meiner Meinung nach ist es keine gute Idee die Bundeswehr zur zentralen Instanz der Drohnenabwehr zu machen. Es wäre auch einfach nicht notwendig.
Notwendig ist, das die Bundeswehr weitreichendere Befugnisse bekommt ihre eigenen Einheiten auch innerhalb deutschlands zu schützen. So muss diese auch im Rahmen von Manövern etc. aktiv handeln dürfen, wenn der Verdacht besteht das eine Drohne ungutes vor hat. Private Drohnen sind im Zweifelsfall billig zu ersetzen… Das macht man mit dem Bauern ja auch dessen Acker man umpflügt.
Für den Einsatz in allen anderen Bereichen sehe ich die Bundespolizei als einzige Möglichkeit an, wenn man es unbedingt zentral möchte. Hier dürfte es auch rechtlich deutlich einfacher machbar sein.
Bundes- und Landespolizeien sind auch heute schon eingespielte Teams, da ohne Not einen weiteren Akteur mit reinzuziehen ist weder notwendig, noch sinnvoll.
Ein weiteres, vielleicht noch wichtigeres Argument ist, dass die Bundeswehr ihre Drohnenabwehreinheiten im Zweifelsfall primär selbst benötigen wird und somit der Schutz ziviler Infrastrukturen ggf. nicht gewährleistet ist. Zielkonflikte. Das verhält sich wie im KatS. Es ist schön wenn die BW Zeit hat und unterstützen kann, ich darf sie aber nicht von Anfang an mit einplanen. Die könnten auch anderweitig gefordert sein…
Ihr habt nach Vorschlägen gefragt zu Drohnenabwehr, die ihr euch mal anschauen könntet. Mir ist seit einigen Wochen die australische Firma „Droneshield“ aufgefallen, weil meine Banking App die regelmäßig unter „was andere Kunden handeln“ auflistet. D.h. also an der Börse wird die momentan recht aktiv getradet und sie hat in den letzten Jahren auch ein ordentliches Kurswachstum hingelegt. Auf der Webseite beschreibt die Firma ihre Technik als KI-gestützt, was heutzutage natürlich alles mögliche heißen kann. Sie geben dort auch an, dass sie „über 34 Government Agencies worldwide“ als Kunden hätten und ihre Technik für 6 große Bereiche geeignet sei:
Military
Critical Infrastructure Protection
Law Enforcement & Public Safety
Border Security
Airports & Aviation Facilities
Prisons & Correctional Facilities
Mich würde mal interessieren, ob die Technik von Droneshield auch in Europa genutzt wird oder zumindest hilfreich wäre, um die aktuellen Drohnenprobleme in den Griff zu bekommen, und ob sie wirklich anderen Firmen in den Bereich so weit voraus sind, wie man beim lesen der Webseite den Eindruck bekommt.
Vor allem ist eine Zuständigkeit der Bundeswehr bei sUAV (unter 25 kg) Vorfällen gar nicht Zielführend.
Bei der BW haben primär Luftabwehrbrigaden counter-CAV Fähigkeiten. In Friedenszeiten sind die aber sonst wo.
Die kleinen Drohnen fliegen aber meist unter einer Stunde.
Die Polizei muss selbst die Fähigkeiten haben, eine Drohne herunter zu holen.
Dafür reicht zu 99% ein Rammen der Drohne mit einer anderen Drohne. Hier ist keine Sprengladung nötig.
Drohnen- und Anti-Drohnenfähigkeiten gehören in die Breite, und damit zur Polizei. Und nicht in irgendwelchen Kasernen der BW konzentriert.
Das Hochenergielaser-System ist auf einem Lastwagen montiert und entsprechend mobil. Es umfasst eine Luftbedrohungserkennung und automatische Zielerfassung, die über KI-Algorithmen realisiert werden. Außerdem verfügt es über Radar und eine Strahlverriegelung zur genaueren Bekämpfung von Drohnen.
Bei KI-gestützten Systemen wird es aber dann kompliziert in Deutschland: wer haftet, wenn die was falsches abschießen?
Ich verstehe auch nicht wirklich warum die Bundeswehr besser geeignet sein soll zur Drohnenabwehr als die Polizei.
Drohnenabwehr ist ja ein sehr lokales Thema, es bringt nichts einen zentralen Drohnenabwehrstützpunkt zu haben, sondern man braucht ja eher in jeder Stadt was. Und da ist die Polizei doch deutlich besser aufgestellt als sehr verstreuten Stützpunkte der BW.
Die technischen Fähigkeiten haben ja auch erst mal nichts mehr der zuständigen Stelle zu tun.
Das mit dem Einsatz der Bundeswehr im Inneren klingt schon seltsam. Die NATO Luftstreitkräfte flogen 2024 ca. 300 Einsätze mit ihren Alamrotten, Flugzeuge die unangemeldet in den NATO-Luftraum eindringen abzufangen, zu identifizieren und eventuell auch zur Umkehr zu „überreden“. Natürlich kommt es dabei eigentlich nie zu einem Einsatz von sogenannten „kinetischen Wirkmitteln“, im Volksmund auch Kanonen und Raketen genannt, aber die Option für einen solchen Einsatz liegt natürlich immer auf dem Tisch.
Es ist also im beispielsweise völlig OK, wenn ein deutscher Eurofighter eine Russische MiG abschießt, die sich in im Luftraum der NATO, also auch dem Deutschen, befindet, und auf Kurs Berlin, Hamburg oder München geht. Aber bei einer Drohne soll das alles nicht gelten? Ob es sich um eine unbewaffnete Drohne handelt oder ob sich nicht doch ein kleiner Sprengsatz daran befindet, kann man im Zweifel gar nicht erkennen.
Um für Sicherheit im Deutschen Luftraum zu sorgen, spielt es doch eigentlich keine Rolle, ob es sich um den über dem Luftraum über der Ostsee vor Rostock aber schon im deutschen Hoheitsgebiet handelt oder über dem Flughafen Frankfurt.
Das ist der treffende Punkt - die BW soll gerne ein Zentrum haben um sich mit der Abwehr von großen Drohnen zu beschäftigen, aber kleine Drohnen können bei jeder Demo, jedem Fußballspiel usw. auftauchen - da soll die Polizei doch nicht jedes mal die BW anfordern müssen, falls es dafür entsprechende Systeme gibt wäre es sogar wünschenswert wenn die Polizei dass in der Breite als Ausrüstung mit aufnimmt und sozusagen profilaktisch dabei hätte
Ich bin immer etwas vorsichtig, wenn Firmen von „KI-gestützt“ o.ä. reden. Oft wird das als Begriff verwendet, weil es gut klingt und technische Führerschaft/Überlegenheit darstellen soll. Der Begriff wurde vor zehn Jahren anders verwendet als heute. Damals galten auch Modelle, die einfache statistische Vorhersagen machen als machine learning und damit KI. Unter KI stellt man sich ja heute vor allen mehr DNNs, Foundation Modelle und andere große Modelle in verschiedensten Ausprägungen vor.
Dann ist noch die Frage: in welchen Bereich wird KI eingesetzt? Bildererkennung? Das funktioniert ja sehr zuverlässig. Es gibt einige Bereiche, die sehr gut funktionieren. Es gibt aber auch noch viele, da sind klassische Regeln der KI deutlich überlegen.
Israel hat sowas auch. Funktioniert gut, wenn es keine Wolken gibt, so wie ich das verstanden habe. Also eher schlecht für die Nato Ostgrenze. Aber sicher ein Teilstück in der Kette der zur Verfügung stehenden Systeme im “Drohnenwall”, da pro Schuss wohl unschlagbar günstig.
Ich denke man muss militärische Drohnenabwehr im V Fall von dem unterscheiden, was jetzt über Kritischer Infrastruktur notwendig ist.
Also normalerweise fliegen ja nicht “legitime” und unbekannte Drohnen zusammen über einem Flughafen (oder Umspannwerk). Das Risiko ist also vertretbar und es gelten die gleichen Haftungregelungen wie wenn man normal auch daneben schießt.
Naja, wenn über einen Flughafen klar das Fliegen von Drohnen rein aus Sicherheitsgründen verboten ist, dann ist jede Drohne die diese Schutzzone verletzt, unrechtmäßig und darf vom Himmel geholt werden.
Eine iranische Shahed-Drohne in der russischen Weiterentwicklung hat um die 600 km/h Geschwindigkeit und bis zu 60kg Gefechtskopf (ein Zerstörungsradius von ca. 20m). In der Ukraine sind Drohnen dieser Größe inzwischen auch als Quadkopter mit Live-Videosteuerung unterwegs.
Technisch ist der Bau solcher Drohnen keine große Leistung mehr. Bauteile sind gut verfügbar oder können über 3D-Druck hergestellt werden.
Wenn wir kritische Infrastruktur oder wichtige politische Ziele wirksam vor Drohnen schützen wollen, dann ist das eines der Gefährdungsszenarios. Und um solche Drohnen wirksam abzufangen braucht es mehr als eine Schrotflinte.
Elektronische Abwehrmaßnahmen sind hilfreich, können aber nicht in jeder Situation eingesetzt und über Steuerung per Glasfaser oder Trägheitsnavigationssysteme umgangen werden.
Bleiben noch kinetische Abwehrmittel: Raketen, Kanonen und zukünftig vielleicht Laser, luft- oder bodengestützt. Und ich persönlich würde die Bundespolizei ungern zu einer komplett paramilitärischen Einheit umrüsten, die mit Flugabwehrgeschützen in der Gegend rumfährt.
Für diesen Aspekt der Drohnenabwehr macht es aus meiner Sicht viel Sinn, die Bundeswehr mit einem eng umrissenen Mandat zur Abwehr von Drohnenangriffen auch im Inland auszustatten. Das wird dann auch nur den Schutz einiger extrem wichtiger Standorte (Reichstag, Kanzleramt, einige Ministerien, besonders wichtige/gefährdete Infrastruktur) und Personen (Bundeskanzler:in) umfassen.
Die Bundespolizei und Einheiten der Landespolizeien sind sicherlich besser geeignet, die Abwehr kleinerer Drohnen und Schutz “zweitrangiger” Infrastruktur und Personen zu gewährleisten.