LdN 464 Gerichtsentscheidung zur Untermiete

Hier ist Platz für Kommentare zum Untermiete-Entscheid und die Lagefolge dazu. :wink:

Hier wurde die Aussage getroffen, dass Mieter mit Absprache des Vermieters einen erheblichen Aufschlag auf die Miete verlangen können. Lachend wurde hinzugefügt, dass man sich das schriftlich geben lassen sollte. das wurde dann im Nebensatz relativiert, da die mietpreisbremse nicht ausgehebelt werden darf.

Der letztgenannte Punkt ist aber doch extrem wichtig, ich meine mich zu erinnern, von Fällen gelesen zu haben, in denen zb der Eigentümer die Wohnung an zb Ehepartner oder Schwager etc. Vermietet, damit dieser dann einen erheblichen Aufschlag bei der weitervermietung verlangen kann. Eine schnelle Recherche hat dazu nicht viel ergeben, weil alle Suchergebnisse bloß das aktuelle Thema aufgreifen.

Zudem stellt sich mir die Frage, wie man solche Modelle als Mieter überhaupt aufdecken kann, und ob der Mieter die Macht hat, das zu unterbinden. Wenn das Kündigungsrecht des Eigentümers das einzige Instrument zur Unterbindung darstellt, werden solche Modelle doch eher gestärkt als geschwächt.

Hat dazu jemand Fakten oder Meinungen?

Interessant fand ich bei dem Thema, dass Vermieter’innen Bewerber’innen ablehnen dürfen, die mehr als 30% ihres Einkommens für die Miete aufbringen müssten. Allerdings geht das doch sehr an der Realität vorbei. Um dies zu erfüllen, müsste man doch entweder den Mindestlohn oder die Mietpreisbremse so gestalten, dass diese Bedingung wenigstens statistisch erfüllt werden kann.

Wenn eine mittelpreisige Wohnung frei ist, bewerben sich nicht nur genau diejenigen, die so viel verdienen, dass sie 30% ihres Einkommens für die Miete ausgeben würden. Es bewerben sich immer auch reichere und ärmere. Und die Vermieter’innen werden tendenziell immer eher die reicheren Bewerber’innen bevorzugen, weil die selbst bei Jobverlust eher in der Lage sind, die Miete langfristig zu bezahlen, weil sie genug Geld haben, immer was auf die hohe Kante zu legen oder auch einfach schneller einen neuen Job finden, weil sie bessere Kontakte haben oder besser qualifiziert sind.

Wenn eine Wohnung allerdings nicht so attraktiv ist, dass Besserverdienende sie mieten wollen, weil die auch immer etwas besseres finden und bezahlen können, dann kann entweder die Miete verringert werden oder man vermietet einfach an Leute mit weniger Einkommen. Und wenn das geht, warum sollte man sich dann mit weniger Miete zufrieden geben?

Seit der Öffnung des deutschen Immobilienmarktes für internationale Investoren gerät der Wohnungsmarkt in eine immer größere Schieflage. Geld fließt in Form von Mieten in andere Länder, ohne dass es dafür einen Ausgleich gibt. Wir können nicht einfach in anderen Ländern Immobilien kaufen. Die Mieten sind so hoch, dass viele nicht noch zusätzlich private Altersvorsoge betreiben können. Und sparen, um ein Eigenheim zu finanzieren, können sie auch nicht. Zumal die Kaufpreise in halbwegs attraktiven Lagen extrem gestiegen sind. Wir brauchen auch mehr Investitionen in Infrastruktur auf dem Land, damit die dort leerstehenden Immobilien vermietet oder verkauft werden können.

Dabei ist doch Wohnen ein Grundbedürfnis! Deshalb müsste der Staat hier dafür sorgen, dass die Menschen auch unter zumutbaren Bedingungen wohnen können. Es gibt genug Wohnraum, er ist nur extrem ungerecht verteilt. Superreiche kaufen sich mehrere Ferienhäuser am Meer, in der Bergen und dazu noch Wohnungen in mehreren Städten, damit sie bei Bedarf nicht ins Hotel gehen müssen. Dazu kommen noch alte Menschen, die allein in großen Wohnungen oder Häusern leben, weil sie bei einem Umzug kein Geld sparen würden, aber ihre gewohnte Umgebung aufgeben müssten. Was sollte sie da also motivieren?

Wenn schon gebaut wird, dann bitte dem Bedarf entsprechend. Nicht zig luxuriöse Townhouses, sondern Wohnungen für Familien. Und wer Ideen hat, um den Markt beweglicher zu machen, damit mehr Menschen umziehen (können), wenn sich die Größe der Familie ändert, dann immer her damit!

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