LdN 441: Ulfs Wortwahl bei der Vorstellung von Aladin El-Mafaalani

Liebes Lage-Team,

im Rahmen der Vorstellung des Gastes sagt Ulf kurz hintereinander Folgendes:

„Sie sind Sohn syrischer Einwanderer, kommen aber aus einem akademischen Elternhaus … Sie haben auch einen muslimischen Hintergrund, waren aber neben der Schule Schlagzeuger in einer Hardcore-Band.“

Offen gesagt hat mich die Verwendung des Wortes „aber“ in beiden Sätzen zumindest verwundert. Kann es sein, dass sich hier – wenn auch unbewusst – einige Stereotype eingeschlichen haben, im Sinne von „Syrer und Akademiker“ sowie „Muslim und Schlagzeuger“ passen nicht zusammen?

Just food for thought.

Viele Grüße
Christoph

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Ich denke, man wollte vor allem auf den Kontrast zum Klischee-Flüchtling hinweisen. Kann man natürlich hinterfragen, ob das auf diese Art sinnvoll ist.

Beim Bildungsabschluss halte ich persönlich das „aber“ auch für problematisch, weil der Anteil der syrischen Flüchtlinge mit Hochschulabschluss gar nicht so niedrig ist. Siehe u.a. hier:

Syrien ist dabei schon recht weit vorne, was Hochschulabschlüsse betrifft, und syrische Hochschulabschlüsse genießen eigentlich auch einen ganz guten Ruf.

Beim Thema „Moslem und Schlagzeuger in einer Hardcore-Band“ halte ich das „aber“ für nachvollziehbarer, weil leider der Anteil von PoC allgemein und Moslems speziell in diesen typisch „alternativen“ Musikszenen (Metal, Punk, Hardcore, Gothic) extrem niedrig ist. Dunkelhäutige Menschen und Moslems kann man bei Veranstaltungen dieser Szenen leider an einer Hand abzählen. Sprachlich ist „aber“ ein klassischer Kontrast-Marker, und leider ist „Moslem“ und „Anhänger einer alternativen Musikszene“ ein sehr starker Kontrast. Wie gesagt, ich wünschte, dass es nicht so wäre, aber leider ist es so.

Die Frage ist immer, wie man dieses „aber“ interpretieren will. Die nagative Interpretation wäre eine Herabwürdigung der Gruppe, zu der der Kontrast verdeutlicht wird, die positive Interpretation wäre, dass es dazu dient, die Person als Positivbeispiel („Role Model“) aufzubauen. Natürlich gibt es gegen beides relevante Argumente.

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Ist mir auch sofort aufgefallen. Das Gesagte hätte an nichts verloren, wenn er „und“ statt „aber gesagt hätte.

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Mir sind diese beiden „Abers“ auch sehr negativ aufgefallen, ein „und“ wäre jeweils viel angemessener gewesen, so wären diesen sich vermeintlich widersprechenden Aspekte in einen gleichberechtigten Zusammenhand gestellt worden und nicht als so widersprüchliche Aspekte, sehr schade

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Ich habe gerade erst angefangen, die Folge zu hören und bin auch seeehr irritiert. Bin mir sicher, dass die beiden mit ihrer Wortwahl keine Abwertung transportieren wollten, aber es zeugt auf jeden Fall von mangelnder Sensibilität (bei vermutlich guter Absicht.)

Mal abgesehen, dass ein “und” angemessener als ein “aber” gewesen wäre: Gute Test-Frage ist ja auch immer: würde ich einen anderen Gast mit den gleichen Informationen vorstellen? El-Mafaalani ist als Soziologe geladen, nicht als Vertreter der syrischen oder muslimischen Community o.ä..

An dieser Stelle muss also nicht der syrische oder akademische Familienhintergrund genannt werden. Das kann im Laufe des Interviews natürlich Thema werden, aber dann, wenn es thematisch/inhaltlich einen Bezug gibt. Den gibt es in der Vorstellung erstmal nicht. (Wenn zum Beispiel jemand zu “Bildungsaufstieg” forscht und selbst aus einem nicht-akademischen Haushalt kommt, würde man das vielleicht in einer Vorstellung thematisieren. Aber man sagt ja auch nicht bei den anderen Interviewpartner*innen aus der Wissenschaft: “Sie kommen aus Mecklenburg-Vorpommern, aber aus einem akademischen Haushalt”)

Es ist schade, denn es ist sicher gut gemeint gewesen. Wir alle haben Schubladen im Kopf, vielleicht gehen die beiden Hosts doch mal in die Reflexion, das haben sie ja schon manchmal bewiesen, dass sie das können. :slight_smile: