LdN 458 "Dann verpisse ich mich"

Mein Leben für die Fehler der Anderen :thinking:

Vor 20 Jahren hätte ich eure Position (Ulf + Philip) geteilt. Heute ist mir diese Position zu opportun. Da fehlen mir gaaanz viele Aspekte (siehe unten). Und die Entscheidung, mein Leben zu geben ist viel komplexer.
„Verpissen“ würde ich mich nicht, sondern aus Solidarität als Sanitäter oder im Katastrophenschutz helfen.
Wenn ich nun zu lebensgefährlichen Einsätzen eingezogen würde und mich entscheiden könnte, dann kommen folgende Aspekte hinzu:

  • Mitbestimmung: Stichwort Himmelfahrts-Kommando. Ich lege mein Leben nur ungern in die Verantwortung anderer.
  • Solidarität mit dem Gegner: Stichwort Putin und Ukraine. Eventuell erschieße ich keinen Gegner, sondern ein Opfer. Jemanden, der nur da ist, weil er dazu gezwungen wurde - eine arme Sau!
  • Solidarität mit der Regierung: Für eine Regierung, die meine Ideale vertritt sterbe ich lieber. Für Putin, Trump, Merz, Netanjahu und Co. fällt mir das definitiv schwer (entschuldigt, dass ich diese Personen in einem Atemzug nenne - ich will sie auf keinen Fall gleich stellen!!)
  • Solidarität im eigenen Land: Es fällt mir leichter zu kämpfen, wenn ich mit den Superreichen zusammen im Graben stehe. So ist es aber nicht. Gerade Superreiche, die den größten Profit, die größte Mitbestimmung und Lenkung im Land haben und vermutlich auch die größte Schuld am Krieg haben, setzen sich im Krieg auf ihre Yacht und schippern lieber in der Karibik rum, weil die Versorgung mit Austern im eigenen Kriegsland desolat ist. Oder Superreiche erhalten eine Führungsrolle, bei der ihr eigenes Leben nie auf dem Spiel steht.
  • Haftung: Für Fehler, die ich selber mache stehe ich gerne gerade. Bei vielen Kriegen, steht man für die Fehler anderer gerade. Für die Fehler von Politik, Wirtschaft und Generationen. Stichwort billiges, russisches Gas. Natürlich auch für die Fehler des Gegners. Am Ende muss ich sterben, weil Putin das irgendwie gut findet.
  • Wertigkeit: Ich gebe ein ganzes Leben für was? Wie viel ist ein Leben wert? Was bewirkt mein Tod? Selbstwirksamkeit?
  • Fremdbestimmung: Mit einer Wehrpflicht ist man fremdbestimmt. Dadurch entsteht eine Art Selbstbedienungs-Mentalität oder Freifahrtschein für die Exekutive bzw. für die Mächtigen im Land. Wenn ich eine Pflicht-Armee im Rücken habe, verhalte ich mich als Machthaber anders. Kennen wir: Wenn ich einem Feind Alleine gegenüber stehe, bin ich vorsichtiger, als in der gleichen Situation mit 20 Freunden hinter mir.
  • Gewinnchance: Ich kämpfe lieber in einer starken, gut ausgerüsteten Truppe.
  • Generationengerechtigkeit: Am Ende stirbt die junge Generation für die Fehler der Alten.

Fazit: Am Ende sollte jeder selbst bestimmt und jeder Zeit frei entscheiden können, welches Risiko er im Krieg auf sich nimmt. Deserteure gibt es nicht!!! Nur Menschen, die ihre Risiken jederzeit selber einschätzen.

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