LdN 476 - Fehlende Perspektive wieso Iran die Bombe will

Beim Hören von LdN 476 hat mir eine entscheidende Perspektive gefehlt: Die Motivation des Iranischen Regimes an die Bombe zu kommen. Wenn man so in die Tiefen geht und Uran-Isotope, Anreicherung und den Sperrvertrag im Detail bespricht, dann fehlt mir das entscheidende: Wieso?

Hier ist mein Verständnis zur Sache: Iran bedroht Israel existenziell, wird aber auch von Israel existentiell bedroht. Ferner “muss” sich Iran aus seiner Perspektive auch von dem “grossen Satan”, den USA militärisch schützen. Seit der 79er Revolution muss es eine von den USA lancierte Invasion oder Regime-Change fürchten. Die CIA-Aktionen im 20. Jh, die Golf-Kriege und kürzlich Libyen, Venezuela haben das Bedrohungsszenario für das Mullah-Regime gefestigt. Konventionelle Aufrüstung ist für das Land wirtschaftlich nicht stemmbar. Der ultimative militärische Schutz wäre, und ich bin ziemlich sicher dass Iran danach strebte und strebt, nämlich “nuclear deterrence”. Zu Deutsch: “Greif mich ja nicht an, ich habe die A-Bombe”. Meine Frage nun, an die Community bzw. an die Hosts ggf als Recherche-Thema: Könnte das neu erkannte Machtinstrument “Straße von Hormus” eine Ersatzstrategie sein. Wie mir scheint hat der Iran erst in diesem Jahr rausgefunden, wie stark diese geostrategische Karte ist, die er da in der Hand hat die Straße von Hormus blockieren zu können. Diese hat im Gegensatz zur A-Bombe Vorteile: 1. Ist verfügbar 2. Bedrohung kann kosteneffizient mit dem aktuell im Iran vorhandenen Mitteln aufrecht erhalten werden (Raketen, Minen, Drohnen, USVs etc) während das Atomprogramm sehr teuer ist. 3. Weniger Ambiguiät als bei der A-Bombe, bei “nuclear deterrence” ist immer das Problem, dass man glaubhaft machen muss, dass man diese wirklich auch gewillt ist einzusetzen (wobei ich mir bei religiösen Fanatikern da wenig Sorgen mache). Bei der Straße von Hormus ist nun allen Parteien bekannt: Der Iran kann, der Iran macht und keiner auch nicht die US-Navy ist fähig/ bzw. nach Risikoabschätzung willig die Straße gewaltsam offen zu halten. Meine Frage an Experten wäre nun, was sie vom Szenario halten, dass der Iran sich das Atomprogramm wegverhandeln lässt, weil in Zukunft auf Hormus-Strategie gesetzt werden kann?

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Die Blockade der Straße von Hormus kann eine nukleare Abschreckung nicht ersetzen.

Ja, sie ist ein mächtiges Mittel, aber wenn diese Karte überreizt wird, wird es eine militärische Koalition des Rests der Welt geben, die dafür sorgt, dass jedes iranische Schnellboot und jeder Soldat mit Raketenwerfer in den hügeligen Küsten ausgeschaltet wird.

Das ist eben der zentrale Unterschied: Egal wie gut deine Raketenabwehr ist, egal wie gut der „First Strike“-Plan ist, um zu verhindern, dass der Iran eine Atombombe abschicken könnte, alle diese Szenarien sind mit der Gefahr verbunden, dass sie scheitern könnten. Und wenn sie scheitern, ist die Konsequenz vernichtend - wortwörtlich. Deshalb wird kein Angreifer das Risiko eingehen, es „einfach mal zu versuchen“.

Die Blockade der Straße von Hormus hingegen hat keine „vernichtende“ Konsequenz, sondern eine sehr lang gestreckte. Hier kann ein Angreifer es „einfach mal versuchen“, im schlimmsten Fall leidet die ganze Weltwirtschaft darunter, aber die Konsequenzen sind erträglich. Hier müsste der Iran daher - wie ja auch aktuell - stets damit rechnen, trotzdem angegriffen zu werden.

Kurzum:
Atomwaffen schützen effektiv davor, angegriffen zu werden, indem sie den potenziellen Preis eines Angriffs gen Unendlich verschieben.
Die Blockademöglichkeit der Straße von Hormus erhöht auch den potenziellen Preis eines Angriffs, aber eben nicht in einem Ausmaß, wie ein Atomschlag es könnte, und vor allem nicht so gezielt für den Angreifer.

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Die iranische Perspektive hat im Allgemeinen komplett gefehlt. Wir halten uns auch immer noch schön zurück, die USA und Israel zu kritisieren. Was momentan dort in unserem Namen und mit unseren Waffen passiert, ist durch nichts zu rechtfertigen, aber mehr als Verwirrung über die irrationale Strategie unserer Verbündeten kommt hier nicht. Die ausführliche Ausarbeitung zur Funktionsweies der Atombombe war dann nur zusätzlich ein Schlag ins Gesicht. Vor allem, wenn man bedenkt, dass kurz zuvor im Podcast noch genervt die Anschuldigung abgetan wurde, man würde nicht ordentlich recherchieren. Ich bin extrem enttäuscht von dem Beitrag. Wir haben vor einem Jahr den ersten völkerrechtswidrigen, hinterlistigen Angriff der USA und Israel gegen de Iran miterlebt. Und selbst heute und selbst in diesem Medium ist es nicht möglich, die westich chauvinistische Sichtweise abzulegen. Aber bitte, mehr konservative Meinungen. Die fehlen ganz klar.

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