LdN 254 - Solar oder Photovoltaik

Den Eindruck habe ich auch.

Lass es mich noch einmal versuchen. Dein Argument ist ja, dass du pro kWh verkauften Strom mindestens so viel bekommen solltest, dass du in der Lebenszeit der Anlage die Investitionskosten wieder rein holen kannst, oder? So wie das auch vor einigen Jahren auch definitiv noch die Absicht vom EEG war.

Mein Punkt ist, dass es mehr einbringt, wenn man den Strom nicht verkauft, sondern selbst nutzt. Wenn du Ihn verkaufst, erhätst du 7 ct, musst aber trotzdem weiterhin 30 ct für den Strom aus dem Netz bezahlen. Du verkaufst also zu einem Zeitpunkt deinen billigen solarstrom, um ihn später wieder teuer einzukaufen. Wenn du hingegen, den billigen solarstrom selbst nutzen kannst, zahlst du effektiv nur die Investitionskosten deiner Anlage, also die 9,8 ct/kWh. Das sind 20,2 ct/kWh weniger, als wenn du den Strom aus der Steckdose holen würdest → Also 20,2 ct/kWh Gewinn, wann immer Du selbst Deinen Solarstrom verwendest.

Oder nochmal anders, der pro Kopf Stromverbrauch eines Deutschen liegt bei ca 1300 kWh pro Jahr (Quelle). Macht also, wenn dieser einfach aus dem Netz bezogen wird:
1300 kWh * 0,3 €/kWh = 390 € (Kosten pro Jahr und Person)

Hat man eine PV Anlage mit Speicher und erreicht eine Deckung des Eigenbedarfs von 80% ergibt sich nun:
1300 kWh * (0,098 €/kWh * 80% + 0,03 €/kWh * 20%) = 179,9 € (Kosten pro Jahr und Person)
Es wurden also 390€ - 179,9€ = 210,1 € erwirtschaftet.

Hast du eine PV Anlage die Ebenfalls 80% des benötigten Stroms erzeugen „könnte“, aber keinen Speicher, musst du den Strom zu 7 ct verkaufen, also ergibt sich:
1300 kWh * 80% * (0,07 - 0,098) € = - 29,12 €
Also macht, wie du richtig gesagt hast, die Anlage Verlust. Gleichzeitig zahlst du auch weiterhin die 390€ Stromkosten pro Jahr und Person.

Mein Punkt ist eben, dass der Fall mit dem Speicher durchaus Geld einbringt. Zudem finde ich vorstellbar, dass durch die niedrigen EEG Vergütungen genau das auch als gewünschtes Modell präferiert wird. Denn nehmen wir mal an, jeder würde sich weiterhin PV Anlagen anschaffen, die einfach dann Strom ins Netz einspeisen, wenn sie halt gerade Sonne haben. Dann führt das zu extremen Problemen in der Netzstabilität, die dann zur zeitweiligen Abschaltung bestimmter Erneuerbaren Anlagen oder dem hinzuschalten von Gasturbinen führt.
Hat jetzt aber jeder zweite Haushalt ne Batterie im Keller, schieben diese nicht mehr ihre Spannungsspitzen ins Stromnetz, sondern brauchen nur noch ab und an etwas Strom aus dem Netz, wenn der Akku leer ist und keine Sonne am Himmel steht.

Auf den ersten Blick, mag das mit den Speichern in diesen Fällen (Autobahn, Parkplätze) weniger geeignet sein, aber wie ich finde nur auf dem ersten Blick.
Gerade bei Parkplätzen gibt es doch ein riesen Potenzial, die Ladesäulen direkt mit den PV Anlagen über einen Pufferspeicher miteinander zu koppeln. Die Kunden müssten natürlich weiter denselben Preis für den Strom zahlen, da sie ja nicht bestimmen können, ob gerade noch was in der Batterie drin ist oder doch wieder aus dem Netz geladen werden muss. Also gleicher Fall wie bei den PV Anlagen auf dem Hausdach.
Nur bei den Autobahnen funktioniert das vermutlich eher weniger gut. Kann sein, dass es sich da wirklich nicht rentiert, das hängt dann sehr stark von den erzielbaren Investitionskosten ab. Zumindest dürfte z.B. die Montage deutlich günstiger sein.

Du hast dir viel Mühe mit der Berechnung gegeben. Glaube aber ein paar deiner Prämissen stimmen nicht ganz. Der Speicher entscheidet nicht darüber, ob du 80% Eigen-Nutzung hast oder 0%. Der Speicher verbessert die Eigen-Nutzung vielleicht von 60 auf 80%. Und wo kommt eigentlich deine Annahme mit den 9,8 ct Produktionskosten her. Produktionskosten hast du ja eigentlich gar keine, bis auf die Steuer, die du für den selbst genutzten Strom zahlen musst (fehlt übrigens in deinen Beerchnungen). Sonst gibt es fast nur noch die Abschreibung. Und die ist eine fiktive Zahl die dafür angenommen wird, man müsse sich das Geld bei der Bank leihen und zum Zeitpunkt x eine neue Anlage kaufen.

Das ist natürlich alles korrekt, ich wollte das ganze nicht noch komplizierter machen. Die Annahmen kommen zum größten Teil aus @Wuffel 's Beitrag:

Mit dem Speicher hast du nur zum Teil recht. Ohne Speicher schafft man meines Wissen maximal unter besten bedingen 40% Prozent abdeckung, weil der Strom wirklich selten da ist, wenn man ihn für die energieintensiven Tätigkeiten benötigt. Also ist der Speicher meines Verständnisses nach zumindest dafür notwendig, die Abdeckung zu verdoppeln.

Das bedeutet aber konsequent zu Ende argumentiert, dass sich eine PV Anlage auch ohne Speicher rechnen dürfte, da man ja immerhin den aus dem Netz einkauften Strom um 40% verringert, was letztlich dazu führen sollte, dass statt den oben genannten -2 ct/kWh eine leicht positive Bilanz raus kommen müsste.

Das nicht, aber man hat die die über die Lebenszeit verteilten Investitionskosten und die Zinsen des Kredits, was ich vereifacht und frei nach der Bezeichnung von @Wuffel weiterhin als Produktionskosten übernommen habe.

Wie gesagt, im Prinzip ging es mir vor allem an einem etwas vereinfachten Fall zu zeigen, wie sich PV Anlagen auch mit einer niedrigen oder sogar keiner EEG-Vergütung rechnen können.

Leider kosten Stromspeicher auch Geld. Und zwar deutlich mehr als sie während ihrer Lebensdauer werden wieder hereinholen können.

Wenn einmal sowieso ein Batteriefahrzeug vorm Haus steht und bidirektionale Wallboxen der Standard sind, dann wird das Speichern des PV-Stroms eine profitable Angelegenheit. Solange man den Speicher aber mit einigen 100 Euro pro kWh an Kapazität einkaufen muss, kann man das vergessen.

Kurzes Rechenbeispiel:

Lebensdauer des Speichers (optimistisch): 12 Jahre
Vollzyklen pro Jahr: 200
Einsparung pro kWh: 20 Cent
Effizienz (optimistisch): 90%

Macht eine Ersparnis von ca. 450 Euro pro kWh Speicherkapazität. Dafür kriegt man im Einfamilienhaus aber keinen Speicher installiert. Heute realistisch sind 750 bis 1000 Euro pro kWh

Wichtiger Hinweis dazu: erst ab 10 kWp auf dem Dach. Das ist unter anderem deswegen die magische Grenze, bis zu welcher Dachanlagen für Privatpersonen maximal verbaut werden.

Das ist aber so oder so ein riesen Unsinn und ein Gutes Beispiel dafür, wie das EEG erst sehr gut und wirkmächtig war und dann mit der Zeit echt viel Unfug damit getrieben wurde.
Dass man auf den Strom, den man selbst, aus seiner selbst finazierten Anlage, allen ernstes Geld an den Staat abdrücken soll, ist an sich schonmal wirklich wild. Klassisches Beispiel: „Ich zahl ja auch keine Mehrwertssteuer auf den Apfel von meinem Baum im Garten“.
Dass bei Großanlagen von z.B. EON, deren Strom dann für die EON Kunden verwendet wird, Steuern anfallen, kann man hingen schon nachvollziehen, immerhin ist der ganze restliche Strom ja ebenfalls mit Steuern belastet. Für Privatanlagen finde ich es aber echt daneben und 10kWp sind meiner Meinung nach einfach zu niedrig, die Grenze müsste mindestens bei 30kWp liegen, damit sich das auch für Bauernhöfe, kleine Firmen usw. lohnt.

Noch besser wirds dann aber echt, wenn man mitbekommt, dass das die EEG Umlage ist. Also genau die Steuer oder genauer Umlage, die zur Finanzierung des erneuerbaren Energien (EE)-Ausbaus verwendet wird. Also nur um das zu veranschaulichen. Ich gehe da als Privatmensch hin und entscheide mich, von meinem Geld und auf mein Risiko den EE-Aubau auf meinem eigenen Grundstück voran zu bringen und dann werde ich noch zusätzlich vom Staat zur Kasse gebeten, wenn ich meinen eigenen Strom verbrauche, da je der EE-Aubau von irgendwelchen anderen Leuten finanziert werden muss.
Das ist so unglaublich unsinnig. Und das macht echt nicht einmal für Großanlagen Sinn, die den erneuarbaren Strom ihren Kunden zur Verfügung stellen. Letztlich läuft das auf so ne ganz komische „linke Tasche, rechte Tasche“ Situation raus, bei der man erste die EEG-Umlage an den Staat zahlt, nur um sie dann im nächsten Schritt als EEG-Vergütung für seinen eingespeisten Strom zurück zu bekommen… wtf? - Wobei ich wetten würde, dass die meisten keineswegs die gesamte EEG-Umlage wieder reinholen können, da man dazu ja wieder viel mehr Strom einspeisen müsste, als ihn selbst zu verbrauchen, was sich ja, wie in diesem Thread schon mehrfach festgestellt, nicht bis kaum mehr lohnt.

Unter anderem dadurch ist der EEG mittlerweile wieder so ein Mechanismus, der auf den ersten Blick nach Anreiz aussehen soll, aber am Ende so unrund ist, dass einem direkt wieder die Lust am investieren vergeht. Im übrigen ein Muster, das ich jetzt schon häufiger bei den Beschlüssen der GroKo zum Thema Klima und Energie gesehen habe. Wurde glaub ich auch schon häufiger in der Lage aufgezeigt. Ich sag nur, „Anreize für die Autmobilindustrie neue E-Autos zu bauen, aber Bestrafung, wenn das Ziel übererfüllt wird, Deckel für Windkraft der abgesenkt wird, wenn der Deckel im Vorjahr nicht erreicht wurde, die völlig verworrenen Anreize des ersten „Klimaschutzpaketes“ bei denen es am Ende sinnvoll war, möglichst große und teure Verbenner / Hybride (also noch schwere Verbrenner) als Firmenwagen anzuschaffen, usw…“ Um ein Haar wären ja auch Kleinanlagen Betreiber dazu verpflichtet worden einen sau teuren „Smart Meter“ für ihre über 20 Jahre alten Anlagen nachzurüsten… Wie gesagt konsequenter geförderter EE-Ausbau schaut anders aus.

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Ich kann deine Verärgerung zu dem Thema verstehen, mir geht es genau so aber:

Nein das ist nicht korrekt. Du zahlst ab 10kwp die Steuer auf den Eigenverbrauch das ist aber nicht die EEG Umlage (das ist die Umsatzsteuer). Die EEG Umlage auf den Eigenverbrauch greift ab 30 kwp. Dann zahlst du also EEG Umlage+ Umsatzsteuer+ Gewerbesteuer + ggf. Einkommenssteuer.

Wenn es eine linke Tasche, rechte Tasche Situation wäre, wäre es ja ok. Es ist jedoch eine „unsere Tasche, Tasche der Großindustrie“ Situation (weil die in so schrecklichen Wettbewerb stehen schnief)

Zur Erklärung habe ich diese Video gefunden:

https://www.youtube.com/watch?v=Z9oaSB5IMV0

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Wir meinen den gleichen Kostenblock. Abschreibungen bestehen aus genau diesen Bestandteilen. Kaufmänner rechnen das mit der Logik, dass nach einer Zeit x eine neue Maschine bzw ein Anlage-Gut gekauft werden kann, wenn dann eben die bestehende nicht mehr funktioniert. Der zweite Grund ist, dass damit Steuern gespart werden, weil die Abschreibung vom zu versteuernden Einkommen als Betriebskosten abgezogen werden kann. Bei einer PV Anlage kann ich das gleiche machen, wenn ich die Anlage als Gewerbe angemeldet habe. Allerdings muss ich dann auch Umsatzsteuer für die entnommene Strommenge zahlen, damit hat die 10 kW Grenze nix zu tun

Ich finde es auch etwas problematisch, dass ausgerechnet die großen Energieverbraucher von der EEG ausgenommen sind. Das Video halte ich allerdings für oberflächlich bis fast populistisch. Es werden nur die Betriebe ausgenommen, deren Stromkosten 20% der Bruttowertschöpfung überschreitet (ist aber glaub ich ein dynamischer Wert). Man darf auch nicht vergessen, dass für diese Betriebe sich der Strompreis mit der EEG fast verdoppeln würde. Zum weiteren müssen diese Betriebe ein Energiemanagement nach ISO 50001 nachweisen. Dort wird inzwischen ziemlich hart geprüft, dass auch tatsächlich Fortschritte beim Einsparen bzw. Der Energieeffizienz erzielt werden.

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Das Umweltbundesamt hat zur Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen eine Studie veröffentlicht. Die Interessantesten Aussagen sind hier nach meiner Meinung folgendes:

„Der Anreiz für die Installation einer PV-Anlage sollte nicht sein, möglichst viel des Stroms selbst
zu verbrauchen und das eigene Haus als abgeschlossenen Stromkosmos zu betrachten, sondern
zu einer möglichst hohen Dekarbonisierung des gesamten Stromsystems beizutragen. Denn
um die angestrebte Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 zu erreichen, bedarf es einer schnellen
und deutlichen Steigerung des PV-Zubaus.“

„Während die Vergütungssätze im Zeitraum April 2012 bis April 2021 um ca. 60 % zurückgingen,
reduzierten sich die PV-Systempreise im gleichen Zeitraum nur um ca. 20 %“

" In Abschnitt 3.4 wird eine Projektion für die
Wirtschaftlichkeit von PV-Dachanlagen für Inbetriebnahmen bis zum Jahr 2025 erstellt. Hierbei
zeigt sich, dass bei einer Fortschreibung des aktuellen monatlichen Degressionssatzes von 1,4 %
bis spätestens im zweiten Quartal 2022 keine der untersuchten Konfigurationen mehr wirtschaftlich abbildbar ist. "

„Da, wie in Abschnitt 2.2 ausgeführt, in den kommenden
Jahren ein hoher und zuverlässiger PV-Zubau essenziell für das sichere Erreichen der Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 (und der notwendigen Zwischenschritte) ist, sollte die Kernaufgabe des Degressionsmechanismus neu definiert werden: von der Dämpfung bei zu hohen Zubauwerten hin zur Zubausteigerung bei zu niedrigen Zubauwerten. Also vom atmenden Deckel
zu einer „atmenden Hebebühne““

Quelle:

Ich denke nicht das eine Solardachpflicht allein das Problem lösen wird. Auch die Wirtschaftlichkeit muss wieder verbessert werden, sodass es wieder einen Anreiz gibt von sich aus Photovoltaik zu installieren und den Strom ins Netz einzuspeisen.

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