LdN 463 Ehegattensplitting

Hallo Zusammen,

erst einmal vielen Dank für die tolle Arbeit die ihr macht! Ich bin in dieser Lage über ein kurz angesprochene Thema gestoßen, dass mich in der Debatte schon länger stört.

Es geht um das Ehegattingsplitting, bei dem es oft so dargestellt wird, dass es sich mehr lohnt, bzw. mehr Steuerersparnis gibt, wenn man starke Gehaltsunterschiede hat. Beispiel in diesem Podcast 0€ und 140.000€ vs. 70.000€ und 70.000€.

Das stimmt nicht. Egal wie die Lohnverteilung in der Ehe ist, werden am Ende des Jahres auf das gemeinsame Einkommen gleich viel Steuern gezahlt. Somit lohnt es sich immer insgesamt mehr zu verdienen. Lediglich innerhalb des Jahres gibt es durch die unterschiedlichen Steuerklassen III/V oder IV/IV unterschiedliche Anreize. Welche Variante man davon wählt ist jedem selbst überlassen. Ich persönlich bevorzuge IV/IV, da ich nicht einsehe wegen dem Lohnunterschied, am Ende des Monat weniger von Netto von meinem Gehalt zu bekommen. Aber es gibt sicherlich Familien die die andere Steuerklasse aus unterschiedlichsten Gründen bevorzugen und da finde ich es auch okay, wenn sie diese Möglichkeit haben.

Korrigiert mich gerne, wenn es über das Gesamtjahr gesehen, tatsächlich Steuerersparnisse bei große Lohnunterschiede gibt. Ich habe sie bisher noch nicht entdeckt.

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Immerhin spart man sich den halben Pendelweg, da nur einer fahren muss. Die Frage stellt sich in der Regel auch nicht, ob 70’/70’ oder 140’, sondern 140’ oder noch was dazu. Denn der Partner verdient ja nicht plötzlich die Hälfte, weil ich jetzt zum arbeiten anfange. Und da ist es dann einfach unattraktiv, wenn ich mich noch ein bisschen bei Lidl an die Kasse setze und dafür den Spitzensteuersatz zahle.
Und wenn man von Steuern auf Abgaben schaut, stellt es sich sowieso wieder ganz anders dar.

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Das Thema ehegattensplitting war schon öfter Thema hier im Forum. So wie es in der Lage oftmals dargestellt wird, hat nichts mit der Realität zu tuen. Und wenn man das Ehegattensplitting von heute auf morgen abschaffen würde, hätten viele Familien ein riesen Problem, weil es eben nicht einfach mal so geht, dass dann der eine Partner plötzlich mehr verdient oder einfach mehr arbeiten geht.

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Für mich ist und bleibt das ein absolutes Pseudoargument. Als gäbe es nur Ehepaare bei denen einer mindestens 150k verdient. Ist es für das Paar, bei dem einer 55k verdient und der andere 0 also auch unattraktiv was dazu zu verdienen? Ab welchem Steuersatz und ab welcher Einkommensverteilung ist es dann attraktiv?

Außerdem habe es schon so oft in dieser Diskussion, auch hier im Forum, angemerkt: Niemand hält das 0/140k Paar davon ab sich getrennt veranlagen zu lassen. Dann zahlt derjenige, der „noch ein bisschen bei Lidl an der Kasse sitzt“ auch nur seinen individuellen, und nicht den Spitzensteuersatz.
Aber jetzt kommt gleich wieder jemand der mir erklärt, dass das ja niemand macht. Natürlich nicht, weil es idR unsinnig ist. Die meisten Paare sind halt keine Individuen die finanziell getrennt nebeneinander her leben. Es kommt darauf an was unterm Strich rum kommt und nicht ob die Steuer auf Gehaltszettel 1 oder 2 höher oder niedriger ist.

Daher halte ich auch die Vorstellung unsinnig, dass sich jemand hinsetzt und überlegt: Joa eigentlich würde ich ja arbeiten, aber mein Partner, der verdient soooo viel mehr und deswegen arbeite ich doch lieber nicht, denn wegen dem Ehegattensplitting da zahle ich ja mehr Steuern als wenn ich Single wäre. Die meisten Menschen kennen kaum den Unterschied zwischen Durchschnitts- und Grenzsteursatz.

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Die Realität ist eher: joa, eigentlich würde ich ja gerne arbeiten, aber mein Partner hat mir vorgerechnet, dass sich das bei seinem Verdienst nicht lohnt und es besser ist, er arbeitet und ich mache den Haushalt. Oder

Und schauen nur auf den Lohnzettel und der schaut bei Steuerklasse 5 und vollen SV-Beiträgen schon ziemlich mies aus.

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Darum fordert das auch niemand. In der Lage wurde vorgeschlagen, das Splitting nur bei neuen Ehen nicht mehr anzuwenden. Und etwa die Grünen schlagen schon lange ein an Kindern orientiertes Splitting unabhängig vom Ehestatus vor, was ich persönlich auch sehr viel sinnvoller finde.

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Die Steuervorteile ergeben sich nur zwischen Einzelveranlagung und gemeinschaftliche Veranlagung. Aber ich finde man muss es bei der Abschaffungsdiskussion andersherum sehen:

Paar A: Gleicher Verdienst

Paar B: Ungleich

Mit Ehegattensplitting: Beide werden gleich betrachtet, zahlen gleich viel Steuern.

Ohne Ehegattensplitting: Paar B muss mehr Steuern zahlen, hat also eine echte Benachteiligung.

Ja ohne Splitting, wäre das ein Anreiz den Lohnunterschied klein zu halten. Finde ich aber ungerecht gegenüber allen, welche keine Möglichkeit auf gleiche Gehälter haben - sei es allein schon wegen unterschiedlichen Jobbranchen (was eine andere Debatte ist) und nimmt die Flexibilität den Familienalltag individuell anzupassen.

Ein kinderorientiertes Splitting fände ich ebenfalls deutlich sinnvoller als die Diskussion es Abzuschaffen.

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Die Frage ist, ob die Steuergesetzgebung die Lösung für das Frauchen am Herd ist, die von ihrem Ehemann belogen wird um kleingehalten zu werden.

4/4 ist der Standard, man hat sich ganz bewusst dafür entschieden. Aber ich fand die Ampel Lösung 4 mit Faktor für alle gut, denn damit wird dieser psychologische Effekt verhindert.

5/3 abschaffen ist aber etwas grundsätzlich anderes als Splitting abzuschaffen. Schafft man Splitting ab, werden mehr Menschen arbeiten, weil sie es sich nicht anders leisten können zu leben. Tolle Reform.

Ähnlicher Vorschlag: Wie wäre es mit Familienversicherung abschaffen? Wenn für den Partner (100%) und die Kinder (50%) aller Behandlungskosten bar zahlen muss, überlegt man sich zweimal, ob Hausfrau/Mann eine gute Idee ist.

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Es ist ein absolutes Nicht-Problem. Jedes Paar kann die eigene Aufteilung wählen, die Steuerbelastung auf Jahressicht ist letztlich dieselbe. Die einzige “Gerechtigkeit”, die hier dran hängt, ist die unterschiedliche Zahl auf dem Lohnzettel, die in der Realität einer Zugewinngemeinschaft jedoch bedeutungslos ist (gemeinsame Kasse).

Persönlich halte ich IV/IV für deutlich angenehmer, weil große Nachzahlungen vermieden werden, aber es ist einfach egal.

Der echte Unterschied liegt in der Möglichkeit der Zusammenveranlagung, die die Ehe für Paare mit relevantem Einkommensunterschied praktisch zur Pflichtübung macht, wenn man ein wenig rechnen kann. Zugegebenermaßen gibt es aktuell weitere bedeutende monetäre Anreize (z.B. Schenkungs-/Erbschaftsfreibeträge), aber das ist ja noch ein anderes Thema.

Edit: einen Punkt noch zur Ergänzung: III/V ist zur Optimierung von Leistungsbezug nutzbar, z.B. vor einem Elterngeldbezug das Nettogehalt der Ehefrau boostern, indem sie StKl III erhält, da sich die Elterngeldhöhe auf das Nettogehalt bezieht. Es gibt einfach so viele absurde Regelungen bei uns…

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Fände ich auch gut. Bitte dann aber auch die Pflichten abschaffen.

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Mir fehlt immer eine Darstellung was denn die Alternative wäre?

Wenn es kein Ehegattensplitting gäbe, dann würde man ja das gleiche Netto verdienen, egal ob der Partner arbeitet oder nicht. Aber man finanziert ja die Person mit.

Würde in dem Fall nicht der Steuerfreibetrag des Partners angerechnet werden und man hätte dann ein mathematisch anders beschriebenes Splitting?

So lange niemand eine Alternative gleichzeitig beschreibt, verstehe ich es immer als ersatzlose Abschaffung. Also die Ehegemeinschaft muss weiter füreinander einstehen, für die Steuer wird sie aber wie zwei Singles behandelt.

Daher kommt dann auch die Förderung von Arbeit: die 1600€ Steuerersparnis (bei 60k&18k Einkommen) muss ja irgendwie ausgeglichen werden, wenn man das Geld braucht. Der Teilzeit-arbeitende geht dann mehr arbeiten.

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Und in dem Fall wäre ich kategorisch dagegen.

Das wäre einfach nur eine weitere Steuererhöhung von vielen. Warum sollte ich den zustimmen? Ich muss schon privat vorsorgen, ich muss den Arzt privat bezahlen, wenn ich einen Termin bekommen will, ich muss die Kinderbetreuung meiner Kinder bezahlen, ich muss zwei Autos finanzieren, weil der ÖPNV Müll ist, also warum in aller Welt sollte ich für eine weitere Steuererhöhung sein?

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Na weil es die Gleichberechtigung fördert, wenn Frauen arbeiten gehen müssen, wenn sie sich sonst das Leben nicht mehr leisten können.

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Das Ehegatten Splitting fördert ein spezifisches Lebensmodell: Verheiratete Partner unabhängig von vorhandenen Kindern. Die Alternativen hängen davon ab, welches Lebensmodell man stattdessen fördern möchte. Dabei kann man nicht nur die Gruppe der Berechtigten verkleinern, sondern sie auch vergrößern.

Ein gängiger Vorschlag ist ein Splitting, dass sich an Kindern und nicht (oder nicht nur) am Ehestatus orientiert. Andere Vorschläge würden gerne einfach eheähnliche Beziehungen auch vom Splitting profitieren lassen. Ich persönlich könnte mir auch die Bedarfsgemeinschaft (also die Gesamtheit aller Personen gleich welchen Alters, die füreinander Verantwortung übernehmen und in einem familienähnlichen Verhältnis in einem Haus/Wohnung leben) als “Bezugsgröße” vorstellen.

Das Ehegattensplitting ist die Subvention eines Beziehungsmodells, das zunehmend an Bedeutung verliert und auch seine historische Funktion (gegenseitige Versorgung) nicht mehr erfüllt (ein Drittel der Ehen wird geschieden, viele tatsächlich lebenslange Partner gehen keine Ehe ein). Entsprechend finde ich die Diskussion darüber, ob man die staatliche Subvention nicht auf eine etwas anders zugeschnitten Zielgruppe lenkt durchaus angemessen.

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Das stimmt nicht. Egal wie die Lohnverteilung in der Ehe ist, werden am Ende des Jahres auf das gemeinsame Einkommen gleich viel Steuern gezahlt.

Lediglich innerhalb des Jahres gibt es durch die unterschiedlichen Steuerklassen III/V oder IV/IV unterschiedliche Anreize.

So wie ich das sehe, wurde hier im Thread nicht weiter drauf eingegangen. Und ich bin etwas verwirrt. Zum einen glaube ich zu wissen, dass die Steuerklassen tatsächlich keinen Unterschied machen, wie viel Steuern am Ende des Jahres gezahlt werden. Allerdings scheint Ehegattensplitting tatsächlich einen Unterschied in der Steuerlast zu haben. Beim Ehegattensplitting werden die beiden Einkommen addiert, dann halbiert, und hierauf die Steuer berechnet (die dann wiederum verdoppelt wird). Da wir ein progressives Steuersystem haben, würde sich hierbei tatsächlich eine Steuerminderung ergeben. Wenn A 0 € verdient und B 100.000 €, dann würden beide insgesamt weniger Steuern zahlen, da die Steuern, die man auf 100.000 € zahlen müsste, aufgrund der Progressivität mehr als doppelt so groß sind wie die Steuern, die man auf 50.000 € zahlen muss.

Oder?

Weil wenn dem alles so ist, dann hat doch die Steuerklasse mit dem Ehegattensplitting erst einmal nichts zu tun, oder? Und Ehegattensplitting würde zu Steuerersparnissen führen. Ich bin etwas verwirrt.

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Fenric, ich gebe dir Recht, ich bin während der Diskussion ein wenig schlauer geworden und habe im ersten Post zwei Sachen miteinander vermixt.

Allerdings verstehe ich es so, dass die Steuerersparnis gegenüber der Einzelveranlagung ist und nicht gegenüber der Lohnverteilung.

Paar A mit ungleicher Verteilung zahlt mit Ehegattensplitting gleich viel Steuern wie Paar B mit gleicher Verteilung. Paar A müsste bei Einzelveranlagung allerdings deutlich mehr Steuern zahlen, während Paar B durch die gleichmäßige Verteilung bereits weniger Steuern bezahlt und es deshalb keinen Unterschied macht.

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Wenn die Frau zu Hause bleibt um care Arbeit zu machen und der Mann Vollzeit arbeitet, weil er ein höheres Gehalt hat, helfen Ehe und Splitting bei dieser Entscheidung enorm.
Ich hätte dieses Beispiel geschlechtsneutral formulieren können, habe es aber bewusst nicht getan, weil es so wohl nach wie vor öfter vor kommt und diese Wahrheit keine unbequeme sein muss.
Letztlich sind Ehe und Splitting für mich optionale Tools, welche Paaren in deren individuellen Situation mehr Gestaltungsmöglichkeiten geben.

Ich habe das Gefühl, dass Ehe und Splitting teilweise eher als Zementierung des Patriarchats gesehen werden. Das schwingt auch hier in den Kommentare teilweise mit. Die Frau von heute ist aber selbstbestimmt und smart genug die Steuerklasse auszuwählen, die für ihre Vorstellung vom Leben am besten passt. Wer meint die Frau durch Abschaffung des Splittings vor einem klassischen Rollenmodell beschützen zu müssen, bevormundet sie meiner Meinung nach nur und beraubt Paaren dieser Wahlmöglichkeit.

Kommt aber nur Paaren zugute, die formal eine Ehe geschlossen haben (und sie auch schließen konnten). Was ist, wenn die zwei Personen nicht heiraten wollen und/oder können? Wenn beispielsweise eines von zwei Geschwistern die Pflege der Eltern übernimmt. Oder die Oma in Teilzeit geht, um das Enkelkind zu betreuen, damit die Mutter weiter berufstätig bleiben kann.

Die grundlegende Idee des Splittings (wir veranlagen mehrere Personen steuerlich zusammen, da ihre individuellen Einkommen einem gemeinsamen Zweck zugeführt werden) ist ja sinnvoll. Aber die Eingrenzung auf das recht arbiträre Konzept einer “Ehe” ist gegenüber anderen, funktional gleichen oder im Einzelfall sogar sinnvolleren Lebenssituationen diskriminierend.

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Ich halte das Ehegattensplitting grundsätzlich für richtig, weil die Ehe eine rechtlich verbindliche Solidargemeinschaft mit gegenseitigen Unterhalts-, Haftungs- und Versorgungspflichten ist. Zwei Verheiratete bilden deshalb zu Recht auch steuerlich eine wirtschaftliche Einheit.
Falsch ist jedoch, dass diese steuerliche Privilegierung heute unabhängig davon gewährt wird, ob diese Gemeinschaft einen gesellschaftlichen Beitrag leistet.

Kinder sind keine reine Privatsache, sondern die Grundlage für das Funktionieren von Rentensystem, Arbeitsmarkt und Staat. Eltern erbringen mit ihrer Erziehungsleistung eine langfristige Vorleistung für die gesamte Gesellschaft.
Deshalb sollte das Ehegattensplitting an Kinder geknüpft werden. Ehe ja, rechtlicher Schutz ja, aber steuerliche Bündelung nur dort, wo auch Verantwortung für die nächste Generation übernommen wird. So würde das System nicht Lebensformen fördern, sondern das, was für die Zukunft des Gemeinwesens entscheidend ist.

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