Lieber Philip, lieber Ulf,
erstmal möchte ich mein Mitgefühl ausdrücken. Eure Erfahrung mit den angezeigten, aber nicht fahrenden Zügen klang wirklich sehr frustrierend. Dazu noch all die Versuche, zum Bahnhof zu gehen, dort lange zu warten, um dann doch keinen Zug zu bekommen. Ich kann verstehen, dass die Wut dann hoch kocht, aber ich kann nicht verstehen, dass ihr diese Wut dann im Podcast herauslasst und nicht wie andere Bahn-Opfer bei Freunden oder Verwandten oder der Bahn-Hotline.
Zum Inhalt des Rants möchte ich die Frage aufwerfen, wieviel Weltwissen wir als Gesellschaft von Bahnnutzer verlangen wollen. Ist es in Ordnung, dass Bahn-Nutzer nur “die Bahn” als Konzept im Kopf haben und nicht wissen, dass es verschiedene Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVUs) gibt? Man kann das analog zu anderen Lebensbereichen sehen: ist es okay, wenn jemand sagt “das Internet geht nicht” und selbst nicht versteht, dass sein Internet aus seinem heimischen WLAN besteht, dann seinem ISP (Zugangsprovider wie T-Online, Vodafone, usw), dann der Suchmaschine (die man meistens zunächst benutzt) und schließlich den einzelnen Webseiten. Würdet ihr es in Ordnung findet, wenn jemand über “das Internet” einen Rant ablässt, obwohl sein Zugriffsproblem z.B. durch eine Browser-Extension verursacht ist, die er selbst installiert hat?
Ich möchte Euch bitten, zumindest ein kleines Update zum Thema zu machen und ein paar Tipps zu teilen, wie man mit Bahnstörungen als Fahrgast umgehen kann. Den ersten Tipp hierfür habt ihr schon richtig gegeben: unbedingt mehrere Informationsquellen nutzen! Fast immer liegt zumindest eine Quelle richtig und wenn man diese als solche identifiziert hat, weiß man Bescheid!
Es gibt nicht “die Bahn” genauso wenig wie es “das Internet” gibt. Im Regionalverkehr sollte man zumindest in der eigenen Heimatregion wissen: wer fährt die Züge (in Berlin z.B. neben DB Regio, auch ODEG und NEB; in Hamburg u.a. der Metronom) und wer plant und bestellt die Züge (in Berlin wäre das der VBB, im Umland von Hamburg nah.sh). Das mag umständlich und kompliziert klingen, aber moderne Menschen verstehen doch auch den Unterschied zwischen Internet-Provider, Streaming-Dienst, WLAN-Router, Suchmaschine, usw.
Und drittens: bei widersprüchlichen Informationen könnte man vielleicht doch mal von einem Mitarbeiter eine Erklärung einholen, damit man damit den Widerspruch auflösen kann. Oft gibt es eine einfache Erklärung, die man sich auch für’s nächste Mal merken kann. (Z.B. das Bahnunternehmen XY veröffentlicht seine Meldungen nur über xy-bahn.de und die DB Apps oder Bahnsteig-Anzeigen.)
Liebe Grüße aus Berlin,
Robert Will