Wir sind ein fünfköpfiger Haushalt mit Hund, Elektroauto und Wärmepumpe in einem entsprechend großen EFH. Altbestand mit guter, aber nicht perfekter Dämmung. Unser Stromverbrauch ist erwartungsgemäß hoch. Wir haben eine kleine PV-Anlage auf dem Carport-Dach ohne Hausakku, die in den Wintermonaten vom Nachbarhaus stark verschattet ist, aber in den Sonnenmonaten genug für das Elektroauto liefert.
Vom Wechsel zu Tibber hatte ich mir vorher viel versprochen und sogar extra einen eigenen Algorithmus in der Smart-Home-Zentrale gebastelt, der die Wärmepumpe zu den teuren Stundenpreisen automation pausiert. Ebenfalls habe ich in der ersten Zeit versucht, den Betrieb von Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine in günstige Stundenpreise zu schieben.
Meine eigenen Erfahrungen als Early Adopter sind echt enttäuschend!
Die täglichen Preisschwankungen sind gering, so dass man nur 1-2 ct/kWh im Tagesschnitt für die Wärmepumpe spart, wenn sie die teuren Stunden meidet. Es gibt wenige Tage, wo die Preisspitzen wirklich stark ausschlagen, dann ist die Ersparnis höher, aber das ist wirklich selten.
Als große Familie waschen und spülen wir wirklich viel. Wenn die Großverbraucher eh den ganzen Tag laufen und man die Wäsche der Kinder am nächsten Tag und nicht irgendwann wieder trocken braucht, kann man den Verbrauch kaum in die billigen Zeiten schieben. Das ständige Gucken auf die Preisprognose in der Tibber-App fand ich zu Beginn ganz amüsant, aber inzwischen nervt es eher, den Rest der Familie umso mehr.
Das Elektroauto kann ich gut günstig laden. Aber im Sommer sind die Preise nur dann niedrig, wenn eh die eigene PV liefert. Und im Winter sanken die Preise in den letzten Monaten in den Nebenzeiten nicht so sehr, dass ich richtig profitieren konnte. Außer am Wochenende, aber manchmal kann ich nicht so lange warten oder muss mehr als 1x/Woche laden.
Im Sommer habe ich dann eigenen Strom aus der PV, wenn Tibber sich lohnt, und ohne Hausakku wird es genau dann besonders teuer, wenn meine PV nicht mehr liefert.
Insgesamt würde sich der dynamische Tarif für uns lohnen, wenn…
…wir eine größere PV mit Hausakku hätten, um die teuren Zeiten die meisten Tage im Jahr zumindest teilweise zu überbrücken.
…oder wir eine kleine Familie wären, wo die Großverbraucher viel seltener laufen und deshalb zeitlich besser verschiebbar sind.
In unserer aktuellen Situation wären wir vermutlich besser bedient mit einem zweiten Zähler und einem Spezialtarif für Wärmestrom, an dem man in aller Regel auch seine Wallbox anschließen darf.
Jetzt warte ich noch die Einführung des dynamischen Netzentgelt-Moduls 3 ab. Dann werden in meiner Region im Winter die Nachtpreise deutlicher sinken, was meiner Wärmepumpe und Wallbox zu Gute kommt.
Wenn das am Ende immer noch nichts bringen sollte, wechsle ich wieder zu einem zweiten Zähler, was aber erneute Kosten für Zählereinbau und Elektriker bedeutet.