Bidirektionales Laden

Hallo Biethahn,

meiner Meinung nach ist der Vorteil von V2G (bidirektionales Laden) gegenüber V1G (unidirektionales Smart Charging) nicht so groß. In der Regel werden Elektrofahrzeuge (EVs) nicht dort und dann an das Stromnetz angeschlossen, wo und wann tatsächlich Strom erzeugt wird. EVs stehen bestenfalls in der Nähe von PV-Anlagen, aber in der Regel nicht in der Nähe von Windkraftanlagen. Außerdem sind EVs tagsüber, wenn viel PV-Strom erzeugt wird, in der Regel nicht an das Stromnetz angeschlossen.

Der Strompreis wird überregional gebildet und berücksichtigt nicht die lokalen Gegebenheiten. In der Realität kommt es daher vor, dass der Strompreis niedrig ist, weil z.B. im Norden viel Windstrom produziert wird. Darauf reagieren flexible Lasten in ganz Deutschland. Das kann gut sein, muss es aber nicht. Ein EV in Bayern sollte in dem zuvor beschriebenen Fall nicht auf den Strompreis reagieren, wenn der Strom gar nicht von Nord nach Süd transportiert werden kann. Empfehlenswert wäre es, wenn Deutschland der Empfehlung von ACER folgt und eine Gebotszoneneinteilung zumindest in Nord und Süd vornimmt, um Engpässe im Stromnetz durch unterschiedliche Preissignale in verschiedenen Gebotszonen besser abbilden zu können.

Aber das ist ein anderes Thema. Nichtsdestotrotz ist Smart Charging auch bei einer einheitlichen Gebotszone dem „dummen“ oder eigenverbrauchsoptimierten Laden vorzuziehen und sinnvoll. Bei V2G stimmt aus meiner Sicht derzeit die Kosten-Nutzen-Analyse nicht. Pro Fahrzeug lassen sich nur geringe Mehrerlöse gegenüber V1G erzielen, die den technischen Aufwand nicht rechtfertigen.

Als Thema bietet sich aus meiner Sicht eher eine Diskussion über den „Bidding Zone Review“ an, der erheblichen Einfluss auf die regionale Verteilung der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland haben könnte. Insgesamt würde ein Gebotszonensplit (im Extremfall Nodal-Pricing) zu einem gesamtwirtschaftlich besseren Ergebnis führen.

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