Es gibt eine europaweite Datenbank zur Registrierung von Flüchtlingen. Abfragen an diese Datenbank dauern scheinbar oft Wochen, warum weiß ich nicht. Das ließe sich aber sicher recherchieren.
Aber selbst wenn schon in einem anderen Land ein Antrag gestellt wurde, befreit das Deutschland nicht automatisch von der Pflicht, die Rechtmäßigkeit eines Antrags auch in Deutschland zu prüfen. Vielleicht hat der Geflüchtete ja unter Dublin-III einen rechtmäßigen Grund, hier in Deutschland einen Antrag zu stellen (zwei Beispiel dafür habe ich oben gegeben). Und es nimmt dem Geflüchteten auch nicht das Recht, gegen einen negativen Bescheid zu klagen. Das nennt man Rechtsstaat.
Aber wie gesagt: die Probleme sind auch in der Abwehrmentalität der deutschen Bürokratie angelegt. Ich kenn Fälle, da versucht das BaMF über Jahre hinweg einem homosexuellen Nigerianer zu belegen, dass er a) nicht homosexuell ist, oder b) selbst wenn, das für ihn in seinem Heimatland keine Gefährdung bedeutet. Diese Art von Blödsinn ist einfach nicht skalierbar, wenn man im Monat ca. 20.000 neue Anträge bearbeiten muss. Das Ergebnis ist, dass die Bearbeitungszeit für alle Vorgänge drastisch steigt.
Nein, es ist die notwendige Konsequenz der deutschen Abwehrhaltung. Überspitzt ausgedrückt: wenn ich alle abschieben will, dann habe für keine Abschiebung mehr Zeit.
Deutschland könnte auch sagen „egal, wo die Leute ihren Antrag stellen müssten, wir üben die Selbsteintrittsklausel für jene Anzahl der Verfahren aus, für die wir bei einer Aufteilung nach Wirtschaftskraft zuständig wären.“ Das würde der deutschen Bürokratie auf einen Schlag zehntausende Dublin-III Feststellungsverfahren entledigen und das Endergebnis ändert sich in keiner Weise (weil ja auch bei erfolgreichen Überstellungsanträgen diese Überstellungen nicht stattfinden).
Die gewonnene Zeit könnte dann in die Überstellung und Ausweisung von jenen investiert werden, die wir wirklich nicht wollen.
Dann kriegen die Antragsteller eine Arbeitsgenehmigung ab dem 1. Tag und eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, sobald sie einen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplatz nachweisen können. Dann sind sie raus aus der Flüchtlingsbürokratie. Deutschland wäre in keiner Weise schlechter gestellt und das Endergebnis wäre das selbe, nur mit erheblich weniger Bürokratie.
