Ich seh mich da tatsächlich eher als Realist.
Ich sehe nicht, dass Millionen Deutsche plötzlich auf ein Auto verzichten. Den Wunsch einer echten Verkehrswende teile ich, weil Gewohnheiten bei Menschen aber sehr sehr schwer änderbar sind, sehe ich maximal eine Antriebswende.
Und dann stellt sich vielerorts einfach die Frage, wie Menschen ohne eigenen Stellplatz daheim laden können.
Ein Aspekt, der hier in der Diskussion - nach schneller Durchsicht - noch nicht genannt wurde:
Wenn ein Kabel - auf welchen Weg auch immer - vom Grundstück zur Fahrbahn gelegt wird, dann zementiert dies auch die Denkweise: „Dieser Parkplatz gehört mir…!“.
Dabei parken Laternenparker ja grundsätzlich im öffentlichem Verkehrsraum, dort gibt es kein Recht auf einen Stellplatz. Ich sehe da durchaus erhebliches Potential für Nachbarschaftsstreitigkeiten, wenn Nachbar B in der Straße auf dem „Parkplatz von Nachbar A“ parkt oder umgekehrt und der andere dann trotz Ladekabel über den Gehsteig nicht laden kann, weil dann das Kabel zu kurz ist…
Da müssen wir aber auch mal die Kirche im Dorf lassen. Es müssen nicht Millionen Deutsche auf ein Auto verzichten weil sie nicht Zuhause Laden können. Auch ohne eigenen Strom ist das E-Auto ein Business Case. Und hier wurden ja auch einige gute Lösungen genannt, die halt in der Anschaffung ein paar Hundert Euro kosten.
Um sich das zu verdeutlichen kann man sich mal überlegen, wie"pragmatisch" das Autofahrer fänden, wenn die Anwohner ihre Ladekabel über die Fahrbahn auf die andere Straßenseite verlegen würden, weil z.B. da gerade ein Parkplatz frei ist.
Bei einer „echten Verkehrswende“ würden wir aber davon sprechen.
Aber ja, realistisch geht es darum, dem langjährigen Verbrennerfahrer durch das Verbot von pragmatischen Lösungen nicht noch ein Argument zu geben, doch weiter Verbrenner zu fahren.
Danke für diesen konstruktiven Kommentar! Es lohnt tatsächlich der Blick nach Großbritannien und in die Niederlande. Feste Rinnen, so sie schmal oder abgedeckt sind, erscheinen mir wesentlich sinnvoller als Matten oder überbrücken, die wohl meist eher schlecht gemacht sind mangels Kontrolle. Siehe verbotenes Parken an Straßenecken, das nie geahndet wurd.
Offensichtlich gibt es ja mehrere Probe mit Kabelbrücken. Was wäre denn wenn man direkt am Bordstein laden würde? Rheinmetall hat da auch zu meiner Überraschung Ladestationen die im Bordstein eingelassen sind. Diese würden dann ja weder optisch noch als Stolperfall auffallen.
Wurde in einem der beiden Threads auch schon genannt. Elekrtifizierte Bordsteine oder Straßenlaternen sind natürlich die Ideallösung, gar keine Frage. Aber eben auch teuer. Bei der Diskussion zu Ladekabeln über dem Gehweg geht es ja explizit nicht um die Frage, was langfristig das Ideal ist, sondern was kurzfristig erlaubt sein sollte, bis eine langfristige, bauliche Veränderung diese kurzfristigen Lösungen obsolet macht.
Vielen Dank für die interessante Beschreibung.
Ich ziehe daraus folgende Schlüsse:
Ein Ladekabel kann auch bei bester Ausführung zu Verletzungen bei „ordnungsgemäßer Gehwegnutzung durch einen Fußgänger“ führen.
Die Verlegung stellt also auch bei guter Ausführung ein gewisses Risiko mindestens für vulnerablere Nutzer dar. Aber auch die können - und müssen - sich ja durch die Stadt bewegen.
Die geltende Rechtslage und/oder oder deren Auslegung führt nicht unbedingt dazu, dass ein Fehlverhalten verurteilt wird.
Das erklärt zum Teil, dass die Hosts keine „Schadensfälle“ gefunden haben - es gibt sie vermutlich faktisch, aber sie werden nicht als solche beurteilt.
Bitte nicht missverstehen - ich werfe Ihnen nichts vor.
Wenn der Fall rechtlich so beurteilt wurde, dann ist das nun mal so.
Fakt bleibt aber: Ein Mensch ist nach (nur) mehreren Monaten zu Schaden gekommen.
Da scheinen mir Kabelbrücken auf Fußwegen insgesamt ein hohes Risiko zu sein.
Ja da bin ich komplett bei dir. Stellt sich nur die Frage was schneller geht. Das Recht zu ändern oder dass die Kommunen wieder Geld für solche „Spielerein“ haben. Denn Bund oder Länder werden das ja kaum finanzieren bei der aktuellen Haushaltslage. In jedem Fall sollten wir alle möglichen Potentiale nutzen um möglichst viel erneuerbaren Strom auch nutzen zu können, um uns als Land unabhängiger von fossilien Öl und Gas zu machen und Klimaschutz weiter zu fördern. Interessant wäre es auch, wenn die Städte einfach größere Speicher in der Nachbarschaft bauen würden, an denen die Nachbarschaft dann nicht verbrauchten Strom speichert. Langfristig können damit ja dann evtl sogar die Ladesäulen in der Nachbarschaft versorgt werden und sogar deutlich günstigere Preise beim Laden abrufen werden? Es bleibt komplex und die entsprechenden Rechtsgrundlagen sollten zügig aber auch gründlich formuliert werden.
Naja, das Recht müsste ja nicht mal zwangsweise geändert werden, maximal auf der Ebene der Verordnungen, nicht jedoch auf der Ebene der Gesetze.
Und Geld alleine schafft ja auch keine Lade-Bordsteine. Die Firmen, die sowas verlegen, sind aktuell noch durch die Glasfaser-Modernisierung über lange Zeit ausgebucht. Also die Richtung „bauliche Veränderung“ wird zwangsläufig viel, viel länger brauchen als die Änderung der Rechtspraxis in Bezug auf Ladekabel.
Was ich mich tatsächlich frage:
Wird dort, wo aktuell Gehwege saniert werden, an Schächte für Ladekabel gedacht? Oder direkt Lade-Bordsteine verbaut? Ich fürchte, dass selbst das nicht geschieht, daher: Ich fürchte, dass selbst heute noch „ganz normale 08/15-Gehwege“ angelegt werden, wenn ein Gehweg modernisiert wird. Und wenn an solche Dinge wie Ladekabel-Schächte bzw. Lade-Bordsteine schon bei ohnehin anfallenden Erneuerungen von Gehwegen nicht systematisch gedacht wird, wäre es illusorisch, anzunehmen, dass „heile“ Gehwege in absehbarer Zeit baulich „modernisiert“ werden.
Ich würde mich auch nicht freuen, wenn der ganze Gehweg ständig so Kabelbrücken hat. Außerdem sind die Wallbox Kabel auch echt störrig, die liegen nicht einfach so mal schnell platt mit 1cm auf dem Boden… zumindest mein Kabel an der WB macht das nicht, und ist auch dicker… Vielleicht geht man dann lieber so vor, dass man einen Service anbietet, ein Kabel dauerhaft in den Boden zu legen, meinetwegen in einem Kabelkanal. Dazu muss der Asphalt oder Pflasterstein kurz weggenommen werden, aber das klingt dauerhaft sinnvoller.
Vielleicht sind solche Brücken besser?
Ich hab sowas in Klein für meine WB, damit die Kinder nicht über das Kabel fahren.
Danke für diesen beruhigenden Hinweis. Ich würde durchaus befürchten, daß sich das hierzulande auch ein Jahrzehnt nach Merkels „Deutschland ist Autoland“ absolute Primat des motorisierten Individualverkehrs über Bedenken aller anderen Verkehrsteilnehmer durchsetzen würde. Der Streit zwischen PKW-fahrenden Nachbarn, die anfangen, sich über ihren Besitzstand an der Allmende zu bekriegen hätte mehr als alle Behindertenverbände, Fußgänger- oder Radfahrerinitiativen, hätte dagegen wirklich den Impact, solche Unsitten zu verhindern. Man kann sich seine Verbündeten halt nicht aussuchen, und muss nehmen, was man kriegen kann.
Letztlich bin ich den Zweite-Reihe-Parkern in der Strasse in der ich wohne auch höchst dankbar, weil sie eine Verkehrsberuhigung hinbekommen, die die von der Kommune ausgeschilderte Zone 30 nicht hinbekommt. Ok, das ist jetzt sarkastisch, denn die Übersichtlichkeit der Situation ist natürlich verheerend. Es wird nicht sicherer, aber immerhin leiser und es schreckt Abkürzungsspezialisten ab.
Das Argument, man würde Millionen von PKW Besitzern eh nicht ändern können, und ausgerechnet diese Kabelverlegung würde jetzt wenigstens den Unterschied zwischen einer erfolgreichen Energiewende und fossiler Verdammnis machen, gehe ich nicht mit.
Gutes Leben ist mehr, als nur alternative Energieen. In hochverdichteten städtischen Räumen ist ein privat besessener PKW ohne dazugehörigen Stellplatz auf privatem Grund einfach eine Belastung für die Allgemeinheit, selbst wenn er vom Papst gesegnet und vom heiligen Geist angetrieben wird.
Mein E-Auto kommt in circa 8-10 Woche an. Ich wohne in einer Großstadt, habe aber keine Lademöglichkeit (Miete…). Ich würde nie im Leben auf die Idee kommen, meine Mitmenschen durch irgendwelche Kabelbrücken einzuschränken, nur weil ich zu faul bin meinen Wagen an einer der öffentlichen Stellen zu laden.
Natürlich haben die Städte/Länder hier vollkommen recht so etwas zu untersagen / nicht zu genehmigen. Auch der Vorschlag: Einfach mal machen und einkassieren, falls es nicht klappt scheint mit etwas weltfremd. (Was ist „falls es nicht klappt“ in diesem Kontext? Unfälle von Passanten?)
Genau die rechtliche Bewertung war für mich der interessante Punkt. Weder die beteiligten Versicherungen noch die Rechtsschutzversicherung des Betroffenen sahen offenbar eine eindeutige Haftung oder ein klares Fehlverhalten meinerseits. Sonst wäre der Fall vermutlich anders bewertet worden.
Dabei spielte nach meinem Verständnis auch die Eigenverantwortung des Fußgängers eine Rolle. Die Kabelbrücke war gut sichtbar und auffällig gelb. Wer einen Gehweg nutzt, muss grundsätzlich auch auf seinen Weg achten. Eine Haltung nach dem Motto „Wenn ich hinfalle, muss automatisch jemand anderes schuld sein“ gibt es rechtlich zum Glück nicht.
Natürlich tut mir der Unfall bis heute leid, zumal es sich um jemanden aus der Nachbarschaft handelt. Aber der Unfall entstand letztlich auch deshalb, weil er nach eigener Aussage nicht auf den Boden geschaut hat. Das ist tragisch, hätte aber genauso bei einem Ast, einer unebenen Gehwegplatte oder anderem herumliegenden Hindernis passieren können.
Unabhängig davon habe ich nach dem Vorfall auf diese Art des Ladens verzichtet. Mein Punkt war lediglich, dass zwischen einem möglichen Risiko und einer rechtlich festgestellten Haftung offenbar ein Unterschied besteht.
Ich besitze selbst ein E-Auto. Was mir an der Diskussion fehlt ist die Kosten-Nutzen-Frage für die Eigentümer. Wenn ich mein Auto jeden Tag/Nacht als Batteriepuffer zur Verfügung stelle, nutze ich meine Batterien sehr viel schneller ab. Die Lebenszeit wird doch allgemein in Ladezyklen berechnet. Anstatt 10 Jahre zu halten, halten die dann doch nur 2-3 Jahre, wenn ich von 1000 Ladezyklen ausgehe (1000/365 = 2 3/4 Jahre). Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass diese Nutzung durch die Garantie der Autohersteller abgedeckt ist. Das rechnet sich doch für mich als Eigentümer eines solchen Autos überhaupt nicht, oder?
Ein Ladezyklus ist die komplette Entladung von 100 auf 0% und dann wieder Beladung von 0 auf 100%. In der Regel wird die eigene Autobatterie nur zu einem kleinen Teil als netzdienlicher Speicher freigegeben, also z.B. im Bereich zwischen 60 und 80% der theoretisch nutzbaren Kapazität. Man will ja jederzeit einsteigen und losfahren können. Sonst kann man sich auch einen Speicher ohne Räder anschaffen.
Selbst wenn man diesen Speicher jeden Tag einmal vollständig nutzen lässt, ergeben sich daraus trotzdem nur 73 Ladezyklen im Jahr. Ich bin mir unsicher, wie du auf 1.000 Ladezyklen kommst.
Und ja, die Batterie wird schneller an Kapazität verlieren. Aber dafür wirst du als Halter ja auch bezahlt, der Wertverlust sollte also überkompensiert werden. Sonst würde das ja niemand machen, es kann ja keiner gezwungen werden, sein Auto für sowas zur Verfügung zu stellen.
Witzig, genau dazu wollte ich auch einen Beitrag schreiben. So ein Akkutausch für einen 80kwh nmc Akku soll zwischen 12 und 20.000€ kosten. Bei einer typischen Lebensdauer des Akkus von 1000 Zyklen sind das Kosten von 15-25 Cent pro kWh alleine für den Akkuverschleiß. Die muss ich erstmal wieder reinbekommen durch die Differenz zwischen Einkaufs und Verkaufspreis.
Bei einem LFP-Akku sieht das ganze natürlich deutlich besser aus, aber mit einem NMC Akku würde ich das sicherlich nicht machen.
Vielen Dank für die Aufklärung. Mir war nicht klar, dass es um 60-80% geht. In den Beiträgen der Lage klingt das eher so, als würde man die volle Kapazität der Batterien nutzen wollen (20-80%). Die 1000 hatte ich kurz gegoogelt. Man findet unterschiedliche Zahlen, von 1000, bei neueren Autos wohl auch 2000-3000. Ich dachte auch ein Ladezyklus ist dadurch definiert, dass man Kabel an- und wieder absteckt, egal wie viel kWh man geladen hat.
das ist nicht so korrekt. Viele Hersteller, bspw. VW, geben eine Menge an Bidirektionalem Laden frei…
das problem ist eher, dass das alles noch nicht standardisiert ist, was bedeutet, es gibt nur wenige Wallboxen je KFZ Hersteller, die man nutzen kann.. vollkommen weltfremd…