LdN 261/274 - Energiewende/ "Atomkraft ist kokolores"

Ich war seit Anfang der 80er (d.h, seit meiner Jugend) ein konsequenter Gegner von Atomkraft, aus 2 Gründen:

  1. Dem Ausmaß eines größten anzunehmenden Unfalls (GAU), der durch niedrige Wahrscheinlichkeiten seinen Schrecken nicht verliert. Die Tatsache, dass AKW-Betreiber sich dagegen nicht versichern (müssen und können), sagt schon alles: Nüchtern kalkulierende Versicherer rufen Prämien auf, die den Atom-Strom prohibitiv teurer machen.

  2. Die Gefährlichkeit von Atommüll und seine Endlagerung.

Der Glaube von Techniker und Wissenschaftler, dass der Mensch diese Gefahren sicher im Griff haben kann, zeugt von mangelnder Demut und von Naivität.

Ich kann nicht erkennen, dass die technische Errungenschaft der Menschheit bis heute irgendetwas an diesen beiden Argumente geändert hätte.

ABER:

(1) Es gibt in einem Szenario einer Welt nur noch mit erneuerbaren Energien so viele offenen Fragen (extrem wachsender Energiebedarf, „Dunkelflaute“, Energiespeicher, … - auch wenn ich sie für lösbar halte),

(2) die Frist für eine vollständige Dekarbonisierung zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziel ist nur noch so kurz und

(3) das zusätzliche Risiko, dass wir mit einer strikt begrenzten Verlängerung von Atomkraft eingehen, erscheint mir vor diesem Hintergrund als gerade noch hinnehmbar.

Daher bin ich - trotz meiner Historie - tatsächlich dafür, den Ausstieg aus der Atomkraft für 5, max. 10 Jahre auszusetzen (würde das uns vielleicht sogar die Entschädigung der AKW-Betreiber ersparen?)

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