Euer Beitrag zu dem Thema hat mich auch sehr nachdenklich gemacht. Ich kenne persönlich Menschen, die Opfer von ritualisierter und sexualisierter Gewalt geworden sind. Die Dinge erlebt haben, die sich die meisten Menschen wohl nicht einmal vorstellen können. Geschweige denn glauben, dass diese Dinge auch in Deutschland tagtäglich passieren. Die Opfer werden von Anfang an extrem eingeschüchtert und sind meist ihr gesamtes Leben heftigen Drohungen ausgesetzt. Damit soll verhindert werden, dass diese Menschen über das Erlebte sprechen. Und jetzt stellt euch einmal vor jemand fasst seinen ganzen Mut zusammen, fängt an zu erzählen, begibt sich womöglich in Lebensgefahr und wird von Beginn an mit Misstrauen konfrontiert. An dieser Stelle ist wichtig zu betonen, dass diese Menschen oftmals kein stabiles Rückgrat besitzen. Wie auch, wenn sie jahrelang schwerster Gewalt, Unterdrückung und Bedrohung ausgesetzt waren oder es immer noch sind? Und grade dadurch ist es eben für diese schwerst traumatisierte Menschen extrem schwer eidesstattlich etwas zu versichern bzw. auch eindeutige, klare und ausführliche Aussagen zu machen. Dadurch gelten sie natürlich nicht als glaubwürdige Zeugen. Aber soll ihnen deswegen nicht zugehört werden? Sollte nicht das ernst genommen werden, was sie zum Ausdruck bringen können?
Diesen Menschen nicht das Gefühl zu geben, dass der Ort an dem sie ihre Geschichte erzählen sicher ist und man ihnen wohlwollend begegnet, kann fatale Folgen haben. Die Betroffenen werden schweigen. Es ist sowieso schon so, dass sich die allermeisten Opfer diesen Schritt nicht gehen werden. Aus Angst, aus Scham und Schuldgefühlen. Indoktrination und psychischem Druck. Allgemein ist dieses Thema überhaupt nicht im öffentlichen Bewusstsein oder Diskurs präsent.
Und Betroffenen grundsätzlich mit Misstrauen zu begegnen, wird diesen Zustand aufrechterhalten.
Ich gebe euch in eurem Beitrag nicht unrecht und kann euren Standpunkt durchaus nachvollziehen. Aber ich frage mich: was ist mit diesen Fällen? Wie ist es möglich beiden Perspektiven zu berücksichtigen? Wie und wo kann ein sicherer Ort geschaffen werden?
Ich möchte an dieser Stelle dafür plädieren Betroffenen zu glauben und sie ernst zu nehmen. Denn auch scheinbar unvorstellbares Leid ist leider harte Realität. Und deswegen fände ich es wirklich wichtig, dass ihr diese Perspektive in der nächsten Folge einmal betrachten würdet.