Das zurückfahren des Staates ist aber auch nicht die Lösung. Man schaue sich nur mal an wie katastrophal die Privatisierung von Bahn und Wasserversorgung in UK laufen.
Danke für die Antwort, ich finde es ja schön zu hören, dass das auch dein Eindruck war, dass das Soziale zu kurz kam.
Vermutlich sind wir uns auch einig, dass gewitzte Politiker:innen durchaus in der Lage sind, jede Frage zu der Frage zu machen, die sie eigentlich lieber beantworten wollen. Das hätte Frau Schwerdtner natürlich nutzen können um in vielen Situationen die Sozialpolitische Message nach Hause zu bringen.
Nun kommentiere ich hier aber nicht im Forum der Linke, sondern im Forum bei meinem liebsten deutschsprachigen Podcast, und auch wenn du natürlich völlig recht hast, dass man ein Interview immer ein bisschen so nutzen kann, wie an einem passt und diese Chance hier verpasst wurde, gebt ihr ja durch Fragen, Nachfragen und Konkretisierungen einen Fokus vor. Daher möchte ich bezogen auf diesen Fokus nochmal double downen, dass der in meinem Eindruck etwas verengt (vor allem auf die Außenpolitik) erscheint. In anderen Kontexten sprecht ihr soziale Themen an, Lösungen für den Klimaschutz und was doch sinnvoll passieren müsste, aber in dem Interview mit der Vorsitzenden der einzigen Partei, die es schaffen könnte in den Bundestag einzuziehen und diese Dinge fordert, klingt es kaum an, als sei das Interesse bei euch eher an anderen Themen. Das stimmt ja nicht, wie du meinst, deswegen ist ja vielleicht gerade der Hinweis wichtig, wer weiß. Liebe Grüße
Heide
Ich bin mir sicher, das ein Studienabschluss mit dem IQ korreliert, aber Grundsätzlich stimme ich @Felix1 zu, dass man sicherlich seinen potentiellen Kandidatenkreis verkleinert wenn man ein Studium voraussetzt, da es (so gut wie immer) auch geeignete Kandidaten ohne Studium geben wird. Juristen und Ärzte sind hier eine gute Ausnahme, da die ohne Abschluss einfach nicht arbeiten dürfen.
Die Frage ist am Ende, hat man andere geneigte Mittel um die Kandidaten zu bewerten und auch ob man die Ressourcen hat ggf. eine deutlich größere Zahl an Bewertungen zu bewerten?
Hat man die nicht, kann das Studium als Eingangsvoraussetzung vor allem auch ein Mittel sein, um die Anzahl an Bewerbungen auf einem handhabbaren Niveau zu halten.
Das Beispiel UK ist tatsächlich nichts wo man hin möchte.
Die Kombination aus einem Rückzug des Staats, Rückzug der Industrie (Deindustrialisierung) und eine fast alleinige Konzentration auf den Dienstleistungsstandort London hat die Gesellschaft dort im Prinzip in zwei Länder gespalten. Ein Schwellenland und ein Hightech Stadtstaat London. Beide Gesellschaften haben nicht mehr viel miteinander zu tun.
Aber selbst in London ist z.B. der Wasserversorger „Thames Water“ völlig überschuldet und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Regierung ihn übernehmen muss, oder sie sichert einem potenziellen Investor massive Hilfen und ggf. weitere De-Regulierung zu, damit er z.B. weiter die Wartung vernachlässigen kann.
Insofern würde ich sagen, dass das Problem nicht nur darin liegt, dass sich die Politik auf London konzentriert, sondern schon in der fundamentalen Fehlentscheidung, einem privaten Investor eine solch wichtige Aufgabe wie die Trinkwasserversorgung zu überlassen.
Stimm ich dir komplett zu. Auch aus meiner Sicht macht überhaupt keinen Sinn natürliche Monopole in private Hand zu legen und bei öffentlicher Infrastruktur gleich dreimal nicht. Hier sehe ich aus das Argument von @Margarete, dass dann Gewinn abfließt, der der Allgemeinheit zu gute kommen sollte, oder halt schlimmstenfalls sich Schulden auftürmen die dann die Allgemeinheit zu tragen hat. Die Stärken der Privatwirtschaft kommen immer dann zum tragen wenn Wettbewerb möglich und sinnvoll ist.
Ich glaube, diese Diskussion hier zeigt das Dilemma der Linken als Partei und auch das Problem der „linken“ der Gesellschaft.
Hier wird jetzt sehr ausführlich darüber diskutiert: „Staat oder Markt!“ Das ist aber die Frage des „Wie?“
Mir fehlt das „Warum!“ Wenn wir diskutieren welche Maßnahmen getroffen werden sollten, müssen wir doch erstmal klären, warum wir etwas ändern wollen und wie der Zielzustand aussieht.
Stattdessen diskutieren wir über Einzelmaßnahmen aus der Mottenkiste.
Warum gibt es nirgendwo einen progressiven Politiker, der sich eine der wissenschaftlichen Ausarbeitungen nimmt, die es für eine klimaneutrale, gerechtere Welt gibt (vielleicht habe ich es auch übersehen), und sagt: „Das ist plausibel, so sieht das dann aus wenn wir es schaffen und das ist mein Fahrplan dahin.“
Und erst wenn das da steht, dann diskutieren wir, wie hoch die Schonvermögen bei der Erbschaftssteuer sein müssen.
Wir müssten doch erstmal eine demokratische Mehrheit für ein Zielbild erzeugen. Das ist genau das, was progressiven Parteien überhaupt nicht gelingt. Stattdessen wird jedes Zielbild als Utopie verunglimpft und über die Untauglichkeit der Vermögenssteuer in Land mit vielen mittelständischen Unternehmen geredet.
Wie soll so eine Ausarbeitung denn aussehen? Niemand kann eine Volkswirtschaft auf den Kopf drehen, alles nicht-klimaneutrale rausschütteln, erklären in welchen Bereichen dann alle arbeiten, was das kostet und wie lang es dauert. Also, den Plan kann man sicher entwerfen, aber das erinnert dann an die 5-Jahres-Pläne der DDR und Berthold Brecht: „Ja, mach nur einen Plan, sei ein großes Licht. Und mach’ dann noch 'nen zweiten Plan, gehen tun sie beide nicht.”
Dieser Weg wird messy und chaotisch sein und keiner wird absehen können, welche Geschäftsideen dabei erfolgreich werden. Die Politik kann nur den Rahmen setzen und gewisse Richtungen wirtschaftspolitisch unterstützen. Habeck hat zwar viel von Mazzucato geträumt, aber die Erfahrung zeigt, dass der Staat es eben doch nicht besser weiß.
Natürlich geht es mir nicht darum Leute in Jobs zu bringen, für die sie nicht geeignet sind.
Es ist doch klar, dass es Tätigkeiten gibt, bei denen ein hoher IQ voraussetzung ist. Und nicht jeder kann alles werden.
Aber es gibt eben auch viele Tätigkeiten, bei denen es nicht erforderlich ist und vor allem, bei denen eine Teilleistungsschwäche überhaupt kein Problem ist.
Natürlich muss eine Person für den Job geeignet sein. Die Frage ist nur, wie die Auswahl / Überprüfung abläuft.
Abschlüsse und Noten sind eine sehr bequeme Art für den Arbeitgeber die Leistung eines Menschen zu messen. Wer gute Noten hat und einen hohen Abschluss hat, der kann ein gewissen Leistungsniveau abliefern.
Aber andersherum stimmt es eben nicht. Wer kein Abi hat, weil er z.B. schlecht in Latein und Religion war und dann eine IT-Ausbildung gemacht hat, ist nicht automatisch schlechter im programmieren, als jemand, der gut in Latein war und deswegen studieren konnte, sondern er ist eben primär schlechter in Latein.
Es gibt einfach keinen direkten Zusammenhang.
Mein Punkt ist, dass der Test, ob jemand ein Abi und ein Studium geschafft hat, oft relativ wenig mit dem was man im Job können muss zu tun hat.
Genau daher finde ich es schwierig, wenn wir einerseits Fachkräftemangel haben, aber trotzdem immer noch viele Menschen strukturell ausschließen.
Natürlich muss trotzdem die Eignung der Menschen für die Jobs getestet werden. Z.B. durch Probe arbeiten. Genau daher hat fast jeder Arbeitsvertrag eine Probephase eingebaut, in der der Arbeitgeber fristlos kündigen kann.
Mir geht es um ein tieferliegendes Problem:
Linke Menschen begründen oft alle Ungerechtigkeit und Benachteiligung von Menschen mit dem Kapital und dem Markt.
Wenn es aber in Ihrem eigenen Umfeld darum geht z.B. einen Job zu vergeben, dann spielt Fairness auf einmal keine große Rolle mehr und man gibt sich selbst als ganz harter Arbeitgeber, der eben nicht allen Menschen die Changse geben will, sich zu beweisen.
Meine These ist, dass staatliche Systeme nicht automatisch fairer mit Menschen umgehen, als privatwirtschaftliche Unternehmen.
Denn auch beim Staat gibt es ein 2 klassen System, zwischen gut bezahlten Beamten mit reihenweise Privilegien und schlecht bezahlten Angestellten, die gern auf Subunternehmen ausgelagert werden. z.B. bei Kitas und der Sozialarbeit.
Vielmehr glaube ich, dass es in jedem System einen großen Spielraum für Fairness und Solidarität gibt.
Ich kenne persönlich Handwerksbetriebe und Mittelständler, die geflüchtete Aufgenommen haben und viel Zeit und Geld in die Unterstützung gesteckt haben, obwohl die Sprachkenntnisse am Anfang schlecht waren. Die sind mit denen zu Behörden gegangen, haben Anträge ausgefüllt usw.
Ähnliches Anstrengungen habe ich bei städtischen Unternehmen nicht beobachtet.
Da wird die Bewerbung ganz schnell weggelegt, wenn die Person nicht zu 100% ins Raster passt.
Es wäre schön, wenn Behauptungen belegt würden. Ich setze hier mal ein großes Fragezeichen und Kopfschütteln.
Natürlich stimmt es, dass Belege wie z.B. Studien wichtig wäre.
Meine Behauptung speist sich aus zahlreichen Erfahrungen im persönlichen Umfeld. Also von mir, meiner Familie und meinen Freunden.
Man bewirbt sich auf Jobs, liest Stellenausschreibungen, aber bekommt auch mit, was man selbst und andere Leute in ihrem Job wirklich für Aufgaben erledigen.
Gerade werden bei meinem Arbeitgeber neue Jobs ausgeschrieben und ich bekomme die Gespräche zu den Stellenausschreibugen mit.
Man sucht gezielt Menschen mit Masterabschluss, obwohl der theoretische Hintergrund nicht relevant ist.
„Mir ist eigentlich egal, was die für einen Abschluss habe. Aber wer ein Studium schafft, der bekommt den Job auch hin“.
Viele meiner gut bezahlen Freunde geben selbst zu, dass ihr Job zum Großteil auch jeder angelernte Abiturient machen könnte, aber eben ein spezieller Masterabschluss vorausgesetzt wurde, obwohl sie das Wissen nie im Job gebrauch haben.
Ein Studium wird also oft nur Hürde benutzt, nicht wegen des erworbenen Lerninhalts.
Natürlich will man das nicht ändern, da oft nach Berufsabschluss bezahlt wird, ganz unabhängig von der tatsächlichen Tätigkeit oder dem Talent.
So werden in Ämtern Dokumente händisch von Akademikern abgetippt oder im Einkauf Bestellungen der letzten Jahre von einem System ins andere händisch übertragen.
Wenn man es selbst geschafft hat die Hürden zu überwinden und einen privilegierten Platz im System ergattert hat, dann besteht kein Interesse die Hürden für andere zu beseitigen, sonder eher diese weiter zu erhöhen, um sich gegen Konkurrenz zu schützen.
Aus Sicht des Arbeitgebers kann ich das vorgehen verstehen, weil es einfach ist.
Aber aus Sicht der Gesellschaft, sollte uns das Schicksal der Verlierer dieses Vorgehens nicht egal sein. Außerdem ist es volkswirtschaftlicher Irrsinn, wenn Menschen ein unnötiges Studium nur machen, weil es für die Karriere notwendig ist. Es ist teuer für den Staat, Die Menschen verwenden viel Zeit und Anstrengung auf ein Studium und geeignete Arbeitskräfte werden ausgeschlossen.
Und was genau hat das jetzt mit „links“ zu tun…?
Zitat:
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