LdN 464 Beitrag zu Verdi-Streik und Verkehrswende

Danke, dass Ihr das Thema gebracht habt (und auch das ThemaErbschaftssteuer damit eingeleitet habt).

Vergessen habt Ihr meines Erachtens, dass gerade im Verkehrsbereich auch spezifische Instrumente zur Verfügung stehen, um Einnahmen zu generieren:
Der Autoverkehr wird weiterhin auch von den Kommunen massiv subventioniert - deutlich stärker als der öffentliche Verkehr.
Wenn man also eine Verkehrswende will, sollten nicht nur (aber auch) die Öffis besser finanziert werden, sondern auch der Autoverkehr weniger subventioniert (eigentlich ganz ähnlich wie bei der Diskussion bzgl. Teilzeitarbeit und Ehegattensplitting).
Nähere Infos dazu bzgl. Kommunen gibt es hier: Der Autoverkehr kostet die Kommunen das Dreifache des ÖPNV und der Radverkehr erhält die geringsten Zuschüsse

Bzgl. externer Kosten findet man hier eine Studie: Externe Kosten: Straßenverkehr verursacht über 90 Prozent

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Ich Antworte mal hier drauf, etwas unabhängig von dem Beitrag aber wollte kein neues Thema aufmachen da man das ja nicht unnötigerweise soll.

Apropos, könnte man die Beiträge vlt nach Lage/Abschnitt sortieren und kann dann dazu kommentieren (im Sinne es gibt ne grobe Struktur und man muss zwingend auswählen wozu man schreibt)? Dann müssten Moderatoren nicht so viel verschieben.

Zwei Gedanken die ich zur Folge464 hatte - ebenfalls zum Streik und zur Erbschaftssteuer:

Bei dem Thema mit dem Streik fehlt mir die Einordnung in die Gesamtsituation.Die Gewerkschaften fordern mehr und das ist ja für die Mitarbeiter schön. Aber es leidet jeder drunter. Wie ist es im Gegenzug mit Menschen in Berufen ohne Gewerkschaft? Putzkräfte? Die haben halt kein Druckmittel bzw hätten theoretisch eins aber haben keine Gewerkschaft. Deren Löhne sind bestimmt auch im Vergleich zur Inflation gesunken. Gewerkschaften sind schön aber da es sie nicht für alle gibt bringen sie auch eine Ungerechtigkeit in die Gesellschaft, die meines Wissens im Diskurs selten thematisiert wird. Plus leiden auch noch die Putzkräfte und ähnliche Berufsgruppen, die nur mühsam zur Arbeit kommen, wie in dem geschlossenen Thema hier zu Streiks richtigerweise angemerkt wurde.

Plus kämpfen Gewerkschaften auch tlw blind für Leute, das hab ich teils bei Kollegen gesehen (nicht im generellen Kontext sondern wenn man sich mit einem Anliegen direkt an die Gewerkschaft wendet), die einfach immer mehr wollen und sich trotz objektiv guter Situation schlecht behandelt und in einer Opferrolle fühlen.

Bezogen auf z.B. solche Situationen würde ich mir in der Gesellschaft mehr Reflexion und am mancher Stelle Bescheidenheit von oder eine Einordnung an diese Personen wünschen. Generell fände ich oft einfach bei aktuell diskutierten Themen eine breitere Einordnung / in eine Metaebene heben sinnvoll. Also nicht nur bei euch, gesamtgesellschaftlich.

Zum Thema Erbschaftssteuer und Geldeinnahme etc würde ich mir eine Recherche/Einordnung von euch wünschen - würde die Politik besser wirtschaften, bräuchten wir dann unbedingt so viele mehr Einnahmen?

Unabhängig vom Gerechtigkeitsaspekt/Startgleichheit natürlich. Ich komme darauf weil man ja aktuell immer hört, Deutschland braucht Einnahmen, Teilzeitverbot, Bürgergeldkürzung, nein lieber Erbschaftssteuer… - vielleicht ist ein ganz anderer Ansatz im Sinne von besser Wirtschaften auch interessant.

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Man könnte besser wirtschaften und die Einnahmen stärken. In der Bildung zum Beispiel könnte man auch heute schon mehr investieren, weil zu sehr gut gewirtschaftet wird.

Zu den Streiks möchte ich gegenhalten, dass die Arbeitgeber nicht mal ein Angebot vorgelegt haben. Damit ist jedes Argument gegen den Streik aus meiner Sicht obsolet. Ansonsten hast du recht, dass jeder in einem nicht tarifgebundenen Betrieb, der nicht entsprechend gut verhandelt, gekniffen ist. Zumindest in der Putzbranche verdienen direkt Angestellte und Selbstständige in der Regel gut. Die anderen sind bei großen Firmen beschäftigt. Sie könnten also einen Betriebsrat gründen (theoretisch).

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Die Reallöhne sind weiterhin auf dem Level von 2019, besonders in 2021 und 2022 gefallen, und trotz der Steigerungen der letzten 2 Jahre noch nicht wieder da wo wir mal waren:

Gleichzeitig ist aber das BIP aber gewachsen (sprich Gewinne haben stattgefunden):

Wieso sollte da Arbeitnehmer “Bescheidenheit” an den Tag legen, wo doch offensichtlich genügend erwirtschaftet wird?

Nochmal: Man verdient heute im Durchschnitt soviel wie in 2019, aber die Kosten sind überall gestiegen. Begnügt man sich also mit neuen Nullrunden, dann wird die Finanzierung des täglichen Lebens noch schwieriger. Gleichzeitig bremsen niedrige Lohnabschlüsse die Binnennachfrage. Wenn ich nicht genügend Geld habe kann ich es auch nicht für Waren und Dienstleistungen ausgeben.

Und zur Diskrepanz oraganisierte Arbeitnehmer vs Einzelkämpfer (aka Deine Putzhilfe): Das zeigt wie wichtig gemeinschaft und Zusammenhalt sind, denn nur so ist man stark genug um sich für besseren Lohn einzusetzen. Wir brauchen nicht wenige Organisiertheit der beschäftigten, sondern mehr.

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Ist das nicht ein bisschen ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen? Während die Reallöhne inflationsbereinigt sind, scheint mir das BIP in deiner Statistik lediglich das nominale (nicht inflationsbereinigt) zu sein. Wenn man sich die reale BIP Entwicklung anschaut, befindet sich das reale BIP auch noch auf dem Stand von Ende 2019. Das heißt, wenn man allein danach geht, hat sich hier anscheinend niemand was wirklich eingesteckt. Wir haben immer noch ungefähr die selbe Wirtschaftsleisung und Löhne von 2019.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/73760/umfrage/entwicklung-des-realen-bip-in-deutschland-bis-2011/

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Wenn man wirklich besser wirtschaftet, dann brauchen die Einnahmen nicht „gestärkt“ (= höhere Abgaben) werden.
Umgekehrt: Wenn man die Bürger noch mehr Gebühren und Abgaben aufbrummt und somit die Einnahmen erhöht, dann ist kein Anreiz mehr da besser zu wirtschaften.

Ich glaube ein bisschen Bescheidenheit täte der Gesamtgesellschaft ganz gut. Aktuell geht das europäische Wachstum auf Kosten anderer Länder, das ist auf Dauer nicht tragbar. Und was braucht man hier in Europa das 5000 Smartphone wenn das alte Handy auch noch funktioniert hat?

Unabhängig davon meinte ich aber nicht dass jeder ne Gewerkschaft bräuchte (was sicherlich nett wäre) sondern die aktuelle Situation dass es eben nicht so ist und dass mir das in der Darstellung fehlt.

Aber auch wenn jeder ne Gewerkschaft hätte - dann bräuchte es wieder Bescheidenheit weil es geht nicht dass alle Berufsgruppen immer noch mehr kriegen, unbegrenztes Wachstum ist nicht möglich, wir haben hier nur begrenzte Ressourcen

Zustimmung.
Leider wird sehr häufig diese Bescheidenheit eher von anderen Menschen eingefordert. (NIMBY). Daher freue ich mich über jeden, der mit positiven Beispiel voran geht. Danke.

Es geht doch bei Arbeitskämpfen nicht darum, die Art des Wirtschaftens mit den planetaren Grenzen kompatibel zu gestalten. Es geht darum, wie die Gewinne des Wirtschaftens und die Produktivitätszuwächse zwischen AN und AG-Seite aufgeteilt werden.

Das ist mit einem Suffizienzgedanken zu verbinden, vermischt zwei völlig unterschiedliche Themen.

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Sorry, dem muss ich widersprechen: Die Vermischung dieses Verteilungskonflikts mit einem allgemeinen Wachstumsverzichtsgedanken ist mehr als problematisch. Produktivitätszuwächse entstehen durch Investitionen, Innovation, unternehmerisches Risiko und effiziente Organisation. Das Risiko trägt allein der Unternehmer. Wer das ultimative Streben nach Wachstum, Effizienz und letztlich Maximalen Profit grundsätzlich infrage stellt , schwächt am Ende auch die Verhandlungsposition der Beschäftigten. Von einer Aufteilung der Produktivitätszuwächse kann also keine Rede sein.

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Ja, was erlauben sich diese Arbeiter und Angestellten, sollen doch happy sein, dass sie überhaupt bezahlt werden /sarkasm off

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Einfach so? Oder muss irgendwer die investierten Maschinen bedienen, die innovativen Ideen haben und in dieser effizienten Organisation arbeiten? Und sind diejenigen nicht auch Teil gestiegener Produktivität?

Wie sich das unternehmerische Risiko alleine auf Unternehmerseite auswirkt, kann man mal die Volkswagen-Beschäftigten fragen.

Und den Teil mit dem Wachstumsverzicht in meinem Beitrag hast du entweder nicht oder falsch verstanden. Lies mal den Beitrag, auf den ich geantwortet habe, dann wird vielleicht klarer, was ich meinte.

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Mal so anekdotisch aus meiner Region.

Automobilzulieferer IAC schließt Produktionsstandort in Plattling

Dieses Unternehmen verliert - wie leider derzeit viele andere Großunternehmen und auch mittelständische Unternehmen - seine getätigten Investitionen. Der Unternehmer profitiert von den Gewinnen, wenn es floriert und er bezahlt im schlimmsten Fall mit allen Einlagen, wenn es schiefgeht. Das nennt sich Unternehmertum.

Die Arbeitnehmer sind nicht an den Gewinnen unmittelbar beteiligt (höchstens durch moderate Bonuszahlungen oder Intensivierungen). Sie werden jetzt aber auch nicht in der Insolvenz an den Kosten beteiligt.

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Die Entscheider sind ja selbst Angestellte. Die bekommen weiter ihren Lohn und alles ist gut.
Für die Invesroren ist es Teil einer Mischkalkulation. Wenn eine Sparte nicht läuft, wird sie abgestoßen und durch eine andere ersetzt. Stichwort: Diversifikation.
Weder in der obersten Führungsebene noch als Investor trägt man irgendwelche Risiken.