LdN 473: Diia-App und Digitale Souveränität gegenüber den USA

Ich stell jetzt mal böse eine These in den Raum, vielleicht mag mich ja jemand widerlegen:

So eine *Mobile First-*Verwaltung liefe dem Anspruch nach Souveränität gegenüber den USA komplett zuwider. Während wir bei Webseiten (oder WebApps) noch irgendwie ‘selber machen können’, mit deutschen Rechenzentren, sind wir spätestens bei Smartphone-Apps als Client (für Android & iOS) als Plattform absolut abhängig von US-amerikanischen Tech-Giganten.

Beim nächsten Mal Grönland droht Trump uns dann damit, uns die Apps aus den Stores zu schmeißen. Dann bleibt von Digital-Deutschland vielleicht noch ELSTER im Browser übrig. :upside_down_face:

Weiß jemand, wie die Ukraine sich da bei Diia absichert?

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Wobei doch nichts dagegen spricht, die Funktionen einer App parallel auch über ein Webportal anzubieten, oder? Auch Apps sind ja nur eine Oberfläche für Daten, die aus den Datenbanken eines Servers abgerufen werden. Eine Authentifizierung wäre dann alternativ zur eID per Zertifikat + Passwort (wie bei ELSTER) auch unabhängig von US- oder China-Technik möglich.

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Ich finde es generell seit ein paar Wochen interessant wie … über iOS/iPadOS-Apps geredet wird, während das freie Web komplett vernachlässigt… wird.

”Natürlich sind wir da dran und bald wird es so eine App geben und dann führt der QR-Code nicht auf eine Website, dann führt er in eine App.”—Ulf
”[…], dann hätte man es zumindest mit einer sexy App verbinden können. […] Hätte man ihnen keine Briefe mit QR-Codes schicken müssen.”—Ulf

  1. Apple und Google sind massive Gatekeeper mit eigenen finanziellen Interessen, weder auf iOS noch Android ist es mehr möglich third-party apps einfach ohne den App-Store zu installieren. Beide haben ihre eigenen Richtlinien für App-Zulassung, die nicht mit nationalen Gesetzen deckungsgleich sind und gehen massive gegen Wettbewerber vor (s. Apple vs Epic-Games).
  2. LdN beweist doch mit ihrer App eine der größten Schwachstellen im Vergleich zu einer Website: die LdN-App gibt es für iOS/iPadOS, hat man kein Apple-Gerät, Pech gehabt. Ich habe mich über diese Meinung letzte Woche schon sehr gewundert. Noch dazu hat Philip in der vergangenen Woche (472) darauf hingewiesen, dass die Entwicklung für zwei Betriebssysteme mit hohen Kosten und Mehraufwand verbunden wäre, warum gilt dass denn jetzt plötzlich nicht mehr?
  3. Mobile-first heißt mitnichten, dass es sich hierbei um mobile Apps für iOS oder Android-Geräte handelt. Mobile-first beudeuted, dass eine Website unabhängig von Bildschirmgröße und Eingebegerät funktioniert. Egal ob iPhone 17 oder ein 10 Jahre alter Windows-Laptop.

Damit mich niemand falsch versteht, ich finde schöne und gut gemachte Apps super, aber der erste Schritt ist eine funktionierende und barrierefreie Website, die unabhängig von Betriebssystem und Endgerät gleichermaßen zu benutzen ist. Gleichzeitig darf wie @ondrsalf ja auch sagt, der Gatekeeper für eine funktionierende digitale Verwaltung nicht in den USA sitzen.

Digitalisierung hat nichts mit App-Entwicklung zu tun sondern mit durchdachten und funktionierenden Prozessen, Standards und Schnittstellen.

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Ja, bitte setzt der Regierung da keinen Floh ins Ohr mit App, App, App

Mobile First muss 2026 natürlich sein, aber es geht auch ohne Apple und Google.

Eine reine iOS/Android (am besten auch noch Kotlin/Swift) Architektur für’s Frontend wäre doch eine Vollkatastrophe für die Souveränität und auch doppelt und dreifach bezahlte Entwicklung.

Vielleicht könnt ihr in einer Folge Mal ausbreiten, wie man eine “technologieoffene” (Progressive) Web App Architektur umsetzen könnte, die eine super User Experience, mit Datenschutz und Unabhängigkeit von den USA umsetzt.

Es ist möglich und das sollte auch unser Anspruch sein. Man muss es nur von Anfang an mitdenken.

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Das ist glaube ich für alle Mitlesenden hier kein Problem, du machst es dir aber denke ich zu einfach.

Meiner Erfahrung nach ist es schon die Umstellung von WhatsApp auf einen anderen Messenger für den Otto-Normalanwender schwierig. Dann im Problemfall allen Deutschen (inkl. aller Schwiegereltern) mal eben erklären, sie müssen mal eben von der App auf das Webinterface wechseln…? Aua.

Das muss von Anfang einen klaren, verlässlichen Weg geben, wie mann ‘den Staat’ erreicht. Und der darf nicht Google/Apple sein, auch wenn ‘Ease-of-Use’ und ‘Mobile First’ darunter etwas leidet.

Aber es ist ja beides möglich. Wenn man es möchte:

Man kann sowohl ein super einfaches “App” Interface schaffen, als auch die Architektur im Hintergrund möglichst unabhängig gestalten. Aber das muss man von Anfang an mitdenken.

Grob gesagt könnte das so aussehen:

  1. Man baut eine einheitliche Web Plattform für Anträge/Bürgerleistungen. Die kann man von jedem Browser von jedem Gerät aufrufen.
  2. Zusätzlich gibt es von von dieser Web Plattform eine Progressive Web App für den Apple und Google App Store. Sie sieht aus wie eine App, man kann sie runterladen wie eine App, aber technisch ist die App nur ein Fenster, das die gleiche Web Plattform von oben anzeigt.
  3. Die Anmeldung/Authentifizierung mit eID oder e-Perso ist technisch am komplexesten. Also lässt man die separat. Entweder in eine erigenen native App mit der man nur Anträge “unterschreiben” kann. Oder direkt in 2. Integriert, aber auf jeden Fall technisch unabhängig.
  4. Die Anmeldung/Authentifizieren mit eID oder e-Perso kann zusätzlich auch noch über weitere Wege erfolgen, zum Beispiel über eine Desktop App und ein externes NFC Lesegerät.
  5. Damit das ganze im föderalen Wunderland Deutschland funktioniert gibt es für die Web Plattform eine fest definierten, aber offene Schnittstelle und jede Stadt und jedes Bundesland und jedes Ministerium kann ihre eigenen Anträge in der Web App in einem einheitlichen Format zugänglich machen.

Für Schwiegerelltern bedeutet das: Dir können alle ihre Anträge und Briefe in einer App regeln, vielleicht gibt es eine zweite App zum Unterschreiben/zur Bestätigung.

Für Behörden bedeutet das: Sie können ganz föderal ihre eigenen Anträge und Sonderwünsche umsetzen, solange sie sich an ein paar Spielregeln halten.

Aber aus Souveränitätssicht bedeutet das: Solange Google und Apple mitspielen nutzt man ihre zugängliche Infrastruktur. Aber wenn sie Faxen machen gibt es einen Plan B (Web App, Alternative eID Freigabe). Und alle können die Services nutzen auch wenn sie kein Google oder Apple Handy haben.

Und noch dazu muss man die Antragsplattform nur ein einziges Mal bauen und nicht drei Mal parallel.

Ich verstehe nicht, wieso Ulf uns nicht begeistert von diesem Ansatz erzählt. Es liegt doch ein bisschen auf der Hand.

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Ich hab es nicht als ausschließliche Möglichkeit verstanden.
Dass es gut wäre, wenn es eine App gäbe, heißt ja nicht, dass es keine Alternative geben sollte.

Wenn man sich die Abhängigkeiten vor Augen führt, ist es aber mMn sinnvoll hier etwas vorsichtig zu sein und zu differenzieren, wie in Ulf und Philip in anderen Bereichen ja auch sind.

Angesichts der digitalen Kompetenz unserer Regierung und der davor ist es fast gefährlich jetzt laut “App” zu rufen.

Eine (native) App neben einer Web Plattform bedeutet ziemlich wahrscheinlich hohe zusätzliche Kosten, zusätzliche Komplexität für Nutzende durch unterschiedliche Features, ziemlich schnell Smartphone oder Apple/Google-Benutzerkonto Zwang - Obwohl es, wie oben dargestellt, gute Alternativen gibt.

Und ist die Architektur einmal entschieden, ist es super unwahrscheinlich und sehr teuer das noch einmal zu ändern.

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Hi! Ich habe bei einem Freund nachgefragt, der in der Ukraine für die Regierung arbeitet. Die дія App lädt man sich (auch) von der in der Ukraine gehosteten Website des Digitalisierungs-Ministeriums runter.

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