Hallo,
ich kann Philip und Ulf auch in der aktuellen Ausgabe nicht verstehen. Sie verteidigen die Kriegsdienstverweigerung, als würde im Kriegsfall sich nichts ändern. Das Argument, was viele hier vergeblich versucht haben zu setzen, zweifelt die Verweigerung vor allem aus einer praktischen Perspektive an:
Im Krieg wollen Staaten ihre Souveränität so gut es geht verteidigen. Dabei geht es ihnen nicht unbedingt primär um das Wohl ihrer Bürger:innen, sondern vor allem um ihre Souveränität. Dies sieht man besonders gut an dem Beispiel der Ukraine. Hier wurde das Recht auf Kriegsverweigerung zu Beginn des Krieges ausgesetzt. Männer, die sich dem entziehen wollen, wurden von der Straße gekidnappt und ins Trainingslager gezerrt. Menschen, die sich weigerten werden mit bis zu 5 Jahren Knast bestraft. Das ist Realität.
Wer jetzt argumentiert “Das ist die Ukraine und nicht Deutschland”, versteht meines Erachtens den Punkt nicht. Auch in der Ukraine haben Menschen gedacht, dass sie sich auf ihre Rechte verlassen können. Das denken auch Menschen in Deutschland. Wir sehen doch schon jetzt bei unzähligen Poliizeiaktionen, dass Razzien oft im Nachhinein als rechtswiedrig bewertet werden, dass politisch motivierte Aktionen gegen unliebsame Gruppen (bspw letzte Generation, ihr hattet das glaube ich damals auch thematisiert) im Nachhinein als rechtswiedrig bewertet werden.
Der Punkt ist: Viele (junge) Menschen vertrauen dem Staat nicht, im Extremfall die Rechte der Individuen zu schützen, wie das Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Ich glaube das auch nicht. Aus dieser Perspektive ist die Aussage: “Dann verweigere und mach doch Zivildienst” nicht ausreichend.
Wenn ich mir im Falle eines unprovozierten Angriffskrieges gegen Deutschland zu 100 % sicher sein könnte, dass ich nie an die Front müsste und alle Menschen gleichermaßen, egal ob sie die Kinder von Millionären oder armen Eltern sind, einen Dienst für die Gesellschaft (nicht für das Land) leisten, dann würde ich es tun.
Das ist aber nicht die Logik von Staaten und ich würde deshalb mit meinen Liebsten fliehen und dabei so vielen Menschen wie möglich helfen, es mir gleich zu tun.
Ich hoffe, das diesmal verstanden wird, worum es geht und Kritik nicht einfach mit Floskeln wie „Niemand wird zwangsweise in den Krieg geschickt“ beiseite gewischt wird.
Anbei noch ein paar Quellen: