Hallo in die Runde,
danke für das kritische Feedback und die neuen Quellen.
@Leopold1: Danke für den Hinweis auf die RWTH-Studie. Das ist ein wichtiger Punkt.
Ich habe mir dazu noch ein weiteres, sehr aktuelles Paper angesehen: Sagaria et al. (2025).
Deren Daten für ein 2030-Szenario erlauben eine Abschätzung:
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Verlust an Lebensdauer: Durch V2G erreichen die Batterien das „End of Life“ (80 % Kapazität) etwa 1,5 Jahre früher als ohne V2G (Rückgang von ca. 9,9 auf 8,5 Jahre bei durchschnittlicher Nutzung).
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Monetärer Schaden: Die Studie beziffert die notwendige Kompensation für diesen Verschleiß (plus Infrastrukturkosten) auf ca. 1.300 € bis 1.700 € über die Lebensdauer.
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Pro Jahr: Das sind also rund 150-170 € Kosten pro Jahr, die man von den V2G-Erlösen abziehen muss.
Wenn man bedenkt, dass V2G-Erlöse oft auf 400-700 € geschätzt werden, bleibt zwar ein Plus, aber die Marge sinkt entsprechend. Deshalb bleibe ich bei meiner Einschätzung, die ich hier im Forum schon im Juni 2024 vertreten hatte: V1G mit smarten Marktsignalen ist der eigentliche „Sweet Spot“.
Es verursacht quasi keine Zusatzkosten, benötigt keine teure Bi-Di-Wallbox und hebt trotzdem einen Großteil des Flexibilitäts-Potenzials für das Netz. Volkswirtschaftlich ist V1G der „No-Regret-Move“.
@HokusPokus1: Zu deinem „Copilot“-Kommentar: Klar nutze ich das. Die Gedanken und Argumente sind meine, aber Formulierung gebe ich inzwischen gerne an die KI ab. Die tippt schneller und strukturierter als ich. Der Inhalt zählt trotzdem.
Zu den technischen Details der Batteriealterung verweise ich auf die Antwort an Matder. Aber: Auch für V1G ist es entscheidend, dass die Preissignale stimmen. Und da sind wir wieder beim Marktdesign.
@longfellow: Du hast recht, aktuell sieht es politisch düster aus für Preiszonen. Aber: Die Haltung der ÜNB ist da nicht so uniform, wie es nach außen scheint. Öffentlich müssen sie der politischen Linie folgen. Intern wissen die Ingenieure aber genau, dass sich Physik nicht per Gesetz austricksen lässt: Die „Kupferplatte“ treibt den Redispatch-Aufwand in die Höhe und bringt die Systemführung ans Limit.
Genau deshalb ist es so wichtig, dass reichweitenstarke Formate wie die „Lage“ das Thema aufgreifen. Solange die breite Öffentlichkeit nicht versteht, dass die physikalische Illusion der „Kupferplatte“ uns alle jährlich Milliarden an Netzentgelten kostet, fehlt der Druck für echte Reformen. Gerade die pauschalen Aussagen der Union zum Erhalt der Einheitszone sollten nicht unkommentiert bleiben. Nur wenn die Vorteile einer Reform (sinkende Systemkosten, faire Standortfaktoren) in der Bevölkerung verstanden werden, wird das Thema überhaupt politisch umsetzbar.
Zu den 161 GW: Klar ist das eine Zuspitzung. Aber selbst wenn wir den PKW-Bestand halbieren (was wünschenswert wäre) ändert das an der Aussage nichts. Und wie du schon richtig sagst, kommen Wärmepumpen und die Elektrifizierung der anderen Sektoren ja noch obendrauf. Das physikalische Grundproblem bleibt also.
Und zu deinem Punkt bezüglich § 14a / Netzentgelte: Ich war mir nicht sicher, ob der Satz „Reicht das nicht aus…“ als Frage oder Feststellung gemeint war. Als Feststellung stimme ich dir zu: Für die lokale Netzdienlichkeit ist Modul 3 ein starker Anreiz und absolut sinnvoll.
Falls es als Frage gemeint war, verweise ich auf meine Erklärung im ersten Post: Das lokale Signal (§ 14a) löst das überregionale Problem leider nicht. Ein lokales Netzentgelt-Signal in Bayern „sieht“ nicht, dass die Höchstspannungsleitung in Hessen gerade dicht ist. Das Auto lädt also fleißig billigen Windstrom (börslich), der physikalisch gar nicht ankommt. Dafür bräuchten wir die Preiszonen.