Mich erinnert diese ganze Diskussion an die Zeit der Maschinenstürmer oder eben die Verdrängung des Handwerks durch maschinelle Produktion. Was wir hier mit AI erleben, ist im Prinzip das Gleiche.
Diejenigen, die zuvor von der manuellen Herstellung eines Gutes gelebt haben, beklagen sich, dass ihr Gut nun maschinell viel günstiger hergestellt werden, sie deshalb nicht mehr konkurrenzfähig sind und ihr Handwerk langfristig ausstirbt (bzw. zur Nische für diejenigen wird, die sich etwas „Besonderes“ leisten wollen, vom Massenhandwerk zum Kunsthandwerk).
Ich muss sagen, dass ich da ein absoluter Anti-Romantiker bin, daher: Diese ganze Verklärung der Vergangenheit oder des Status Quo finde ich problematisch. Wenn AI-generierte Kunst (egal ob Bücher, Musik, Filme, Computerspiele, Bilder) tatsächlich so gut wird, dass der Kunde bereit ist, diese statt der handgemachten zu konsumieren, weil sie u.U. günstiger angeboten werden kann, dann ist das eben so. Was ist die Alternative? AI-Generation verbieten und dem Kunden damit das Recht zur Wahl nehmen? Das wäre so, als habe man damals die mechanischen Webstühle verboten, damit die Weber sich nicht beklagen, weil die Kunden „das Falsche“ (also das qualitativ ebenso hochwertige, aber günstigere Produkt) kaufen. Oder man hätte das Automobil verboten, damit die Kutscher weiter ihr Gewerbe ausüben können. Das kann’s einfach nicht sein.
Kunst wird es auch mit denkbar viel AI-Slop immer noch geben, aber der Markt wird natürlich härter. Aber es liegt am Konsumenten, ob er das will oder nicht - wenn sich hinreichend viele Konsumenten über AI bei Spotify, Amazon und co. beklagen, werden die Dienste von sich aus einen Filter einbauen - und wenn nicht, werden Alternativen entstehen. Verbote bringen da rein gar nichts. Eine Kennzeichnung von AI-generierten Inhalten wäre natürlich wünschenswert, aber es ist auch denkbar, dass es wie bei der Handwerkskunst umgekehrt laufen wird: Dass AI-generierte Kunst der Standardfall wird und menschengemachte Kunst sich selbst als solche labelt, um als „exklusiv“ zu gelten, analog wie heute „Handgemacht / Handwerkskunst“ beworben wird.
Das Ganze ist jedenfalls ein gesellschaftlicher Aushandlungsprozess und als solcher etwas ganz normales, was mit jeder technischen Innovation immer mal wieder vorkam. Wie gesagt, als die Maschinen kamen betraf es die Weber, als das Auto kam die Kutscher (und die Pferdezucht, und die Wagner…), als der Digitaldruck kam die Schriftsetzer (und viele andere Berufsbilder) und dafür können wir etliche Beispiele finden. Jetzt sind erstmals die primär kreativen Jobs an der Reihe. Das ist der Preis des Fortschritts.
In 20 Jahren wird man vermutlich auf diese Diskussionen zurückblicken und sich fragen, wie eine Welt ohne AI gewesen sein möge. Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass die Welt sich auch mit AI-Kunst weiter drehen wird. Entweder, die AI-Kunst wird tatsächlich vergleichbar gut mit „menschengemachter Kunst“ und setzt sich durch, oder sie wird weiterhin „erkennbar“ bleiben und als „Kunst zweiter Klasse“ betrachtet. Gerade bei Musik z.B. fehlt mir bei AI-Musik einfach die Persönlichkeit dahinter - Musik ist eben dann doch mehr als das Zusammenbasteln von Tönen, die Künstler hinter der Musik sind nicht nur für Live-Auftritte relevant, sondern auch ein Teil der Faszination von Musik. Und so sieht es bei jeder Kunstform aus. Das wird AI so schnell nicht ersetzen können.