber die Rolle des sozialen Umfelds nicht auf. Wir können nachfragen und sensibilisieren (nicht diagnostizieren), aber auch Gespräche anbieten, an professionelle Hilfsangebote weiterleiten bzw. gemeinsam danach suchen, bei Therapieaufgaben unterstützen, …, sofern es uns dafür selbst gut genug geht.
Das Problem ist, dass sich viele Menschen noch sehr unsicher mit dem Thema fühlen („Wie erkenne ich, dass ich nachfragen sollte? Wie spreche ich das an? Kann ich etwas schlimmer machen?“) bzw. das Wissen um professionelle Hilfsangebote und Möglichkeiten der Unterstützen fehlt.
Dafür gibt es schon seit einiger Zeit Erste-Hilfe-Kurse für psychische Gesundheit, z.B. „Mental Health First Aid (MHFA)“ und weitere. Ich selbst bin seit mehreren Jahren Teil eines gemeinnützigen, komplett ehrenamtlichen Vereins (AufeinanderAchten e.V.), der entsprechende kostenlose Kurse anbietet, denn die oben genannten sind dies leider nicht.
Ich kann nur ermutigen, an einem solchen Erste-Hilfe-Kurs teilzunehmen, egal ob bei MHFA oder woanders. Hier kann man sich im geschützten Rahmen ausprobieren und z.B. auch Gespräche üben. In vielen Fällen sind die Kurse auch online möglich, das funktioniert gut, sodass man nicht erst weit fahren muss. Weiß man in einem konkreten Fall nicht weiter, kann man auch viele Hilfsangebote als Angehörige nutzen, z.B. Telefonseelsorge, Sozialpsychatrischer Dienst, Psychosoziale Beratungsstellen an der Uni, …
Ich bekomme den Eindruck, dass das soziale Umfeld mit den derzeitigen politischen Vorhaben (leider) eine immer wichtigere Rolle einnehmen wird. Hier geht es also um die Fragen: „Wie kann ich bestmöglich helfen, wenn ich das möchte?“ und „Was kann und soll ich eigentlich leisten und wo ziehe ich auch Grenzen für mich, um selbst gesund zu bleiben?“. Jeder und jede von uns wird irgendwann einmal in die Situation kommen, helfen zu können, oder war dies wahrscheinlich schon einmal.
Liebe Grüße und achtet aufeinander ![]()
Jeremias