LdN 416 und 465 „Biodeutsch“?

Liebes Lage-Team, mich hat die wiederholte Verwendung des zum Unwort des Jahres 24 gekürten Begriffs „biodeutsch“ in der aktuellen Folge gestört. Zu Recht, wie ich finde, wurde von der Unwort-Jury kritisiert:

„Mit dem Wort biodeutsch wird eine rassistische,
biologistische Form von Nationalität konstruiert. Dabei wird ‚Deutschsein‘ naturbezogen begründet, um eine Abgrenzung und Abwertung von Deutschen mit Migrationsbiographie vorzunehmen. Biodeutsch steht zusammen mit
den zugehörigen Substantiven Biodeutsche, Biodeutscher in einer Reihe mit weiteren Wörtern wie Passdeutsche oder echte Deutsche, die dazu dienen, Menschengruppen, die vor dem Gesetz gleich sind, ungleiche Eigenschaften zuzuschreiben und sie somit hierarchisch zu klassifizieren. Diese mit dem Gebrauch von biodeutsch einhergehende Unterteilung in angeblich ‚echte‘ Deutsche und in Deutsche zweiter Klasse ist eine Form von Alltagsrassismus.“

Erst vor Kurzem war ich im Haus der Wannsee-Konferenz und habe dort die schockierend genau ausgearbeitete und zu Papier gebrachte rassistische Abstammungslehre der Nationalsozialisten gesehen. Nach diesem Besuch stößt mir der Begriff nochmal besonders auf.
In Zeiten einer starken rechtsextremen Partei in Deutschland sollte man gut reflektieren, inwieweit man deren Narrative und Begriffe übernimmt und damit normalisiert.

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Hast du einen guten Gegenvorschlag, welches Wort sie hätten verwenden sollen? Ich ringe da manchmal in Diskussionen auch um den Begriff.

Sie haben ja im nächsten Satzteil gesagt was sie damit meinen: „Also wären da nur Biodeutsche, also seit 5 Generationen deutscher Pass“.

Wenn ich das so schreibe, merke ich: Supereinfach, man hätte das Wort Biodeutsche einfach weglassen können und „nur Menschen die seit 5 Generationen deutschen Pass haben“ sagen können.

Ich mag die Tendenz der linksgrünliberalen eigentlich nicht, sich über die Verwendung der korrekten Begriffe und korrektes Gendern (mit/ohne Stern etc.) gegenseitig anzugehen, aber du hast gut erklärt warum das hier schon ne andere Brisanz hat, das Wort „bio“ in die Nationalität zu schmuggeln und den Eindruck zu suggerieren Landeszugehörigkeit hätte was mit DNA zu tun ist tatsächlich ein Baustein von rassistischer Ideologie.

Stimme dir komplett zu, mir ist auch fast das Handy aus der Hand gefallen. Ich finde die Verwendung eines Begriffs den sich die neue Rechte zu eigen gemacht hat und vermittelt dass es „echte“ deutsche (weiße) und „deutsche zweiter Klasse“ (POCs) gäbe, wie du auch sehr gut erklärt hast, unentschuldbar. Von Qualitätsjournalismus darf man erwarten, dass sich die Journalisten der Bedeutung und Konnotation des neu gewählten Unworts 2024 bewusst sind, geht gar nicht klar.

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Bestimmte Diskussionen scheinen sich regelmäßih zu wiederholen, siehe

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Hallo ihr Lieben,

ich bin enthusiastischer Lage-Hörer und will hier niemanden anprangern. Vielmehr geht es mir darum eine Sensibilität für Diskriminierung zu schaffen.

In der aktuellen Folge und auch zuvor schonmal hier im Forum angemerkt, wurde das Wort Biodeutsch komplett normal verwendet. Dabei handelt es sich hier um ein hochproblematisches Wort, da es Deutsche irgendwie in “echte” und “nicht echte” einteilt.

Wenn ich jetzt anfange, die Grenze zu definieren, wer nun das Prädikat biodeutsch verdient oder nicht merkt man sehr schnell was das Problem ist. Deutscher Pass? reicht scheinbar nicht. Eine Generation hier? reicht auch nicht- oder doch? Vllt wenn man dazu fließend Deutsch spricht? Oder doch mindestens 2 Generationen? Aber was ist dann mit den ganzen Deutschtürken? Die sind ja schon ewig da, sprechen fließend Deutsch und alles. Dann vielleicht noch die Ethnie dazu nehmen? Schwarze Haare, lange Nase, Locken, Augenbrauen, Gesichtsform? Uiuiui so langsam wirds brenzlig.

Das war jetzt natürlich völlig überspitzt, aber ihr seht das Problem. Es ist einfach ein nicht ohne Disriminierung zu definierender Begriff. Wenn es darum geht, zu analysieren, welche Faktoren bei einem bestimmten Sachverhalt in Bezug auf Ainwanderung/Asyl eine Rolle spielen, sollte hier meines Erachtens ganz genau hingeschaut werden.

Der neutralste Sammelbegriff für nicht-Einwanderer, wäre vllt noch Deutsche ohne Migrationshintergrund- wobei selbst das wieder Probleme mit sich bringt.

In der letzten Folge ging es darum dass “Biodeutsch” sich “zu fein” [Anm. d Red.] sind für vermeintlich niedere Arbeiten wie Nähen. Vllt sollte man sich hier eher die Frage stellen, ob es das Deutschsein ist, was sie davon abhält, oder die Klasse (Mittel/Oberschicht). Die Frage ist auch ob die Frage “Warum arbeiten hier nur Ausländer” überhaupt relevant ist. Und wenn ja, dann sollte man auch etwas tiefer gehen und nicht nur eine oberflächliche “Biodeutsch” Unterscheidung machen.

Naja lange Rede kurzer Sinn: bitte, bitte nicht Biodeutsch verwenden. Es ist diskriminierend und ein Kampfbegriff der Rechten

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Diese Kritik wurde bereits im Thread Feedback allgemein zur Kenntnis genommen.

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