Ich würde nicht unterschätzen, dass Menschen durchaus schauen, was sich rechnet. Meistens geschieht es bei kurzen Intervallen zwischen den Entscheidungen mit vielen Feedbackschleifen. Leider trifft man die Entscheidung für die Heizung einmal für 20 bis 30 Jahre, also man es quasi gefangen in seiner einmal getroffenen Entscheidung, weil eine Veränderung wieder mit Kosten verbunden ist. Eigentlich müsste man die Menschen vor einer Fehlentscheidung schützen.
Die meisten Menschen sind von der Idee einer Amorisationsrechnung (wenn ich jetzt mehr ausgebe, kann ich damit über die Zeit in Summe noch mehr einsparen?) überfordert. Dazu kommen die „Unsicherheiten der Zukunft“, v.a. die mangelnde Prognosemöglichkeit für die Preise fossiler Energien (insbesondere der politisch/regulatorisch bestimmten Preisbestandteile wie Netzentgelte, Energiesteuer, CO2-Steuer). Auch Fachleute müssen hier mit Annahmen und Szenarien rechnen. Gar nicht so trivial. Wie will man erwarten, dass der durchschnittliche Häusle-Besitzer damit klar kommen? Vor allem, wenn dann interessierte Parteien und Lobbyorganisationen jahrelang Blödsinn und Falschinformationen in die Öffentlichkeit hämmern (wie: Wärmepumpen funktionieren im größten Teil des Altbestands nicht).
Ja, die Menschen benötigen Beratung und Unterstützung und sollten auch regulatorisch vor Fehlentscheidung bewahrt werden. Das neue „Heizungsgesetzt“ (GModG) ist ein Affront gegen den gesunden Menschenverstand.
A propos Beratung: Wie lange das Installationshandwerk (Heizung, aber auch Elektro) gebraucht hat, um zu verstehen, dass man den Kunden in aller Regel besser zu einer Wärmepumpe rät, wenn man das Interesse des Kunden im Blick hat, ist erschütternd. Ich weiß noch, wie die Handwerksorganisationen (Innungen, Kreishandwerkerschaften bis hin zu Handwerkskammern) wegen „Habecks Heizungshammer“ auf die Barrikaden gegangen sind und dickköpfig an „Alt und Bewährten“ festhielten, als längst klar war, dass das nicht nur gegen die Interessen ihrer Kunden, sondern auch gegen ihre eigenen Interessen ist. Ich habe mich wirklich geschämt über das deutsche Handwerk. Zum Glück ist das heute klar anders.
(P.S.: Ich bewundere Habeck, dass er weiterhin sich nicht öffentlich äußert. Er hat sich seit seinem Ausscheiden aus dem Bundestag bedauerlicherweise weitestgehend aus der innenpolitischen Tagesdebatte zurückgezogen und ist auf völlig andere Themen fokussiert: Arktis-Geopoliltik, Sicherheitspolitik, Krisen, Energie-Geo-Politik, … Er positioniert sich also neu als internationaler Vordenker zu Geopolitik und Sicherheit und vermeidet den Eindruck eines Ex-Minister, der seine Nachfolger von der Seitenlinie kommentiert.)
Ich kann gut verstehen, wenn er keinen Bock auf deutsche Politik mehr hat, so wie mit dem vielleicht besten und vor allem komprimissbereitesten Politiker seiner Generation umgegangen wurde, sowohl von politischen Gegnern, als auch von Teilen der Bevölkerung. Ich habe aber eine Resthoffnung, dass er sich einfach in ein deutschlandpolitisches Abklingbecken zurückgezogen hat, um in einigen Jahren, wenn er für die einen vielleicht weniger ein rotes Tuch ist und für die anderen weniger Erlösergestalt, nochmal einen Anlauf zu nehmen, das Land endlich mal vernünftig zu regieren.
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht ist er aber auch zur Erkenntnis gelangt, dass es in Deutschland auch mittelfristig strukturell keine Bedingungen mehr gibt, um gute Politik machen zu können. Das verkrustete parlamentarische und föderale System (in dem keine vernünftigen Vorschläge ohne massive Kompromiss-Verwässerung mehr eine Mehrheit finden können), der ausgeprägte Lobbyismus v.a. von reichen Interessengruppen, das Denken in Besitzstandswahrung (Rentner, Boomer und GenX, Wirtschaft, Gewerkschaften, Vermieter, Mieter, Reiche, Biodeutsche/Inländer, …), eine zunehmend polarisierte öffentliche Atmosphäre, die zunehmend fehlende Scham über Fehl-und Falschinformationen …
Und der eigenen Partei. Baerbock ihm praktisch vorzusetzen war der größte Fehler der Grünen. Absolute Fehlentscheidung. Was waren damals eigentlich die Gründe dafür? Ich hab es anscheinend verdrängt…
Auch wenn das hier nicht das Thema ist, man vergisst schnell, wie es vor dem ganzen Wahlkampf und dem ausführlichen Durch-die-Medien-Ziehen von Baerbocks kleinen oder auch vermeintlichen Fehlern aussah. Die Grünen standen schon länger sehr gut und stabil in den Umfragen da. Es gab auch innerhalb der Partei keine klare Favoritin, sondern Argumente für beide (Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock: Warum sie – und nicht Robert Habeck?). Zu Beginn ging es auch weiterhin bergauf, bis sich die negativen Narrative durchgesetzt haben. Im Nachhinein vergisst man dann schnell, dass die beiden sich wohl auch untereinander geeinigt haben: „Die Partei hatte die Klärung der Kandidatenfrage ihren beiden Parteivorsitzenden Baerbock und Robert Habeck (51) überlassen, die sich geräuschlos untereinander verständigten.“ (https://www.youtube.com/watch?v=bYV95RRXkaI). Mit dem Wissen, wie dann später mit Habeck umgegangen wurde, wäre ich mir auf jeden Fall im Nachhinein nicht sicher, ob man mit einer ähnlichen Kampagne von den Themen hätte ablenken und auf derartige Weise ihn auch schon damals medial zu einem roten Tuch hätte machen können.
Sicher ein spannendes Thema, aber ein sehr anderes, als das, um das es hier eigentlich gehen sollte. Von daher fände ich gut, wenn wir hier nicht weiter vom Thema abkommen.
Um zur Rechnung für oder gegen die Wärmepumpe zurück zu kommen:
Ich denke, dass man sich nicht zu stark in das Thema reinnerden muss, man kann es auch einfacher angehen: Wenn man vor der Wahl steht, eine fossile Heizung einzubauen oder eine Wärmepumpe, kann man bedenken, dass die Dinger ja gut 20 Jahre halten. Es ist dann halt eine Wette auf die Zukunft: „Wetten, dass ich mir in den nächsten 20 Jahren nicht wegen meiner Entscheidung in den Allerwertesten beißen werde“. Also ich persönlich würde diese Wette nicht eingehen und mich für die Wärmepumpe entscheiden.
Ein weiteres Problem: Wenn man sich dann tatsächlich so massiv über die damalige Entscheidung ärgert und einen Handwerker holen will, dann ist das genau der Zeitpunkt, an dem auch sonst sehr viele andere Leute fluchend einen Handwerker suchen. Angebot und Nachfrage. Dann lieber den Umbau jetzt machen, wo es stressfreier ist.
Ich bin Vermieter und werde demnächst die Heizung umrüsten. Ich baue natürlich eine Wärmepumpe ein, nicht nur aus ökologischen, sondern eben auch aus ökonomischen Gründen. Erstens sind Wärmepumpen durch die Förderung gar nicht so viel teurer als Gasheizungen, bei einem Freund von mir lag die Differenz der Angebote für beides vor kurzem bei ca. 3000 € (nach Förderung). Zweitens lege ich die Kosten für die Modernisierung in Form einer Erhöhung der Kaltmiete ohnehin auf die Mieter um. Das darf ich aber mietrechtlich nur, wenn es sich um eine Modernisierung handelt, also die alte Heizung besser (effizienter, CO2-Einsparung etc.) als die neue ist. Der Kostenunterschied auf der Investitionsseite zwischen Gas und WP wird dadurch innerhalb der ersten Jahre ausgeglichen.
Drittens kombiniere ich die WP mit einer Solaranlage, so dass ich in der Übergangszeit und im Sommer einen hohen Anteil der Warmwasserkosten und der Heizkosten damit decken kann. Diese Energiekosten sind günstiger als der Strom am Markt und ich lege sie natürlich auch auf die Mieter um.
Unterm Strich wird die Erhöhung der Kaltmiete plus Kosten für Solarstrom und zugekauften Strom für die Mieter:innen nicht teuer als das jetzige Gas, eher etwas günstiger. Aus Vermietersicht leite ich durch WP und Solar die Heizkosten zu großen Teilen in meine Tasche um, da ich die Heizenergie in Form von Solarenergie zur Verfügung stelle, außerm kann ich durch die Modernisierung den Wert der Immobilie steigern. Zudem wird die Immobile auch für Mieter:innen attraktiver, weil die Heizkosten relativ stabil sind und das Gebäude eben auch kein CO2 mehr produziert.
Selbst ohne Solaranlage ist es für beide Seiten nicht teurer (siehe zweitens).
Wer als Vermieter jetzt noch auf Gas oder Öl setzt kann tatsächlich nicht rechnen (und ja, solche Leute gibt es leider unter Immobilienbesitzern zu Hauf).
Ich denke hier hat sich ein Schreibfehler eingeschlichen.
Ich weiß nicht, was genau Du meinst, ist vielleicht unklar ausgedrückt: Der Vermieter darf 8% der Modernisierungskosten pro Jahr auf die Kaltmiete umlegen, gedeckelt auf 2 bzw 3€ pro qm. Dazu muss es sich aber wirklich um eine Modernisierung handeln. Alte Ölheizung gegen Gas-Brennwerttherme müsste also auch gehen; Gas-Brennwerttherme gegen neue Gasbrennwerttherme aber nicht (das wäre in meinem Fall die Alternative und würde als Instandhaltung zählen) Disclaimer: bin kein Steuerberater, lasse mich aber steuerlich beraten…
Es ist nur ein Verdrehen im Satz. Es müsste heißen, „also die neue Heizung besser als die alte ist“, oder ?
Ich schreibe das mal hier, weil es glaube ich zum Entscheidungsprozess der Union gehört:
Die Antwort auf die Frage „Cui bono“ ist aus meiner Sicht die Agrarwirtschaft, also der Teil mit mehr Hektar als Gehirnzellen. Wenn sich nämlich große Bevölkerungsanteile noch mit Gas beheizt im Jahr 2040 wiederfinden, dann wird der Preis für Raps und Mais explodieren und auch vorher würde die Nachfrage für Biogas stark sinken, wenn niemand mehr mit Gas heizt.
Die Rechnung kann aber nicht aufgehen. 2-3€/qm/ Jahr. Die Modernisierung wird ja 10 000 Euro + x gekostet haben. Selbst bei einer 200 qm Wohneinheit dürfen nur 600 €/Jahr an Kaltmiete erhöht werden. Das wären 16 Jahre bis zum Break Even und zwar ohne Finanzierungskosten (Ja, man kann noch Steuerliche Dinge gegenrechnen). Also wird der Break Even eher bei 20 Jahren + x sein und über der Lebenszeit der WP. Das wäre ein sehr schlechtes Investment.
In den Niederlanden ist nach so einer Modernisierung (wenn man ausreichend Punkte für die Energieeffizienz bekommt) eine unbegrenzte Erhöhung möglich, um den Anreiz zu schaffen. Es muss jedoch ein Quasi Nullsummenspiel auf Sicht für den Mieter bei rauskommen. D.h. der heutige Wärmebedarf des Hauses wird mit einem fiktiven Preis des jeweiligen Energieträgers multipliziert. Das wird dann mit dem neuen Wärmebedarf und einem zukünftigen fiktiven Preis des neuen Energieträgers multipliziert. Bsp. Wärmebedarf Haus (Erdgasheizung) x Erdgaspreis - Zukünftiger Wärmebedarf Haus (WP) x Strompreis. Wenn dann noch eigener PV Strom verwendet werden kann, ist das schnell eine deutliche Differenz.
Also spart man zum Beispiel 2000€/Jahr ein, dann darf man 2000€/Jahr höhere Kaltmiete verlangen. Ich habe eine Varianz von 2100€/Jahr genehmigt bekommen bei einem Investment von 23 000€. Break even 11 Jahre.
Ah, jetzt, ja: "die neue besser als die alte”, natürlich, sorry
Naja, es kommt natürlich darauf an, wieviel Wohnfläche man hat und wie teuer die WP am Ende wird. Und wenn die Heizung getauscht werden muss, vergleiche ich ja mit der Instandsetzung einer Gasheizung, bei der ich die Modernisierungskosten gar nicht umlegen kann, weil es eben keine Modernisierung ist. Entscheidend für das Invest ist ja nicht nur die Frage, ob es sich für sich betrachtet amortisiert, sondern eben auch die Wertsteigerung durch die Modernisierung und die höheren Mieteinnahmen, weil der bauliche Zustand und die Höhe der Jahreskaltmiete wichtige Eckpunkte für die Bewertung der Immobilie sind.
Aber ja, es ist keine geniale Investitionsidee, aber allemal ökologisch und eben auch ökonomisch sinnvoller als Gas.
Die Kappungsgrenze gilt pro Monat, nicht pro Jahr.
Also kurz: Eine Gasheizung lohnt sich jetzt nicht, und für die nächsten 20 Jahre sieht die Prognose nicht besser aus.
Von einer fossilen Heizung raten Homo oeconomicus und Homo sapiens beide massiv ab.
Ich finde die Amotisierungsrechnungen schwierig. Wir haben uns für den (nicht sehr wirtschaftlichen) Austausch unserer Ölheizung entschieden, weil wir u. a. in der Lage von dem ETS2 gehört haben, das ist nun 2 Jahre her, seit über einem Jahr rauscht bei uns die Wärmepumpe.
Wie man aktuell sehen kann, ist das alles andere als eine sichere Rechnung. Aktuell spare ich natürlich viel mehr Geld als letztes Jahr vor dem Schlamassel im Nahen Osten. Den ETS2 haben sie jetzt um ein Jahr verschoben, wer weiß was denen noch einfällt um die Fossillobby bei Laune zu halten.
Ob ich die vollständige Amotisierung unserer WP, gerade bei meiner Vorliebe für Grauburgunder und Deutsche Single Malts, noch erlebe weiß ich nicht. Aber für uns waren auch andere Punkte ausschlaggebend.
Wie würden wir unseren Kindern in 10 Jahren erklären, dass wir keine Wärmepumpe eingebaut haben?
Unser Haus ist seit knapp über 100 Jahren in Familienbesitz (jaja, immer diese blöden Erben, hätte auch gerne meine Mutter behalten, aber das Leben ist halt kein Wunschkonzert), und ich hoffe eins der Kinder wird das Haus mal übernehmen. Und dann soll es einigermaßen modern sein.
Grundsätzlich steigert sich der Wert der Immobilie.
Es macht gerade viel Spaß den Leuten ins Wort zu fallen mit dem Satz: „Äh. Was ist denn bitte ein Ölpreis? Meinen Sie Oliven?“
Will damit nur sagen, man kann eventuelle Löcher in einer Amo-Rechnung auch mit anderen Argumenten auffüllen. Am Ende steht ohnehin immer das gleiche Ergebnis.
Spannend ist ja, auf welcher Ebene die CDU wohl den Homo Ökonomikus ansetzt: Anscheinend nur auf der Ebene der direkten Kosten, aber nicht bedenkend die Kosten zweiter Ordnung (Umweltkosten, Opportunitätskosten, Kosten der individuellen und gesellschaftlichen Pfadabhängigkeit).
Ich finde bei dem Thema noch zwei Sachen interessant:
- Sollte man nicht die Förderung für die WP abschaffen? Ich denke man kann klar sagen, dass die Förderung nicht zu günstigeren Preisen führt, hierzu gibt es ja auch begleitende Forschung zu den Förderprogrammen: ifeu gGmbH: Analyse zu Kosten für Material und Einbau von Wärmepumpen in Deutschland und ausgewählten EU-Mitgliedstaaten Meine These wäre, dass mit keiner oder einer anders gestalteten Förderung Marktaspekte und Wettbewerb insb. bei den Installateuren (auch innereuropäisch) mehr zum Tragen kommen.
- Strompreis: „Die Lösung für hohe Preise sind hohe Preise“ - oder andersrum gesagt: wenn sich mit Strom gut Geld verdienen lässt, lockt das neue Stromproduzenten an und das macht Strom in Summe günstiger. Auch, weil wir dann Investitionen, zB ins Netz, über mehr kWh verteilen können. Wenn man staatlich fördert, sollte man also eher hier ansetzen und weitere Stromnutzung inzentivieren.