LdN 434 Trumpisierung der deutschen Politk

Ich bin seit fast 20 Jahren mit einer Französin zusammen, wir haben 2012 geheiratet und 3 Kinder. Wir haben dieses Europa in unserer Familie gelebt und gefeiert. Wir fahren zwischen der Bretagne und dem Allgäu hin und her, für unsere Kinder gibt es eigentlich gar keinen spürbaren Unterschied zwischen den Ländern, außer, dass man halt anders redet.
Im Moment sitzt meine Frau im TGV von Paris nach Stuttgart und der wird gerade von deutschen Zöllnern in Kehl angehalten und durchkontrolliert. Es darf kein Zug hier rein, ohne Kontrolle. Auf der Magistrale für Europa.
Im August werd ich den in Südfrankreich lebdenden Neffen meiner Frau in Straßburg bei seiner deutsch-gebürtigen Oma abholen, damit er hier bei uns mit seinen Cousins/Cousinen Ferien machen kann. Der dort besonders ausgeprägte Grenzverkehr liegt lahm, wir müssen Stunden mehr einplanen, von den armen Pendlern ganz zu schweigen.
Ich habe 2009 mein Referendariat in Kehl gemacht, meine Frau in Strasbourg gearbeitet. Wie schön war es dort einst. Hin und her zwischen den beiden Rheinseiten, wie einem beliebt.
Ich würde von uns behaupten, dass wir Europa leben, lieben und zu schätzen wissen, was dieses Europa seinen Bürgern zu bieten hat!
Niemals hätte ich mir zu träumen gewagt, dass es wieder einmal so weit kommen kann. Dass Grenzen, von denen man stolz war, sie überwunden zu haben, wieder errichtet werden, ausgerechnet von uns Deutschen. Ich schäme mich und bin einfach nur traurig. Das ist meine emotionale Seite.Von der juristischen Komponente aus gesehen ist das auch spannend. Europarechtsbruch. Diese unsere Bundesrepublik, die Jahrzehnte der Motor Europas war, und sich diesem wunderbaren Projekt über alle Maße verpflichtet fühlte, wird nun von einer Koalition regiert, die Europa vom seiner innersten Mitte heraus zerstört. Wahnsinn! Wenigstens kann ich meinen Nachkommen erzählen, dass es einst einen ganz wunderbaren Ort auf dieser Welt gab, in dem ich aufgegangen bin und der Europa war…

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